SCO-Gipfel in China: Vereinigung gegen Trump? China rollt roten Teppich für Putin aus
VonDaniel Dillmann
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Ab Sonntag treffen sich in Tianjin die Staatschefs von China, Russland und Indien. Der wegweisende SCO-Gipfel könnte eine neue Weltordnung etablieren.
Update, 20.21 Uhr: Russlands Präsident Wladimir Putin soll im Rahmen seines Besuchs in China den slowakischen Regierungschef Robert Fico treffen. Das kündigte laut Bericht der Nachrichtenagentur Reuters Kreml-Berater Juri Uschakow am Sonntag am Rande des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) an. Fico soll am Mittwoch zu einer großen Militärparade nach Peking reisen. Wann das Treffen stattfinden soll und worüber Putin und Fico sprechen, sagte Uschakow nicht.
Neben Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán ist Fico einer der wenigen EU-Regierungschefs, die trotz des Ukraine-Kriegs ein gutes Verhältnis zu Moskau pflegen. Das Verhältnis zwischen europäischen Staats- und Regierungschefs und der slowakischen Regierung ist angesichts dieser Haltung ohnehin angespannt. Die Gespräche bei dem Gipfel in China dürften die Spannungen zwischen Bratislava und Brüssel weiter verschärfen.
SCO-Gipfel in China: China rollt roten Teppich für Putin aus
Update, 15.37 Uhr: China hat auch für Russlands Präsident Wladimir Putin den roten Teppich ausgerollt: Der Kreml-Chef ist beim 25. Gipfel der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) eingetroffen. Putin und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping begannen ihr Gespräch „im Stehen“, noch bevor der Gipfel begonnen hatte, berichtete ein Korrespondent der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass. Der Kreml-Chef sei als letzter der Staatschefs im Hauptpavillon für den offiziellen Empfang eingetroffen, heißt es in dem Bericht. Der offizielle Teil des Gipfels beginnt am Montag.
Gipfeltreffen der Shanghai Cooperation Organization: Chinas Präsident Xi Jinping und dessen Ehefrau Peng Liyuan begrüßen Russlands Präsident Wladimir Putin.
Update, 13.20 Uhr: Chinas Staatschef Xi Jinping und der indische Regierungschef Narendra Modi haben sich heute beim Gipfel in China zu einem bilateralen Gespräch getroffen. Indien sei entschlossen, die Beziehungen zu China „auf der Grundlage von gegenseitigem Vertrauen, Würde und Einfühlsamkeit“ voranzubringen, sagte Modi während des Treffens zu Xi, wie aus einem von ihm veröffentlichten Video auf X hervorgeht.
Kreml bestätigt: Putin trifft Indiens Ministerpräsident im Dezember
Update, 10.11 Uhr: Nach China ist Indien der größte Ölkunde Russlands. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind die indischen Importe noch gestiegen. Zugleich gilt Russland als einer der wichtigsten Waffenlieferanten Indiens. Der Kreml hat inzwischen bestätigt, dass Präsident Wladimir Putin im Dezember für einen offiziellen Besuch nach Indien reisen. Putin hatte seine Auslandsreisen zuletzt erheblich eingeschränkt. Gegen den Kremlchef liegt seit März 2023 ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) vor.
Weil Indien trotz des russischen Angriffskriegs weiter russisches Öl kauft, hatte die US-Regierung kürzlich Strafzölle von 50 Prozent auf indische Waren verhängt. Unterdessen treiben der indische Ministerpräsident Narendra Modi und Chinas Staatschef Xi Jinping eine Annäherung der beiden Länder voran, wie Modi am Rande des SOZ-Gipfels in China erkennen ließ. Beobachtern zufolge wollen Modi und Xi eine geschlossene Front gegen den Druck des Westens zeigen.
Vor Gipfel in China: Selenskyj fordert Druck auf Putin
Update, 31. August, 7.54 Uhr: Kremlchef Wladimir Putin ist zu einem mehrtägigen Besuch in China eingetroffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert indes Druck auf Moskau, den Krieg gegen Kiew zu beenden. Er habe mit Indiens Premierminister Narenda Modi, der Putin treffen wolle, gesprochen, damit bei dem Gipfel die Notwendigkeit unterstrichen werde, die russische Invasion zu beenden, sagte Selenskyj laut dpa im Vorfeld. Er erwarte, dass sich Modi für einen Waffenstillstand in der Ukraine einsetze.
SCO-Gipfel in China: Xi, Putin und Modi vereinen sich gegen Trump
Erstmeldung: Tianjin – Die nordchinesische Hafenstadt wird am Wochenende zum Schauplatz eines der bedeutendsten Gipfeltreffen des Jahres. Chinas Staatspräsident Xi Jinping begrüßt vom 31. August bis 1. September 2025 die Teilnehmer des 25. Gipfels der Shanghai Cooperation Organization (SCO). Darunter befinden sich unter anderem Russlands Präsident Wladimir Putin und Indiens Premierminister Narendra Modi. Wie der chinesische Staatssender CGTN berichtet, handelt es sich um das größte Gipfeltreffen seit Gründung der SCO.
Der SCO-Gipfel in Tianjin findet zu einem kritischen Zeitpunkt statt: Während US-Präsident Donald Trump mit drastischen Zollerhöhungen den Handelskrieg verschärft, demonstrieren die SCO-Staaten Einigkeit. Die Organisation repräsentiert mittlerweile 42 Prozent der Weltbevölkerung und kontrolliert bedeutende Rohstoffvorkommen, wie Table.Media analysiert.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Besonders brisant ist Modis Rückkehr nach China. Der indische Premierminister betritt zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder chinesischen Boden – ein deutliches Signal an Washington nach Trumps jüngsten Zollmaßnahmen gegen Indien. Laut der Hindustan Times wird Modi beim SCO-Gipfel auf zahlreiche hochrangige Vertreter weiterer Länder treffen.
SCO-Gipfel in Tianjin: Diese Politiker und Staatschefs reisen an
Name
Land / Organisation
Xi Jinping
China
Alexander Lukaschenko
Belarus
Narendra Modi
Indien
Massud Peseschkian
Iran
Qassym-Schomart Toqajew
Kasachstan
Sadyr Dschaparow
Kirgistan
Recep Tayyip Erdogan
Türkei
Shehbaz Sharif
Pakistan
Wladimir Putin
Russland
Emomali Rahmon
Tadschikistan
Sharma Oli
Nepal
Min Aung Hlaing
Myanmar
Prabowo Subianto
Indonesien
Anwar Ibrahim
Malaysia
Antonio Guterres
Vereinte Nationen
Der Besuch des indischen Premierministers markiert dabei auch einen Wendepunkt in den chinesisch-indischen Beziehungen. Nach den blutigen Grenzauseinandersetzungen im Himalaya-Gebiet von 2020 haben beide Länder im Oktober 2024 ein Abkommen zur Grenzverwaltung geschlossen. Wie Table.Media berichtet, verkündete Modi seine Teilnahme ausgerechnet am Tag von Trumps Zollverdopplung auf indische Waren.
SCO-Gipfel soll Beziehungen zwischen China und Indien stärken
„Modi will die Vision Indiens als autonome Macht stärken“, erklärt Jagannath Panda vom Institute for Security and Development Policy vor dem SCO-Gipfel gegenüber Table.Media. Indien verfolge eine Multi-Alignment-Strategie, die sich nicht von einer Seite vereinnahmen lassen wolle. Das Treffen in Tianjin solle auch als Signal an Washington verstanden werden.
Die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen China und Indien sind beträchtlich: Indien ist zu 80 Prozent bei elektronischen Bauteilen, zu 70 Prozent bei chemischen Rohstoffen und zu 90 Prozent bei Seltenen Erden auf China angewiesen. Trotzdem warnen Experten vor zu großen Erwartungen an eine schnelle strategische Annäherung auf dem SCO-Gipfel.
Auch Putin und Xi wollen Zusammenarbeit auf SCO-Gipfel ausbauen
Putin wird als weiterer Hauptakteur des SCO-Gipfels erwartet. Die strategische Partnerschaft zwischen Moskau und Peking hat sich seit dem Ukraine-Krieg intensiviert. Beide Länder arbeiten an der Entdollarisierung ihres Handels und entwickeln alternative Zahlungssysteme als Antwort auf westliche Sanktionen.
Laut CGTN erreichte Chinas Handel mit SCO-Mitgliedern 2024 bereits 3,65 Billionen Yuan – ein Anstieg um das 36,3-fache seit Gründung der Organisation. Infrastrukturprojekte wie die China-Zentralasien-Gasleitung und verschiedene Ölpipelines sind bereits operativ und stärken die wirtschaftliche Integration.
SCO soll Alternative zum Westen werden
Die Shanghai Cooperation Organisation positioniert sich zunehmend als Alternative zur westlich dominierten Weltordnung. Xi Jinping hat wiederholt den Aufbau einer „SCO-Gemeinschaft mit gemeinsamer Zukunft“ gefordert, die auf dem „Shanghaier Geist“ von Vertrauen, Gleichheit und gemeinsamer Entwicklung basieren solle.
„Xi wird den Gipfel nutzen, um zu zeigen, wie eine internationale Ordnung nach der US-geführten aussehen könnte“, analysiert Eric Olander vom China-Global South Project gegenüber Table.Media. Die Organisation zeichne sich dadurch aus, dass sie keine Bündnisse eingehe, keine Konfrontationen suche und keine Dritten ins Visier nehme.
SCO-Gipfel in Tianjin: Diese Länder und Organisationen nehmen teil
China (Gastgeber)
Belarus
Indien
Iran
Kasachstan
Kirgistan
Pakistan
Russland
Tadschikistan
Usbekistan
Mongolei
Turkmenistan
Armenien
Aserbaidschan
Kambodscha
Ägypten
Myanmar
Malediven
Nepal
Türkei
Indonesien
Laos
Malaysia
Vietnam
Vereinte Nationen (UN)
Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS)
Association of Southeast Asian Nations (ASEAN)
Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS)
Economic Cooperation Organization (ECO)
Interaktion und vertrauensbildende Maßnahmen in Asien (CICA)
Eurasische Wirtschaftsunion
Asiatische Infrastrukturinvestmentbank
Der Gipfel in Tianjin könnte somit den Grundstein für eine neue multipolare Weltordnung legen – eine Ordnung, die als direkte Antwort auf Trumps unilaterale Handelspolitik und die westliche Dominanz verstanden werden muss.