SCO-Gipfel: China rollt für Putin den roten Teppich aus – Neuer Block gegen Trump?
VonDaniel Dillmann
schließen
Chinas Präsident Xi Jinping empfängt über 20 Staats- und Regierungschefs zum größten SCO-Gipfel der Geschichte – ein deutliches Signal an Washington.
Update, 20.20 Uhr: Nach Angaben Moskaus will Russlands Präsident Wladimir Putin in China den slowakischen Regierungschef Robert Fico treffen. Das kündigte laut Bericht der Nachrichtenagentur Reuters Kreml-Berater Juri Uschakow am Sonntag am Rande des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) an. Angaben zu Inhalt und genauem Termin machte der Kreml-Berater demnach nicht. Fico soll am Mittwoch zu einer großen Militärparade nach Peking reisen.
Neben Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán ist Fico einer der wenigen EU-Regierungschefs, die trotz des Ukraine-Kriegs ein gutes Verhältnis zu Putin pflegen. Das Verhältnis zwischen europäischen Staats- und Regierungschefs und der slowakischen Regierung ist angesichts der Haltung zu Russland ohnehin angespannt. Die Gespräche bei dem Gipfel in China dürften die Spannungen zwischen Bratislava und Brüssel weiter verschärfen.
SCO-Gipfel: China rollt für Putin den roten Teppich aus
Update, 15.14 Uhr: Beim 25. Gipfel der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) hat China auch für Russlands Präsident Wladimir Putin den roten Teppich ausgerollt. Putin und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping begannen ihr Gespräch „im Stehen“, noch bevor der Gipfel begonnen hatte, berichtete ein Korrespondent der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass. Der Kreml-Chef sei als letzter der Staatschefs im Hauptpavillon für das Treffen eingetroffen, wo ein offizieller Empfang für die Delegationsleiter stattfinden sollte, heißt es in dem Bericht. Der offizielle Teil des Gipfels beginnt am Montag.
Der russische Präsident Wladimir Putin und der chinesische Präsident Xi Jinping bei einer Zeremonie zur Begrüßung der Staatschefs, die am Gipfeltreffen der Shanghai Cooperation Organization (SCO) teilnehmen.
Update, 13.38 Uhr: Chinas Staatschef Xi Jinping und Indiens Regierungschef Narendra Modi trafen sich heute beim Gipfel in China zu bilateralen Gesprächen. Modi erklärte, Indien wolle die Beziehungen zu China „auf der Grundlage von gegenseitigem Vertrauen, Würde und Einfühlsamkeit“ vorantreiben, wie aus einem von ihm auf X veröffentlichten Video hervorgeht.
Vor Gipfel in China: Kreml bestätigte Indien-Besuch von Putin im Dezember
Update, 12.12 Uhr: Indien ist nach China der größte Abnehmer russischen Öls. Seit Kriegsbeginn in der Ukraine stiegen die indischen Importe weiter. Russland gilt als wichtiger Waffenlieferant Indiens. Putin hatte seine Auslandsreisen stark reduziert, nachdem der Internationale Strafgerichtshof im März 2023 einen Haftbefehl gegen ihn erließ.
Die US-Regierung verhängte wegen der anhaltenden indischen Ölkäufe 50-prozentige Strafzölle auf indische Waren. Modi und Xi treiben eine Annäherung ihrer Länder voran. Beobachter sehen darin den Versuch, eine geschlossene Front gegen westlichen Druck zu bilden.
Putin bei SCO in China – Selenskyj fordert Druck des Westens
Update, 31. August, 7.45 Uhr: Kremlchef Putin ist zu einem mehrtägigen China-Besuch eingetroffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte indes Druck auf Moskau zur Kriegsbeendigung. Er habe mit Modi gesprochen, damit dieser bei dem Gipfel die Notwendigkeit betone, die russische Invasion zu beenden. Selenskyj erwarte von Modi den Einsatz für einen Ukraine-Waffenstillstand.
SCO-Gipfel: Putin und Modi bei Xi in Tianjin – Neuer Block gegen Trump?
Erstmeldung: Tianjin – Wenn am Sonntag der 25. Gipfel der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) in der nordchinesischen Hafenstadt Tianjin beginnt, werden sich die mächtigsten Politiker Eurasiens zu einem historischen Treffen versammeln. Chinas Präsident Xi Jinping wird als Gastgeber Wladimir Putin (Präsident Russlands), Narendra Modi (Premierminister Indiens) und weitere Staats- und Regierungschefs aus über 20 Ländern empfangen. Es soll der größte Gipfel seit Gründung der Organisation im Jahr 2001 werden, wie Table.Media berichtet.
Die zweitägige Veranstaltung vom 31. August bis 1. September 2025 findet in einer Zeit statt, in der die geopolitischen Spannungen zwischen Ost und West neue Höhepunkte erreicht haben. Mit zehn Vollmitgliedern, zwei Beobachtern und 14 Dialogpartnern repräsentiert die SCO mittlerweile 42 Prozent der Weltbevölkerung sowie ein Fünftel der Ölreserven und 45 Prozent der weltweiten Erdgasreserven.
SCO-Gipfel in Tianjin: Modis Teilnahme ist deutliches Signal an Trump
Der Gipfel gewinnt besondere Brisanz durch die Teilnahme von Indiens Premierminister Modi, der zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder chinesischen Boden betreten wird. Seine Anwesenheit wird als deutliches Signal an die USA unter Donald Trump gewertet, nachdem dieser die US-Zölle auf indische Waren auf 50 Prozent verdoppelt hatte.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Die Bedeutung des Treffens in der Volksrepublik China geht weit über regionale Kooperation hinaus. Wie Table.Media analysiert, will Xi Jinping den Gipfel nutzen, „um zu zeigen, wie eine internationale Ordnung nach der US-geführten aussehen könnte“. Eric Olander vom China-Global South Project sieht darin einen Beweis, „dass alle Anstrengungen des Weißen Hauses, China, Iran, Russland und jetzt Indien seit Januar einzudämmen, nicht den gewünschten Effekt hatten“.
Wirtschaftliche Dimension des Gipfels: Chinas Handelsvolumen mit SCO-Staaten steigt massiv
Besonders brisant ist Modis Teilnahme am SCO-Gipfel vor dem Hintergrund der verschlechterten Beziehungen zu Washington. Der indische Premierminister verkündete laut eines Berichts der Hinustan Times seine Teilnahme ausgerechnet am 6. August – dem Tag, an dem Trump die Zölle auf indische Waren drastisch erhöhte. Neben Modi und 19 weiteren Staats- und Regierungschefs nehmen auch Vertreter von zehn internationalen Organisationen an dem Gipfel teil.
Die wirtschaftliche Dimension der SCO ist beeindruckend: Laut dem chinesischen Staatssender China Global Television Network (CGTN) erreichte Chinas Handel mit anderen SCO-Mitgliedern im Jahr 2024 rund 3,65 Billionen Yuan (etwa 511 Milliarden US-Dollar) – 36,3 Mal so viel wie seit der Gründung der Organisation.
Diese Länder nehmen am Gipfel der Shanghai Cooperation Organization teil
China (Gastgeber)
Belarus
Indien
Iran
Kasachstan
Kirgistan
Pakistan
Russland
Tadschikistan
Usbekistan
Mongolei
Turkmenistan
Armenien
Aserbaidschan
Kambodscha
Ägypten
Myanmar
Malediven
Nepal
Türkei
Indonesien
Laos
Malaysia
Vietnam
Diese Vertreter internationaler Organisationen nehmen am SCO-Gipfel teil
António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen
Sergei Lebedew, Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS)
Nurlan Jermekbajew, Generalsekretär der SCO
Kao Kim Hourn, Generalsekretär der ASEAN-Gruppe
Ularsbek Sharseyev, Direktor des SCO-Exekutiv-Kommitees
Imanghali Tasmaghambetow, Generalsekretär der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS)
Asad Khan, Generalsekretär der Economic Cooperation Organization (ECO)
Kariat Sarybay, Generalsekretär der Konferenz über Interaktion und vertrauensbildende Maßnahmen in Asien (CICA)
Baqytschan Saghyntajew, Vorsitzender der Eurasischen Wirtschaftsunion
Jin Liqun, Präsident der Asiatischen Infrastrukturinvestmentbank
SCO-Gipfel bringt China und Indien nach Grenzkonflikten zusammen
Die Beziehungen zwischen China und Indien haben nach Jahren der Eiszeit wieder verbessert. Noch im Jahr 2020 kam es an der sogenannten „Line of Actual Control“, die de-facto-Grenze zwischen Indien und China im Himalaya, zu blutigen Zusammenstößen. 20 indische und 43 chinesische Soldaten sollen dabei ums Leben gekommen sein. Erst im Oktober 2024 schlossen beide Länder ein Abkommen, das derartige Zusammenstöße an der umstrittenen Grenze verhindern soll.
Wie Table.Media berichtet, ist Indien zu 80 Prozent für seine elektronischen Bauteile, zu 70 Prozent für seine chemischen Rohstoffe und zu 90 Prozent für Seltene Erden auf China angewiesen. Trotz der wirtschaftlichen Verflechtungen warnen Fachleute aber vor dem SCO-Gipfel in Tianjin vor zu großem Optimismus. Das strategische Misstrauen zwischen beiden Ländern sei kurzfristig nur schwer zu überwinden, so Hu Shisheng vom China Institute of Contemporary International Relations gegenüber Table.Media. Noch heute haben beide Länder jeweils 50 bis 60.000 Truppen an ihrer gemeinsamen Grenze stationiert.
Der SCO-Gipfel in Tianjin: Details in der Übersicht
Ereignis
25. Gipfel der Shanghai Cooperation Organization
Datum
31. August bis 01. September 2025
Teilnehmer
24 Länder, zehn Organisationen (UN, ASEAN, etc.)
Neben Modi wird auch Russlands Präsident Wladimir Putin zu den prominentesten Gästen beim SCO-Gipfel in Tianjin gehören. Die strategische Partnerschaft zwischen China und Russland hat sich seit Beginn des Ukraine-Krieges weiter vertieft. Beide Länder sehen sich von der wirtschaftlichen und währungspolitischen Vormachtstellung der USA und des US-Dollars bedroht. Ihr gemeinsames Ziel ist die Entdollarisierung ihres Handels und der Aufbau alternativer Zahlungssysteme, um sich gegen westliche Sanktionen abzusichern. Laut CGTN soll die SCO auch als Plattform dienen, auf der gemeinsame Infrastruktur-Projekte verwirklicht werden können. Als Beispiel dienen die Bahnstrecke zwischen China, Kirgistan und Usbekistan und die Erdgas- und Öl-Pipelines, die China mit zentralasiatischen Staaten, wie Kasachstan und Russland, verbinden.
„America First“ gegen Allianz zwischen China, Russland und Indien?
Der SCO-Gipfel in Tianjin könnte somit zu einem Wendepunkt in der globalen Machtbalance werden. Während Trump mit seiner „America First“-Politik traditionelle Allianzen strapaziert, nutzen China, Russland und Indien die Gelegenheit, ihre eigene Vision einer multipolaren Weltordnung zu präsentieren.
Und die Symbolik der neuen Partnerschaften gegen Trump und den Westen endet nicht am 1. September, wenn der SCO-Gipfel zu seinem Abschluss kommt. Kurz darauf, am 3. September, werden Putin, Modi und Xi erneut aufeinandertreffen. Gemeinsam mit unter anderem Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un werden alle drei als Ehrengäste in der chinesischen Hauptstadt Peking erwartet. Dort findet dann eine gigantische Militärparade statt, die an das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnern soll.