Elf Tote in einem Monat

Schüsse neben Kinder-Spielplatz: Banden-Gewalt in Schweden eskaliert – Militär soll eingreifen

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In Schweden hat die Bandenkriminalität in einem Monat elf Tote gefordert. Ministerpräsident Ulf Kristersson will deshalb zu drastischen Mitteln greifen.

Stockholm – Nach den jüngsten mutmaßlichen Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten kriminellen Banden in Schweden mit drei Toten binnen weniger als 24 Stunden will Ministerpräsident Ulf Kristersson das Militär um Hilfe bitten. In einer am Donnerstag im Fernsehen übertragenen Ansprache sagte Kristersson, er werde sich am Freitag (29. September) mit dem nationalen Polizeichef und dem Oberbefehlshaber des Militärs treffen, „um zu prüfen, wie die Streitkräfte die Polizei im Kampf gegen die Banden unterstützen können“. „Wir werden die Banden zur Strecke bringen. Wir werden die Banden besiegen“, fügte er hinzu.

Bandenkriminalität in Schweden: Opfer wird in der Nähe von Kindern erschossen

Die Bandenkriminalität hält Schweden jetzt schon länger im Würgegriff. Zuletzt war am Mittwochabend kurz nach 19.00 Uhr in einem wohlhabenden Vorort von Stockholm ein junger Mann in der Nähe einer Sportanlage erschossen worden, auf der gerade ein Training mit Kindern stattfand. Wenige Stunden später wurden in einem anderen Vorort nach Polizeiangaben zwei Menschen verletzt, von denen einer später starb. Drei Verdächtige wurden festgenommen. In der Nacht zum Donnerstag starb schließlich eine 25 Jahre alte Frau bei einer Explosion in einem Vorort von Uppsala.

Die Polizeivertreterin Catarina Bowall sagte vor Journalisten in Uppsala: „Die Kriminalität hat ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht. Die Lage in Uppsala und im Rest des Landes ist sehr ernst.“ Nach einer Zählung des öffentlich-rechtlichen schwedischen Fernsehsenders SVT zur Bandengewalt wurden in diesem September bereits elf Menschen getötet - die höchste monatliche Opferzahl seit vier Jahren.

Die Polizei steht am Ort einer starken Explosion, die sich am frühen Donnerstagmorgen in einem Wohngebiet in Storvreta außerhalb von Uppsala ereignete.

Schweden versinkt in Bandengewalt: Täter werden immer jünger

Für Besorgnis in Schweden sorgt auch, dass die Täter der Bandengewalt immer jünger sind und bei den Schusswaffenangriffen und Explosionen kommen immer wieder auch Unbeteiligte zu Schaden. 2022 waren in Schweden 391 Schusswaffenangriffe registriert worden. 62 davon endeten tödlich. (erpe/dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © dpa/Anders Wiklund

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