Fast 47 % für AfD-Kandidaten bei Landratswahl in Thüringen
VonStefan Krieger
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Bei der Landratswahl im südthüringischen Sonneberg erhält der AfD-Politiker Robert Sesselmann fast die Hälfte der Stimmen.
Sonneberg – Bei der Wahl des Landrats im südthüringischen Sonneberg erzielte Robert Sesselmann, Kandidat der AfD, beinahe die Hälfte der Stimmen. Nach Auszählung aller Stimmbezirke am Sonntag (11. Juni) erhielt Sesselmann 46,7 Prozent der Stimmen und lag somit vor dem CDU-Kandidaten Jürgen Köpper, wie aus den Daten des Landeswahlleiters hervorgeht. Vorläufigen Ergebnissen zufolge erreichte Köpper 35,7 Prozent. Sesselmann stand damit kurz davor, Deutschlands erster AfD-Landrat zu werden, wofür die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen nötig gewesen wäre. Die Stichwahl ist für den 25. Juni geplant, zwei Wochen nach der ersten Wahlrunde.
Es ist Sesselmanns zweiter Anlauf auf den Chefposten im Sonneberger Landratsamt. Sesselmann ist AfD-Abgeordneter im Thüringer Landtag unter dem Landespartei- und Fraktionschef Björn Höcke. Die AfD in Thüringen wird vom Landesverfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft und beobachtet. Innerhaln der Partei lägen „Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung“ vor.
Ministerpräsident Bodo Ramelow spricht von „ernstem Problem“
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zeigte sich enttäuscht über die Wahlbeteiligung von 49,1 Prozent. Das sei ein ernstes Problem, sagte Ramelow der Deutschen Presse-Agentur. „Die Hälfte, die nicht hingegangen ist, trägt auch ein Stück Mitverantwortung dafür, dass der AfD-Kandidat beinah aus dem Stand 50 Prozent gekriegt hat“, sagte Ramelow.
Mit Blick auf die Stichwahl sagte der 67-Jährige, er fände es gut, wenn sich nun Demokraten versammelten und sich auch lokale, exportorientierte Firmen zu Wort meldeten. Sesselmann habe im Wahlkampf Themen bedient, die gar nicht auf Landkreisebene entschieden würden.
Jubel beim Thüringer AfD-Chef Höcke
Thüringens AfD-Chef Björn Höcke jubelte bei Twitter: „Mit knapp 47 Prozent hat mein Fraktionskollege Robert Sesselmann das beste AfD-Ergebnis in der ersten Runde einer Landratswahl erreichen können“, schrieb der 51-Jährige bei Twitter. Nur etwa drei Prozentpunkte hätten gefehlt, um der erste AfD-Landrat zu werden. „Das wollen und werden wir für #Thüringen schaffen!“, schrieb Höcke.
Der Thüringer CDU-Chef Mario Voigt kündigte an, dass seine Partei noch einmal massiv um Wählerstimmen werben will. „Wir werden in den nächsten zwei Wochen alles geben, damit Sonneberg stabil bleibt“, sagte er. Die Wähler, die mit ihrer Stimmen für die AfD Protest hätten ausdrücken wollen, hätten das nun getan. „Aber jetzt geht es um die Frage Sacharbeit, Vernunft und Fortschritt mit Jürgen Köpper oder inhaltsleere Parolen, die den Landkreis Sonneberg gegen die Wand fahren.“
SPD und FDP jetzt für CDU-Kandidaten
Nachdem im Landkreis Sonneberg die beiden übrigen Kandidatinnen, die von Linken und Grünen unterstützte Nancy Schwalbach (Grüne) und Anja Schönheit (SPD), es nicht in die Stichwahl schafften, warb Thüringens SPD-Chef Georg Maier für eine Wahl des CDU-Kandidaten. Schönheit habe „grandios gekämpft“, schrieb Maier bei Twitter. „Für die Stichwahl empfehle ich Jürgen Köpper @cdu_thueringen.“ Schönheit kam auf 13,3 Prozent, Schwalbach auf 4,4 Prozent.
Auch Thüringens FDP-Chef Thomas Kemmerich sprach sich für Köpper aus. „Das Ergebnis der Landratswahl ist nicht gut für den Landkreis Sonneberg“, erklärte Kemmerich. „Die Chance im zweiten Wahlgang sollte sein, die über 50 Prozent Nichtwähler zu mobilisieren, um das Ergebnis zugunsten des Kandidaten der CDU, Jürgen Köpper, positiv für den Landkreis zu gestalten.“
Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel
Ramelow sagte, Köpper sei ein erfahrener Vertreter des Landkreises, „der ja schon in schwierigen Zeiten tatsächlich das Landratsamt geführt hat“. Köpper ist seit März Interimslandrat, führt die Geschäfte im Landkreis aber schon länger. Der Ministerpräsident hob hervor, die Region im Landkreis Sonneberg gehöre zu den wirtschaftlich starken in Thüringen. Es sei ein Problem, wenn künftig von dieser Region das Signal ausgehen würde, dass internationale Fachkräfte nicht mehr willkommen seien.
Die Landratswahl wurde außerplanmäßig nötig, weil der 2018 gewählte Landrat Hans-Peter Schmitz (parteilos) aufgrund einer langwierigen Erkrankung in den Ruhestand versetzt wurde. Erst vor wenigen Wochen hatte es im brandenburgischen Oder-Spree-Kreis eine Stichwahl zwischen Kandidaten von AfD und SPD mit knappem Ausgang gegeben. Der SPD-Kandidat entschied diese für sich.(skr/dpa)