„Sie lächelten sich an“: Model erhebt Vorwürfe gegen Trump und Epstein
VonTadhg Nagel
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Im Podcast spricht die Betroffene offen. Trumps Verhalten sei dreist und kalkuliert gewesen. Epstein habe alles mit einem Lächeln beobachtet.
Washington, D.C. – Der Fall Epstein sorgt weiterhin für Wirbel in der US-Politik. Während zwei Epstein-Opfer die US-Regierung für ihren Umgang mit den Betroffenen kritisieren, wurden erneut schwere Vorwürfe gegen Donald Trump laut. Das ehemalige Model Stacey Williams hat erneut geschildert, wie der US-Präsident und frühere Immobilienentwickler sie 1993 in seinem Büro im Trump Tower unsittlich berührt habe – während Jeffrey Epstein nur wenige Meter entfernt zusah. Trump hatte diese Anschuldigung in der Vergangenheit bereits als politisch motiviert zurückgewiesen.
In einer neuen Folge des „The Daily Beast Podcast“ berichtet Williams, der Vorfall habe sich ereignet, nachdem Epstein vorgeschlagen hatte, während eines Spaziergangs auf der Fifth Avenue im Trump Tower vorbeizuschauen. „Donald kam aus seinem Büro direkt nebenan, in einer Art Wartebereich, und begann, mich zu begrapschen, während die beiden weiter ungezwungen miteinander plauderten“, so das ehemalige Model. „Er bewegte einfach seine Hände an meinem Körper auf und ab und lächelte ihn an, und Jeffrey lächelte zurück.“
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Williams sagt in der Aufzeichung, sie sei erstarrt, als Trump begann, sie zu belästigen, und völlig überrascht über seine Dreistigkeit gewesen. „Ich war einfach verwirrt, weil sie weiterredeten, als wäre nichts passiert“. Und weiter: „Alles, was Donald tut, verbirgt sich hinter seiner Dreistigkeit. Man tut es einfach und alle denken: ‚Das kann nicht wahr sein, denn es ist völlig falsch und er tut es vor allen Leuten, also kann es nicht wahr sein.‘“ Diese Gedanken seien ihr in diesem Moment durch den Kopf gegangen.
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Zu diesem Zeitpunkt, merkt Williams noch an, habe sie sich bereits einen Ruf in der Modelbranche erworben, weil sie sich gegenüber unangemessenen Fotografen behauptete. „Dass ich erstarrte, zeigt, wie geschickt er darin ist, so etwas zu erreichen“, gibt sie zu bedenken. Epstein habe ihr dies, im Anschluss zum Verhängnis machen wollen. „Als wir auf die Straße kamen – wir kamen auf die Fifth Avenue – drehte er sich einfach um und fing an, mich anzuschreien und sagte: ‚Warum hast du ihn das tun lassen?‘“, erinnert sie sich.
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Erstmals hatte das ehemalige Model im Oktober 2024 zu den Vorwürfen gegenüber Trump geäußert – während eines Telefonats, das von ‚Survivors for Kamala‘ organisiert wurde, einer Gruppe von Überlebenden sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, die Kamala Harris bei den Wahlen 2024 unterstützt hatte.
Damals wies die Trump-Kampagne ihre Darstellung als politisch motiviert zurück. „Diese Anschuldigungen, die von einer ehemaligen Aktivistin für Barack Obama erhoben und zwei Wochen vor der Wahl in einem Telefonat der Harris-Kampagne veröffentlicht wurden, sind eindeutig falsch. Es ist offensichtlich, dass diese erfundene Geschichte von der Harris-Kampagne inszeniert wurde“, erklärte Karoline Leavitt, Pressesprecherin des Weißen Hauses, damals in einer Stellungnahme gegenüber dem britischen Guardian.
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Doch laut der Zeitung spiegelt Williams‘ Vorwurf ein breiteres Muster wider. Etwa zwei Dutzend Frauen haben Trump wegen sexuellen Fehlverhaltens über mehrere Jahrzehnte beschuldigt. 2023 befand eine Jury Trump für schuldig, die Ratgeberkolumnistin E. Jean Carroll 1996 sexuell missbraucht zu haben. Epstein und Trump waren von Ende der 1980er Jahre bis 2004 befreundet, bevor sie sich zerstritten – der Aussage des US-Präsidenten zufolge, weil Epstein ihm Mitarbeiter „weggenommen“ habe.
Obgleich Trump eine Verstrickung in die Causa Epstein abstreitet, steht fest, dass Betroffene am Umgang seiner Regierung mit der Sache zweifeln. Wie Newsweek berichtet, haben zwei Epstein-Opfer jüngst in Briefen an Bundesrichter Richard Berman ihre Empörung über das US-Justizministerium zum Ausdruck gebracht.
Sie werfen der Behörde vor, sich zugunsten der wohlhabenden Elite zu verhalten statt die Opfer zu schützen. Ein anonymes Opfer schreibt: „Ich habe das Gefühl, dass die Priorität des Justizministeriums und des FBI darin besteht, die ‚Dritten‘, die reichen Männer, zu schützen, indem sie sich darauf konzentrieren, ihre Namen aus den Akten zu entfernen.“ (tpn)