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Putins Sommeroffensive: Insider berichten von miserablen Zustände in russischer Armee

Russland erzielt in der Ukraine weitere Geländegewinne. Aber die Zustände in der russischen Armee sollten Präsident Putin Sorgen bereiten.

Moskau/Kiew – Russland hat seine Sommeroffensive im Osten der Ukraine gestartet und rückt dank seiner Vorteile bei Mannstärke, Artilleriegranaten und Raketen langsam vor. Die kommenden Monate sind entscheidend für Präsident Wladimir Putins Versuch, Kiew zur Kapitulation zu zwingen.

Doch Russlands Fortschritte gegen die Ukraine in den letzten zwei Jahren waren äußerst langsam, besonders im Vergleich zu den jüngsten Blitzschlägen Israels gegen den viel größeren Iran. Der Grund dafür liegt laut Experten im Zustand des russischen Militärs – ein langjähriges Problem.

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Der unabhängige russische Militäranalyst Ian Matveev prognostiziert, dass Russlands Sommeroffensive nicht zu einem drastischen Durchbruch führen, aber einige tausend Quadratkilometer Gebiet gewinnen könnte. Das Militär sei zu komplexen Operationen in der Ukraine unfähig, sagte er. Gründe seien Schwächen in der Aufklärung, Engpässe, Korruption, logistische Mängel und schlechte Ausbildung.

Russlands Blogger kritisieren Putins Militär

„Diese Taktiken des Massenangriffs sind das Einzige, wozu das russische Militär derzeit fähig ist. Und es ist sehr unmenschlich, weil tatsächlich Tote gegen Territorium eingetauscht werden. Was wir jetzt in der russischen Armee haben, sind viele Soldaten, aber sie haben keine Ausbildung.“

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Russische Militärblogger und unabhängige Medienberichte auf Telegram zeichneten in den letzten Monaten ein konsistentes Bild einer problematischen Militärkultur. Dazu gehören Generäle, die falsche Behauptungen über die Eroberung von Dörfern aufstellen, Truppen, die mit wenig Rücksicht auf ihr Überleben in „Fleischassaults“ geschickt werden, sowie schlechter Transport und Logistik an der Front, was zum Tod verwundeter Soldaten führt.

Kommandeure werden oft als korrupt beschrieben - sie fordern Bestechungsgelder, um Soldaten vor tödlichen Angriffen zu bewahren, und setzen Strafregime um, einschließlich der Käfighaltung von Soldaten oder ihrer „Nullung“, was bedeutet, sie töten zu lassen oder auf Selbstmordmissionen zu schicken.

Ukraine-Krieg: Russlands Moral soll immer weiter sinken

Das Ergebnis, so diese Blogger, sind eine niedrige Moral, Desertionen sowie weit verbreiteter Alkohol- und Drogenmissbrauch unter russischen Truppen.

Ivan Philippov, ein russischer Autor, der russische Militärblogger während des gesamten Krieges verfolgt hat und ein Buch über sie schreibt, beschreibt die Gruppe als aggressiv pro-Krieg, aber dennoch zuverlässig bei militärischen Problemen und Rückschlägen. Sie vermeiden sorgfältig Kritik an Putin.

Der russische Präsident Wladimir Putin (Symbolbild).

„Ihre größte Stärke ist, dass sie direkten Kontakt zum russischen Militär haben, zu Leuten von den Schützengräben bis zum Verteidigungsministerium. Sie können Informationen liefern, zu denen sonst niemand Zugang hat“, sagte er.

„Das größte Problem, das sie sehen, ist der Mangel an Arbeitskräften. Das ist seit mindestens einem Jahr ein ständiges Thema. Sie sprechen davon, dass die Menschen, die kämpfen wollen und jetzt Verträge unterschreiben, wirklich – und das sind ihre eigenen Worte – zweitklassige Bürger sind, Menschen mit Alkoholproblemen, Menschen mit Drogensucht, Menschen mit schlechter Gesundheit, Menschen, die über dem Kampfalter sind. Nicht alle, aber immer mehr von ihnen.“

Russlands Zivilisten sollen Putins Soldaten im Ukraine-Krieg helfen

Die Finanzierung von Ausrüstung ist ebenfalls ein Problem, obwohl Moskau 40 Prozent seines Budgets für Krieg und Sicherheit ausgibt. Soldaten an der Front berichten, dass sie sich auf Online-Spendenaktionen von Freiwilligen verlassen, um Drohnen, kugelsichere Westen, Smartphones, Fahrzeuge, Erste-Hilfe-Sets, Generatoren, Powerbanks und Starlink-Einheiten zu kaufen. Doch zunehmend beklagen sie, dass die Russen müde werden, Geld zu schicken.

„Ich verstehe, dass die Menschen müde sind, der Armee zu helfen und des Krieges überdrüssig sind. Ich verstehe, warum viele Menschen Fragen haben, warum der Armee geholfen werden sollte, aber ich habe keine Antworten auf diese Fragen“, schrieb ein russischer Militärblogger namens „Rufzeichen Ossetian“ am 17. Juni und fügte hinzu, dass „jetzt ein Wendepunkt“ sei und die Soldaten „Hilfe brauchen“.

Ein anderer Militärblogger, „Philologe im Hinterhalt“, schrieb in einem Beitrag vom 24. Juni, dass Gespräche über die Stärke der Armee und patriotische Rhetorik bei den Truppen, die täglich mit diesen Engpässen konfrontiert sind, auf taube Ohren stoßen.

Russland ist Ukraine im Krieg offenbar überlegen

„Solange ein Soldat gezwungen ist, die Hälfte seines Lohns für Kartoffeln, Zwiebeln und Karotten, Milch und Fleisch, Drohnen und Inkubatoren, kugelsichere Westen und normale Uniformen, Waffen und Munition, Generatoren und Benzin dafür, Starlinks und gewöhnliche Funkgeräte und Repeater auszugeben, wird er den ‚Patriotismus‘, der ihm aggressiv aufgezwungen wird, nicht akzeptieren“, schrieb er.

Russland wird weithin als derzeit im Krieg überlegen angesehen, mit Vorteilen bei Mannstärke, Munition und Raketen. Es bombardiert ukrainische Städte und verursacht hohe zivile Opferzahlen, aber Russlands Position an den Frontlinien deutet darauf hin, dass sein Sommervorstoß für einen entscheidenden Durchbruch scheitern könnte, so westliche Militäranalysten, die auf einen kürzlichen Vorstoß in Richtung der nördlichen Stadt Sumy verweisen, der ins Stocken geraten ist.

„Es ist keine monolithische Linie, die einfach als Juggernaut vorrückt“, sagte Militäranalystin Dara Massicot, Senior Fellow bei der Carnegie Stiftung für internationalen Frieden. „Sie haben diese Vorteile, aber die Einsatzumgebung an der Front ist für beide Seiten so kompliziert. Die Russen ringen immer noch damit, wie sie große Angriffe durchführen können, bei denen sie Fortschritte machen, ohne von ukrainischer Artillerie oder FPV-Drohnen abgefangen zu werden“, sagte sie und fügte hinzu, dass die russischen Verluste sehr hoch seien.

Blogger berichten über desaströse Zustände in Putins Armee

Ein prominenter pro-Kreml-Blogger, Yuri Podolyaka, schrieb kürzlich, dass es den ukrainischen Streitkräften gelungen sei, ihre Verteidigung von Sumy zu stabilisieren – eine der wichtigsten russischen Angriffslinien in den letzten Wochen.

„Ohne bedeutende Verstärkungen hier oder den Abzug feindlicher Einheiten zu einem anderen Teil der Front werden wir die Verteidigung der Streitkräfte der Ukraine nicht bis zur Linie der Stadt Sumy zurückdrängen können“, schrieb er.

Der ukrainische Oberbefehlshaber, General Oleksandr Syrsky, bestätigte am Donnerstag, dass der russische Angriff auf Sumy gestoppt worden sei.

Am 31. Januar löste Podolyaka drei russische Militäruntersuchungen aus, als er Aufnahmen eines verwundeten russischen Soldaten veröffentlichte – an einen Baum gelehnt in einem verschneiten Walddickicht –, der eine Waffe hob und sich in den Kopf schoss, nachdem er zur Eroberung von Novoiehorivka in der Region Charkiw geschickt worden war. Das Dorf war vom Verteidigungsministerium am 24. Januar fälschlicherweise als erobert gemeldet worden.

Russlands Soldaten erschießen sich selbst

Die Verwundeten „erschießen sich selbst, weil sie erkennen, dass sie niemand mitnehmen wird und sie sowieso erfrieren werden“, schrieb er. Trotz der „Dummheit und sogar Kriminalität“ des militärischen Befehls „gehen sie und sterben“. Der Kommandeur, schrieb er später, wurde befördert.

Die Blogger beklagen, dass falsche Berichte über die Einnahme von Dörfern bedeuten, dass Einheiten, wenn sie tatsächlich vorrücken, um sie einzunehmen, keine Luft- oder Artillerieunterstützung erhalten, weil diese für unnötig gehalten wird.

Mitte Juni berichteten Militärblogger, dass das Militärkommando fälschlicherweise behauptet hatte, das Dorf Komar in der Region Donezk eingenommen zu haben. „Wieder eine Lüge, und wieder werden wegen Lügen gewöhnliche russische Soldaten sterben“, wütete der Militärblogger Roman Alyokhin am 14. Juni und beklagte, dass die effektivsten russischen Einheiten „getrieben werden, die Lügen und Fehler lügender Generäle zu korrigieren“.

Russische Lügen durchziehen Front

Verteidigungsminister Andrei Belousov ordnete im September eine seltene interne Untersuchung an, nachdem zwei hocheffektive russische Drohnenbediener, Dmitry Lysakovsky und Sergei Gritsai vom 87. Separaten Schützenregiment, bei einer Sturmoperation getötet worden waren. In einem letzten Videotestament behaupteten sie, dass ihr Kommandeur, Igor Puzik, von im Krieg beschlagnahmten Vermögenswerten und Drogengeschäften im Regiment profitierte und über die Einnahme des Dorfes Lysyvka in Donezk gelogen hatte.

„Diese Situation ist nicht einzigartig. Sie existiert entlang der gesamten Front. Lügen sind die absolute Norm“, sagte Lysakovsky, der verschwitzt und ängstlich aussah, während er in einem Waldstück ging. Er behauptete, dass Puzik und seine Kumpane wollten, dass er und Gritsai sterben, um sie daran zu hindern, Korruption zu melden.

„Ich nehme dieses Video auf, weil es eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass ich von diesem Angriff nicht zurückkehren werde“, sagte Lysakovsky und fügte hinzu, dass „unsere Hauptaufgabe jetzt ist zu überleben, und ihre ist es, sicherzustellen, dass wir nicht überleben“.

Der Fall wurde schnell zu einem Symbol für die Missstände in der russischen Armee, das Video wurde millionenfach angesehen.

Russische Soldaten beschweren sich in Videos über Zustände

Dutzende Videos sind auf unabhängigen Medienkanälen auf Telegram aufgetaucht, in denen sich Soldaten beschweren, dass Verwundete kampfunfähig in den Krieg zurückgeschickt wurden. Suleiman Borshchigov vom 353. motorisierten Schützenregiment nahm ein Video auf, das am 16. Juni veröffentlicht wurde, in dem er behauptete, dass eine Gruppe, zu der „sogar Einarmige und Einbeinige gehörten“, vom Militär zum Kampf gezwungen wurde. „Wir wurden alle als voll tauglich registriert. Sie warfen uns in den Sturmtrupp und jetzt schicken sie uns zum Schlachten“, sagte er.

Einige russische Militärblogger sagen, es könne keinen bedeutenden Vormarsch ohne eine neue Mobilisierung von Truppen geben – etwas, das die Regierung aus politischen Gründen weitgehend vermieden hat –- oder zusätzliche nordkoreanische Streitkräfte. Mehr als 10.000 nordkoreanische Truppen halfen im März, ukrainische Streitkräfte aus Westrussland zu vertreiben.

Trotz der schlimmen Bedingungen für die Soldaten scheint die russische Rekrutierung aufgrund hoher Löhne und riesiger Anmeldeprämien von mehr als 3 Millionen Rubel, über 38.000 Dollar, weiter zu steigen.

„Ich würde es mit einem Lotteriegewinn vergleichen“, sagte Matveev. „Die Propaganda erzählt ihnen ständig, dass es an der Front gut läuft, und natürlich denken sie: ‚Mir wird es schon gut gehen.‘“

Natalia Abbakumova in Riga, Lettland, trug zu diesem Bericht bei.

Zur Autorin

Robyn Dixon ist Auslandskorrespondentin und bereits zum dritten Mal in Russland tätig, nachdem sie dort seit Anfang der 1990er Jahre fast ein Jahrzehnt lang als Reporterin gearbeitet hatte. Im November 2019 kam sie als Moskau-Büroleiterin zur Washington Post.

Wir testen zurzeit maschinelle Übersetzungen. Dieser Artikel wurde aus dem Englischen automatisiert ins Deutsche übersetzt.

Dieser Artikel war zuerst am 30. Juni 2025 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.

Rubriklistenbild: © Gavriil Grigorov/Imago

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