VonFelicitas Breschendorfschließen
Über 17.000 Unter-14-Jährige erleben sexuellen Missbrauch – vielleicht auch in deiner Nähe. Wie du die Anzeichen frühzeitig erkennst und wirklich helfen kannst.
Hinweis: In diesem Artikel werden, teilweise detailliert, sexuelle Handlungen an Kindern beschrieben, die für Opfer traumatisierende Folgen haben können.
Rheinland-pfälzische Schulen sollen bis Ende 2024 Konzepte entwickeln, um Kinder vor sexueller Gewalt und Missbrauch zu schützen. Das sieht ein fraktionsübergreifender Antrag vor, der am Mittwoch (8. November) im Landtag in Mainz einstimmig verabschiedet worden ist.
Zahlen des Bundeskriminalamts zeigen, dass solche Konzepte dringend notwendig sind: 2022 wurden über 17.000 Kinder unter 14 Jahren Opfer sexuellen Missbrauchs. Was sie erleben, kann dir das Herz zerreißen, wie ein Video eines Missbrauchsopfers zeigt.
5 Tipps, um Kindesmissbrauch zu erkennen und zu verhindern
Bis Ende 2024 hat das Bundesland noch Zeit. Kinder, die sexuelle Gewalt erleben, brauchen schon vorher Hilfe. So früh wie möglich, denn Betroffene haben oft noch im Erwachsenenalter mit den teils traumatisierenden Erlebnissen zu kämpfen. Eine Studie (durchgeführt mit Frauen) zeigt, dass sexuelle Übergriffe nachhaltig die Gesundheit schädigen können.
Auch du kannst etwas dafür tun, um Kinder zu schützen – wenn du dir die folgenden fünf Tipps zu Herzen nimmst:
1. Sei an den richtigen Stellen aufmerksam
„Alle sagen immer, geh nicht mit Fremden mit“. „Aber was, wenn es gar kein Fremder ist?“ So beginnt ein TV-Spot vom Bundesfamilienministerium zur Kampagne „Nicht wegschieben“, die über Kindesmissbrauch aufklärt. Das Bild von Täter:innen als außenstehende Person, die Kinder auf Spielplätzen mit Süßigkeiten locken, entspricht selten der Realität. Sexuelle Gewalt gegen Kinder findet in den meisten Fällen im familiären oder sozialen Umfeld statt.
Nach einer Forsa-Umfrage von 2021 halten es 90 Prozent für wahrscheinlich, dass sexuelle Gewalt vor allem in Familien stattfindet. Gleichzeitig halten es fast genau so viel (85 Prozent) für unwahrscheinlich oder ausgeschlossen, dass sexuelle Gewalt in der eigenen Familie passieren kann oder passiert. Hier liegt ein Trugschluss vor. Mache dir bewusst, dass auch in deiner Familie und in deinem Freundeskreis sexuelle Gewalt gegen Kinder vorkommen kann.
An Schulen oder im Sport kann Kindesmissbrauch ebenfalls passieren. Nicht immer sind Erwachsene beteiligt. Kinder können sich auch gegenseitig sexuelle Gewalt zufügen. Oft haben Kinder, die Täter:innen werden, selbst eine Opfer-Geschichte.
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2. Verstehe, was sexuelle Gewalt an Kindern bedeutet
Wenn du sexuelle Gewalt an Kindern erkennen willst, musst du verstehen, was damit eigentlich gemeint ist. Grundsätzlich verstehen die Sozialwissenschaften, die Pädagogik und die Psychologie jede sexuelle Handlung, die gegen den Willen an Kindern vorgenommen wird, als Missbrauch.
Bei Unter-14-Jährigen stellt sich die Frage nach dem Willen erst gar nicht: Sie sind nach Angaben des Kindesmissbrauch-Hilfeportals der Bundesregierung noch nicht in der Lage, sexuellen Handlungen bewusst zuzustimmen. Damit ist jede sexuelle Handlung Missbrauch, die vor, mit und an Unter-14-Jährigen ausgeführt wird.
Als sexuelle Gewalt gegen Kinder gilt:
- Missbrauchshandlungen am Körper des Kindes (hands-on):
- (Scheinbar unabsichtliche) flüchtige Berührungen von Brust oder Genitalbereich
- Zungenküsse oder Manipulationen der Genitalien
- Schwere Formen sexueller Gewalt wie orale, vaginale und anale Penetration
- Missbrauchshandlungen, bei denen der Körper des Kindes nicht berührt wird (handsoff):
- Exhibitionistische Handlungen
- Masturbation vor dem Kind, aber auch das gezielte Zeigen pornografischer Abbildungen
- Voyeuristisches Betrachten des kindlichen Körpers
- Verbale Belästigungen
- Missbrauch im Netz:
- Cybergrooming (Anbahnung sexueller Gewalt im Internet)
- Missbräuchliches Sexting (ungewollte Verbreitung von Filmen oder Fotos mit selbstgefertigten sexuellen Darstellungen von sich)
- Die ungewollte Konfrontation mit Pornografie
- (Eine Petition will deshalb Kinderrechte auf Instagram und Co. besser schützen.)
3. Frag bei dem Kind nach und höre zu
Der erste Schritt, um bei sexuellem Missbrauch zu helfen, ist, mit dem betroffenen Kind zu sprechen. Niemand kann dir am Ende besser sagen, was los ist, als das Opfer selbst. Es sei wichtig, dass du Kindern grundsätzlich glaubst, was sie dir erzählen, heißt es in der Kampagne „Nicht wegschieben“. „Hör gut zu. Und frag behutsam nach.“
4. Hole dir Hilfe
Nach Angaben des Hilfe-Portals der Bundesregierung haben Menschen oft Schwierigkeiten, auf betroffene Kinder zuzugehen. Sie haben Angst vor eigener Überforderung oder persönlicher Belastung, sowie davor, Verantwortung zu übernehmen.
Doch du musst am Ende überhaupt nicht alleine mit der Situation klarkommen. An Schulen und Kindergärten gibt es Beratungsstellen, die dich unterstützen können und bei dem Thema besser geschult sind. Du kannst dich bei anonymen Hilfenummern melden und den Fall schildern. Denke immer daran, auch dich selbst zu schützen, wenn du anderen hilfst.
Hilfenummern:
Hilfetelefon Sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530
Medizinische Kinderschutzhotline (speziell für Fachkräfte, wie Ärzt:innen, Richter:innen oder Sozialarbeiter:innen) 0800 19 210 00
5. Kläre deine Freund:innen über Kindesmissbrauch auf
Du kennst dich jetzt ein bisschen besser mit sexueller Gewalt an Kindern aus – andere noch nicht. Mache auch dein Umfeld auf die Gefahr aufmerksam, um mehr Kinder davor zu schützen.
Mehr zum Thema: So kann sich Sex für Menschen anfühlen, die (früher) sexuelle Gewalt erlebt haben.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Monkey Business 2

