Name aus Sowjetzeiten

Kampf um Bachmut tobt weiter: Russland nennt Stadt jetzt „Artemiwsk“ - was dahinter steckt

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Ukrainische Artillerieeinheiten feuern auf russische Stellungen bei Bachmut in der Region Donezk.

In der Ukraine tobt der Krieg, Bachmut ist Schauplatz eines der härtesten Kämpfe. Russland nennt die Stadt mittlerweile „Artemiwsk“.

Bachmut - Der ukrainische Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nennt Bachmut „unsere Festung“: Der Kampf um die Stadt im Gebiet Donezk ist einer der härtesten im Ukraine-Krieg. Seit rund sechs Monaten sind ukrainische Soldaten in Bachmut Tag für Tag russischen Angriffen ausgesetzt.

Kurz bevor sich der russische Einmarsch zum ersten Mal jährt, hat Russland die Attacken in Bachmut noch einmal verstärkt. Dem ukrainischen Militär geht unterdessen offenbar Munition aus, insbesondere Artilleriegeschosse sollen dort fehlen. Aber noch halten die ukrainischen Soldatinnen und Soldaten die Stellung in Bachmut, trotz Minusgraden und einer beinahe vollständig zerstörten Stadt.

Erst vor ein paar Tagen hat die ukrainische Regierung die verbliebenen 5000 - von ursprünglich 70.000 - Einwohner dazu aufgerufen, Bachmut sofort zu verlassen. Ein Hinweis darauf, wie sehr sich die Lage immer weiter verschlechtert. Auch die beiden Hauptversorgungswege in die Stadt hat Russland offenbar unter Kontrolle gebracht. Übrig bleibt nur noch eine kleine Landstraße, wie die BBC berichtet.

Die Befürchtung, dass die russischen Streitkräfte Bachmut bald vollständig eingenommen haben werden, wird größer und alles deutet daraufhin, dass das ukrainische Militär einen geordneten Rückzug einleiten wird, sollte die Stadt unhaltbar werden.

Ukraine-Krieg: Bachmut heißt in Russlands Staatsmedien jetzt „Artemiwsk“

Neben den militärischen Vorgängen gibt es noch eine weitere Entwicklung im Kampf um Bachmut: Von Russland wird die Stadt nur noch „Artemiwsk“ genannt. In Meldungen der russischen Nachrichtenagentur Tass sucht man seit einigen Monaten vergeblich nach dem Namen „Bachmut“. Zuletzt war im Juli 2022 in Berichten der staatlichen Agentur von „Bachmut“ die Rede - in Texten danach liest man nur noch die Bezeichnung „Artemiwsk“. Was steckt hinter der neuen Sprachregelung und was macht sie so brisant?

Zu Ehren des russischen Revolutionärs Artjom (vollständiger Name: Fjodor Andrejewitsch Sergejew) änderten die Sowjets 1924 den Namen der Stadt Bachmut, wie sie bis dahin über Jahrhunderte hinweg hieß, in „Artemiwsk“. Knapp 100 Jahre später erhielt sie ihren historischen Namen zurück. Nachdem 2014 die Konflikte in der Ostukraine begonnen hatten, geriet auch die Stadt Artemiwsk größtenteils unter die Kontrolle von prorussischen Separatisten. Im Zuge einer Militäroffensive der ukrainischen Regierung konnte die Stadt nach einigen Monaten aber zurückerobert werden. Danach benannte die Ukraine im Jahr 2016 die Stadt schließlich offiziell von „Artemiwsk“ wieder in „Bachmut“ um - zu unpassend schien die Bezeichnung nach einem russischen Kommunisten geworden.

Ukraine-Krieg tobt im Donbass: Soledar einst „Karlo-Libknechtiwsk“

Bachmut ist nicht die einzige Stadt mit einer solchen Geschichte. Auch das heutige Soledar wurde erst 1991 umbenannt. Zuvor hieß das 1924 gegründete Dorf, das später mit einem weiteren vereinigt wurde, noch Karlo-Libknechtiwsk. Der Namensgeber war Karl Liebknecht, im Deutschen Kaiserreich Teil der kommunistischen Bewegung war.

Auch Soledar hatten 2014 prorussische Separatisten besetzt. Bemerkenswerterweise heißt Soledar aber auch auf russischer Seite bis heute nicht „Karlo-Libknechtiwsk“, obwohl Russland seit Mitte Januar 2023 das gesamte Stadtgebiet unter seiner Kontrolle hat. (ale)

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