Präsident Wolodymyr Selenskyj hat angekündigt, die Menschen in der Ukraine über mögliche diplomatische Vereinbarungen mit Russland abstimmen zu lassen. Gleichzeitig rief er sein Volk zum Widerstand und Durchhalten auf.
Kiew - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will über alle in Verhandlungen mit Russland erzielten Vereinbarungen landesweit per Volksabstimmung entscheiden lassen. Das kündigte der Staatschef am Montagabend im Fernsehen an. Die abschließende Form von Kompromissen mit Russland über Sicherheitsgarantien sowie über die besetzten Gebiete der Ukraine müsse in einem Referendum abgesegnet werden. Beide Kriegsparteien verhandeln derzeit miteinander. Konkrete Vereinbarungen gibt es aber bislang noch nicht.
«Ich habe allen Verhandlungsgruppen gesagt: Wenn ihr über all die Veränderungen sprecht, selbst wenn sie historisch sind, gehen wir nirgendwo hin. Wir werden zu einem Referendum schreiten», sagte Selenskyj. Das Volk müsse über «diese oder jene Formen» der Kompromisse zu Wort kommen. Selenskyj erteilte zugleich Ultimaten aus Russland eine grundsätzliche Absage. «Die Ukraine kann keine Ultimaten der Russischen Föderation erfüllen», sagte er. «Man muss uns alle vernichten. Dann wird ihr Ultimatum automatisch erfüllt.»
Russland hatte am Sonntag die ukrainischen Truppen in der belagerten Hafenstadt Mariupol aufgefordert, die Waffen niederzulegen und die Stadt am Montagvormittag zu verlassen. Eine solche Kapitulation lehnte die ukrainische Führung kategorisch ab. «Es wird keine Kapitulation, kein Niederlegen der Waffen geben», sagte Vize-Regierungschefin Irina Wereschtschuk. Das Ultimatum ließen die Ukrainer verstreichen.
Selenskyj ruft Volk zum Widerstand auf
Angesichts der zunehmenden Gewalt gegen Zivilisten in der Ukraine hat Selenskyj seine Landsleute zum Widerstand gegen Russlands Truppen und zum Durchhalten aufgerufen. In einer am Montagabend verbreiteten Videobotschaft appellierte Selenskyj an die Ukrainer, alles zu tun, um den Staat zu schützen. «Um unser Volk zu retten. Kämpft. Kämpft und helft!» Der in Kiew ausharrende Staatschef rief dazu auf, die «Eindringlinge» zu vertreiben. «Damit die Ukraine lebt, und wir alle gemeinsam mit ihr, frei und in Frieden.»
In seiner Ansprache an das «große Volk der großen Ukraine» bezeichnete Selenskyj die russischen Militärs als «Touristen mit Panzern» und «Sklaven ihrer Propaganda, die ihr Bewusstsein verändert hat». Diese von Russland geschickten «Sklaven» hätten noch nie eine derartige Menge freier Menschen auf den Straßen und Plätzen erlebt. «Sie haben noch nie tausende Menschen gesehen, die vor ihnen keine Angst haben», sagte er mit Blick auf eine Protestkundgebung von Zivilisten im besetzten Cherson, die russische Truppen am Montag nach unbestätigten Berichten mit Waffengewalt aufgelöst hatten.
Selenskyj drohte allen russischen Militärs, die sich an wehrlosen ukrainischen Zivilisten vergriffen. Auf sie warte der Trauerflor. Die Ukraine sei nicht Russland. «Widerstand muss hier nicht organisiert werden - Widerstand ist für Ukrainer eine Eigenschaft der Seele.» (dpa)