Der richtige Zeitpunkt für Kiew?

Russlands Charkiw-Angriff „stockt“: US-Senator erwartet „militärisches Momentum“ für die Ukraine

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Russlands Offensiven sollen in der Ukraine nicht wie geplant vorankommen. Laut einem US-Senator wäre jetzt der Zeitpunkt, Streitkräfte in der USA auszubilden.

Washington, D.C./Kiew – Die russische Offensive in der nordukrainischen Region Charkiw soll nach offiziellen US-Angaben ins „Stocken geraten“ sein. Das zuletzt hart umkämpfte Gebiet an der Grenze zu Russland sei zwar nach wie vor bedroht, sagte der nationale Sicherheitsberater des US-Präsidenten Joe Biden, Jake Sullivan, in einem Interview am Sonntag. „Aber die Russen konnten in den letzten Tagen in diesem Gebiet keine wesentlichen Fortschritte erzielen.“ Ein US-Senator drängt infolge der neuen Entwicklung im Ukraine-Krieg auf weitere Maßnahmen, unter anderem die Ausbildung von Streitkräften im Ausland.

Biden hatte jüngst entschieden, den Einsatz von US-Waffen zur Verteidigung der Region Charkiw zu erlauben. Zuvor hatte es Bedenken gegeben, dass die Genehmigung dieser Art von Angriffen die Nato in einen direkten Konflikt mit Russland hineinziehen könnte, da sich einige der Ziele auf russischem Boden befinden.

Russische Offensiven in Charkiw wohl ins „Stocken geraten“ – Ukraine darf über Grenzen hinweg feuern

Sullivan sagte zu Bidens Entscheidung: „Aus der Sicht des Präsidenten war dies eine Frage des gesunden Menschenverstands.“ Es mache laut dem Sicherheitsberater keinen Sinn, der Ukraine nicht zu erlauben, über die Grenzen nach Russland hinweg zu feuern, wenn von dort wiederum aktiv angegriffen wird. Infolge von Bidens Entscheidung hatte auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) der Ukraine die Erlaubnis erteilt, deutsche Waffen auch gegen Ziele im russischen Grenzgebiet einzusetzen.

Männer der ukrainischen Nationalgarde trainieren in der Region Charkiw.

Die Region Charkiw im Norden der Ukraine geriet im Mai in den Fokus des Krieges, nachdem russische Streitkräfte einen Überraschungsangriff gestartet und mehrere ukrainische Grenzdörfer eingenommen hatten. Tausende Ukrainerinnen und Ukrainer waren zur Flucht gezwungen. Für Russland brachten die Offensiven mit die größten Gebietsgewinne seit 18 Monaten.

US-Senator erwartet „militärisches Momentum“ für die Ukraine und fordert Ausbildung von Soldaten

Ginge es nach dem US-Senator Lindsey Graham, müsse die USA den Zeitpunkt im Ukraine-Krieg nun nutzen, um die militärische Unterstützung weiter zu intensivieren. Graham sagte gegenüber CBS News am Sonntag, dass er die Ausbildung ukrainischer Streitkräfte durch die Vereinigten Staaten im Ausland befürworten würde. „Ja, ich bin dafür, dass wir innerhalb des Landes ausbilden. Durch die Verzögerung und die Untätigkeit des Repräsentantenhauses haben wir an Schwung verloren. Aber von Anfang an hat die Biden-Regierung keine Sanktionen verhängt, um Putin abzuschrecken, bevor er einmarschierte. Sie hat der Ukraine nicht schon früh Waffen geliefert, um Putin abzuschrecken. Und jetzt haben wir die Chance, diesen Krieg neu zu beginnen, weil sie die Waffen haben.“

Joe Biden hatte erst am Samstag gewarnt, dass der russische Präsident Wladimir Putin bei der Ukraine „nicht Halt“ machen werde. „Ganz Europa wird bedroht werden. Das werden wir nicht zulassen“, sagte der US-Präsident nach Gesprächen im Pariser Elysée-Palast an der Seite von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron. Weiter hatte er sich für die lange Verzögerung der Waffenlieferungen entschuldigt, da konservative Mitglieder des Repräsentantenhauses zuvor Einsprüche gegen das finanzielle Hilfspaket eingelegt hatten. Zu einer möglichen Ausbildung von Soldaten äußerte er sich nicht. (nz)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Madiyevskyy Vyacheslav/Ukrinform

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