Der sicherste Tag im Leben: Lindners Hochzeit empört die Steuerzahler
VonJens Kiffmeier
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Scharfschützen und gepanzerte Limousinen: Die Hochzeit von Christian Lindner auf Sylt erfordert hohe Sicherheitsstandards – zur Empörung im Netz. Zu Recht?
Berlin – Shitstorm statt Glückwünsche: Mit seiner Hochzeit hat Finanzminister Christian Lindner (FDP) ganz Deutschland in Aufruhr versetzt. Erst noch schnell den Bundeshaushalt auf den Weg gebracht und darin die Kürzung der Eingliederungshilfe bei Hartz IV versteckt – und dann ab nach Sylt. Für Berlins Sozialsenatorin Katja Kipping (Die Linke) ist das zu viel. „Da bleiben mir doch glatt die Glückwünsche im Halse stecken“, twitterte sie unter dem Hashtag #lindershochzeit und stimmte dabei in den Chor von vielen Kritikern ein. Denn die Prominenten-Sause auf der beliebten Urlaubsinsel ist längst zu einem Politikum geworden. Vor allem die hohen Staatsausgaben für den Personenschutz erzürnen viele Deutsche.
Kritik an Hochzeit von Christian Lindner und Franca Lehfeldt: Ausgaben für die Steuerzahler bei der Trauung auf Sylt zu hoch?
Seit Tagen ist die Trauung des Bundesfinanzministers ein High-Society-Event: Christian Lindner (FDP) heiratet seine langjährige Partnerin Franca Lehfeldt. Seit 2018 sind der Politiker und die Journalistin ein Paar. Nun schließen die beiden den Bund der Ehe. Am Donnerstag fand bereits die standesamtliche Trauung statt. Am Wochenende folgt das große Fest auf Sylt mit einer Gästeschar von 150 Personen, darunter auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und weitere Staatsminister und Staatssekretäre.
Hochzeit von Lindner: Personenschützer und Scharfschützen bewachen das Fest – Empörung entlädt sich unter Hashtag #lindershochzeit
Um den Feierort in Keitum wurde ein großer Sicherheitsring gezogen. Scharfschützen liegen auf der Lauer. Viele Gäste fahren mit Personenschützern in gepanzerten Limousinen vor. Für viele Steuerzahler ist das zu viel. Im Netz schimpfen sie über die hohen Ausgaben. Angestoßen hatte die Debatte die Komikerin Ilka Bessin. In einem Tweet äußerte sie ihr Unverständnis darüber, warum „wir Steuerzahler die Sicherheitskräfte bezahlen müssen“.
Der Shitstorm nahm seinen Lauf. Ausgerechnet FDP-Justizminister Marco Buschmann goss noch Öl ins Feuer, als er den vielen Kritikern empfahl, sich mal einen „Therapeuten zu suchen“. Seit dem quellen die Internetforen regelrecht über.
Lindners Hochzeit auf Sylt: Olaf Scholz steht auch auf der Gästeliste
Doch ist die Kritik an der Hochzeit von Lindner überhaupt angebracht? Wohl eher nicht. Als Bundesminister wird Lindner, der bei der Linken wegen seiner Hartz-IV-Politik für Empörung sorgt, rund um die Uhr geschützt, so oder so. Ob bei seiner Hochzeit oder im Bundestag – die 24-Stunden-Bewachung kann sich der Politiker nicht aussuchen. Ebenso wenig wie Kanzler Olaf Scholz, der wegen seines Personenschutzes sogar schon einmal Ärger mit den Nachbarn in Potsdam hatte. Lindner habe also „keine andere Wahl“, stellte FDP-Parteifreundin Agnes Strack-Zimmermann klar. Darüber hinaus habe der Steuerzahler mit der Feier nichts zu tun. „Security vor Ort zahlt das Brautpaar.“ Sollte heißen: Und jetzt Schluss damit.
Die schönsten Bilder der Hochzeit von Christian Lindner und Franca Lehfeldt auf Sylt
Tatsächlich scheint Lindner das Private und die Politik ordentlich zu trennen. Zwar zelebriert das Paar seine Hochzeit durchaus öffentlich, aber immerhin verlangen sie für ihre Trauung keinen Regierungssitz – so wie der britische Premier Boris Johnson. Dieser will nämlich ebenfalls heiraten – und zwar am 30. Juni auf dem offiziellen Landsitz der Regierung. Böse Zungen behaupten, dass sich der Regierungschef auch nur deswegen an sein Amt klammert.
Hochzeiten von Politikern: Boris Johnson will sogar auf Landsitz der Regierung feiern
Nach diversen Skandalen hatten mehrere Minister Johnson in den letzten Tagen zum Rücktritt aufgefordert, doch Johnson kommt den Forderungen nur zögerlich nach. Er warf als Parteivorsitzender hin, doch als Premier will er erst gehen, wenn ein Nachfolger gefunden und gewählt ist. Vorsorglich rief Bildungsminister James Cleverly die Briten auf, „großzügig“ zu sein und dem Premier die Hochzeitsfeier auch bei einem Rückzug zu erlauben.