Merkur-Kommentar

Fingerhakeln mit Merz: Was führt Söder im Schilde?

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Bei der K-Frage in der Union bahnt sich der nächste Krach an. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.
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Markus Söder sagt, er werde sich nicht „drücken“, wenn CDU-Chef Merz ihm die Kanzlerkandidatur antrage. Bahnt sich da der nächste Unionskrach an? Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Nicht immer freut sich der Dritte, wenn zwei sich streiten. Markus Söders Fingerhakeln mit Friedrich Merz um die Unions-Kanzlerkandidatur bezweckt genau das Gegenteil: Einer von uns beiden wird‘s, sagt der Bayer – und positioniert sich damit klar als Reserve-Kanzlerkandidat der Union. Sollte doch noch der recht unwahrscheinliche Fall eintreten, dass CDU-Chef Merz, aus welchen Gründen auch immer, zurückziehen muss, soll ja keiner auf die verrückte Idee kommen, zuerst an den schwarz-grünen NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst statt an Markus Söder zu denken. Das ist der Subtext zu seiner in immer neuen Variationen präsentierten Initiativbewerbung, er drücke sich nicht, falls Merz ihn rufe.

K-Frage bei der Union: Söder wird sich nicht unter Wert verkaufen

Söder ist ein Machtmensch, aber kein Phantast: Er weiß, dass weder seine phänomenalen Beliebtheitswerte noch das adrette neue Bärtchen die Gesetze der politischen Schwerkraft in der Union außer Kraft setzen. Dem in der CDU heute unumstrittenen Chef von Partei und Fraktion kann, falls nicht noch der Himmel oder die AfD oder Sahra Wagenknecht über ihm einstürzt, niemand den Zugriff auf die Kanzlerkandidatur verwehren – schon gar nicht Söder, dem viele in der Schwesterpartei den Schlamassel mit Laschet nachtragen. Doch wird sich kein CSU-Chef, erst recht keiner vom Schlage Söders, unter Wert verkaufen, schon gar nicht in einem bayerischen Bierzelt auf dem Gillamoos, wo das eherne weißblaue Gesetz des „mia san mia“ gilt.

Bayerns Ministerpräsidenten seit 1945

Bundeskanzler Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) und Fritz Schäffer (r, CSU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn.
28. Mai 1945 – 28. September 1945: Fritz Schäffer (r, CSU) mit Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn. © dpa
28. September 1945 – 21. Dezember 1946: Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA.
28. September 1945 – 21. Dezember 1946 (erste Amtszeit): Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA. © IMAGO/Rolf Poss
21. Dezember 1946 –
 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde.
21. Dezember 1946 – 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde. © IMAGO
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück.
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück. © IMAGO
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen.
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen. © IMAGO
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU).
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU). © IMAGO
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU).
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel, der aus Altersgründen zurücktrat, und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU). © IMAGO
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl.
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl. © Heinz Gebhardt/IMAGO
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück.
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück. © IMAGO
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück.
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück. © IMAGO/Astrid Schmidhuber
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste.
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste. © IMAGO
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand.
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand. © Sammy Minkoff/IMAGO
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch.
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch. © Charles Yunck/IMAGO
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender.
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender. © IMAGO

Was hat der bayerische Regent auch zu verlieren? Im schlimmsten Fall lässt er sich das Zugeständnis, dass der weniger zugkräftige Merz unter ihm Kanzler werden darf, teuer abkaufen. Mitregieren kann er auch als CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident. Und für den Fall, dass ihm der Freistaat doch zu klein wird (und eine dritte Kandidatur in Bayern zu risikoreich), bleibt ihm noch immer Zeit bis 2026, sich das Präsidentenschloss Bellevue schönzutrinken. Zur Not klappt das auch mit Cola light. (Georg.Anastasiadis@merkur.de)

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