VonJoachim Willeschließen
Der Papst fordert von der Welt mehr Engagement gegen die Klimakrise. Doch sein Schreiben zeigt: Auch er kocht nur mit Wasser.
Ist der Papst auf der Höhe der Zeit? Da kann man so seine Zweifel haben. Frauen im Priesteramt? Gott bewahre. Aufarbeitung der Missbrauchsskandale? Mal sehen. Der „Synodale Weg“, mit dem die deutschen Bischöfe immerhin Reformen light versuchen? Gefällt ihm gar nicht. Aber es gibt andere Themen, bei denen Franziskus schon begriffen hat, was auf dem Spiel steht. Eines davon: der Klimawandel.
„Laudate deum“ (Lobt Gott) hat der Papst sein jüngstes apostolisches Mahnschreiben „über die Klimakrise“ genannt. Acht Jahre nach seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“, in der die Erderwärmung bereits großen Raum einnahm, hatte er offenbar den Eindruck, hier dringend nachlegen zu müssen. Denn: „Wie sehr man auch versuchen mag, sie leugnen, zu verhehlen oder zu relativieren, die Anzeichen des Klimawandels sind da und treten immer deutlicher hervor.“ Das schreibt er den Klimawandel-Leugnern ins Stammbuch, die „selbst innerhalb der katholischen Kirche“ zu finden seien.
„Laudato Si“ hatte 2015 viel Widerhall gefunden. Viele glauben, dass dieses Sendschreiben für die 1,4 Milliarden Katholik:innen weltweit mit zum Erfolg des Pariser Weltklimagipfels beigetragen hat, der am Ende dieses Jahres stattfand und das 1,5-Grad-Limit als Ziel in die Welt brachte. Inzwischen ist klar, dass die 1,5-Grad wohl schon in diesem Jahrzehnt gerissen werden. Und der Papst mahnt nun, es bestehe die „reale Möglichkeit, dass wir einen kritischen Punkt erreichen“. Und noch drastischer: Die Weltgemeinschaft tue viel zu wenig, „während die Welt, die uns umgibt, zerbröckelt“.
Aber was tun? Da kocht der Papst auch nur mit Wasser, mag es auch Weihwasser sein. Er attackiert die ungebremste Wachstumsgesellschaft, prangert „die Logik des maximalen Profits zu den niedrigsten Kosten, verschleiert als Rationalität, als Fortschritt“ an und fordert, der Mensch müsse sich „als Teil der Natur“ begreifen. Gut gegeben, doch wird solche Erkenntnis alleine den Umschwung bringen, selbst wenn der Papst sie vorbetet?
Nun, Franziskus setzt dann doch auf eine altbekannte Institution, auch wenn sie seit dem ersten UN-Erdgipfel 1992 in Rio bekanntermaßen nicht die nötigen Fortschritte gebracht hat: die turnusmäßige Weltklimakonferenz, die in diesem Herbst in Dubai tagen wird. Die „COP 28“ könne zu einer deutlichen Beschleunigung der Energiewende führen, glaubt Franziskus. „Diese Konferenz kann ein Wendepunkt sein.“ Sein Wort in Gottes Ohr.
