Afrika

Sexualisierte Gewalt im Sudan

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Einfach nur raus: Diese sudanesischen Frauen warten vor einem Büro für Migrationsangelegenheiten.
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Human Rights Watch sammelt Berichte von systematischen Kriegsverbrechen im Sudan. Die beide Kriegsparteien verüben.

Nuba, heute ist dein Tag“, sagten die Kämpfer der RSF (Rapid Support Forces), erzählt eine 35-jährige Angehörige des Nuba-Volkes im Sudan. Und dann begannen die sechs Männer, sie zu vergewaltigen. So steht es in einem neuen Bericht von Human Rights Watch (HRW). „Mein Mann und mein Sohn haben versucht, mich zu verteidigen“, erzählt die Frau weiter. „Also hat einer der RSF-Kämpfer sie erschossen. Danach vergewaltigten sie mich weiter.“

Der Bericht liefert erschreckende Einblicke in den Kriegsalltag im Sudan. HRW interviewte 93 Menschen zu Vergewaltigungen und sexueller Versklavung durch die RSF, die original die muslimischen Milizen im Darfur-Genozid waren. Die Menschenrechtsorganisation kommt zu dem Ergebnis, dass es sich bei den untersuchten Fällen mindestens um Kriegsverbrechen handle, womöglich sogar um Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Betroffen sind auch Minderjährige; das Alter der Befragten reicht von sieben bis 50 Jahren. In einem Fall berichtet eine Betroffene, dass sie zusammen mit 50 weiteren Frauen gefangen gehalten und drei Monate lang wiederholt vergewaltigt wurde. In einigen Fällen fanden Vergewaltigungen laut HRW bei den Opfern zu Hause und vor den Augen ihrer Familienangehörigen statt.

UN sind gefragt

Bereits zuvor stellte eine Untersuchungsmission der UN Fälle von Vergewaltigungen und sexueller Sklaverei fest. Beide Organisationen geben zudem an, dass es auch bei den sudanesischen Streitkräften, die seit April 2023 gegen die RSF um die Macht im Land kämpfen, systematisch Fälle sexualisierter Gewalt gibt. In bewaffneten Konflikten stellt dies eine Verletzung des Humanitären Völkerrechts oder Kriegsrechts dar und ist damit ein Kriegsverbrechen. Sie wird dann zum Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wenn sie systematisch oder weit verbreitet gegen die Bevölkerung eingesetzt wird.

Human Rights Watch fordert von den Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union nun die Entsendung einer Mission zum Schutz der Zivilbevölkerung im Sudan. Sie soll per Mandat und Ressourcen präventiv gegen sexualisierte Gewalt vorgehen können, sie dokumentieren und auch Überlebenden helfen. UN-Mitgliedsstaaten werden außerdem aufgefordert, ihre Unterstützung für die aktuell dortige Untersuchungsmission zu zeigen.

Keine der Befragten sieht laut HRW einen Weg, die Täter zur Verantwortung zu ziehen. „Es gibt nichts, was irgendjemand für Gerechtigkeit tun kann. Ich muss mich an Gott wenden“, wird eine von ihnen zitiert.

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