Die FDP hat sich positiv zum Renten-Vorstoß von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) geäußert.
Berlin in Deutschland - „Olaf Scholz‘ Überlegungen gehen in die richtige Richtung“, sagte FDP-Fraktionschef Christian Dürr dem Berliner „Tagesspiegel“ vom Montag. „Wir müssen den Menschen mehr individuelle Möglichkeiten für ihren Renteneintritt geben.“
Aus Sicht der FDP sind die bisherigen Regeln zur Rente mit 67 zu starr. „Über ein flexibles Renteneintrittsalter und verschiedene Arbeitszeitmodelle könnte jeder Einzelne den persönlichen Übergang in die Rente viel passgenauer gestalten als heute“, sagte Dürr. „Das würde insgesamt zu einer höheren Attraktivität und damit zu einer höheren Bereitschaft für ein längeres Arbeitsleben führen.“
Scholz hatte den Zeitungen der Funke Mediengruppe und der französischen Zeitung „Ouest-France“ vom Sonntag gesagt: „Es gilt, den Anteil derer zu steigern, die wirklich bis zum Renteneintrittsalter arbeiten können.“ Das falle jedoch vielen Menschen schwer, räumte er ein. Neuen Zahlen zufolge verlassen derzeit zahlreiche ältere Menschen deutlich vor der Regelaltersgrenze den Arbeitsmarkt.
Das Regelalter für den Renteneintritt hatte in Deutschland lange bei 65 Jahren gelegen; 2007 wurde die Anhebung auf 67 Jahre beschlossen. Die Anpassung erfolgt in vielen kleinen Stufen bis 2031.
Nachdem jahrelang immer mehr ältere Menschen berufstätig blieben, stagniert dieser Trend bei den Babyboomer-Jahrgängen, die in den geburtenstarken Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zur Welt kamen. Das zeigen Daten, die das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) am Samstag veröffentlichte.
Eine wichtige Rolle spielt demnach die seit 2014 bestehende Möglichkeit des frühzeitigen Rentenbezugs ohne Abschläge für besonders langjährig Versicherte, die sogenannte Rente mit 63. Laut BiB ging 2021 jede und jeder Dritte über diesen Weg in die Rente.
Zahlen der Deutschen Rentenversicherung zeigten zudem, dass in den letzten Jahren vermehrt Menschen vor der Regelaltersgrenze in den Ruhestand gingen und hierfür Rentenabschläge in Kauf nahmen. Bei etwa einem Viertel der im letzten Jahr neuen Rentnerinnen und Rentner war dies laut BiB der Fall.
Für das Institut gibt die Entwicklung „aus finanz- und arbeitsmarktpolitischer Sicht Anlass zur Sorge“. Aufgrund der Größe der Babyboomer-Jahrgänge verstärke deren Austritt aus der Erwerbstätigkeit den Mangel an erfahrenen, qualifizierten Arbeitskräften. „Die stagnierenden Zahlen zeigen, dass die Ausweitung der Erwerbstätigkeit in höhere Alter kein Selbstläufer ist“, erklärte Elke Loichinger vom BiB.
Das sieht Scholz offenbar ähnlich. In dem Zeitungsinterview forderte er unter anderem den Ausbau von Ganztagsangeboten in Krippen, Kitas und Schulen, um insbesondere den Anteil von Frauen am Arbeitsmarkt zu steigern. Er wies auf Prognosen hin, wonach bis zum Jahr 2035 wohl sieben Millionen Fachkräfte in Deutschland fehlen werden und betonte die Notwendigkeit von Zuwanderung, „um unseren Wohlstand sichern zu können“.
Der Sozialverband SoVD begrüßte Scholz‘ Vorstoß. Im Kampf gegen den Fachkräftemangel sei es „richtig, mehr zu tun, damit Ältere länger arbeiten können, etwa durch Umschulungen oder bessere Arbeitsbedingungen“, sagte die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagsausgaben). Es sei wichtig, „dass die Menschen auch tatsächlich bis zur Regelaltersgrenze arbeiten können und nicht vorher aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden müssen.“
Linksfraktionschef Dietmar Bartsch sieht umfassenden Änderungsbedarf. „Gut ist, dass der Kanzler erkannt hat, dass wir ein Problem bei der Rente haben“, sagte er den Funke-Zeitungen. „Die Ampel sollte nicht kleinteilig agieren, sondern eine große Rentenreform in Angriff nehmen, die die gesetzliche Rentenversicherung stärkt, wo alle einzahlen, Altersarmut verhindert wird und der Lebensstandard im Alter gesichert wird.“ jp/bk
Union: Scholz‘ Aussagen zur Frührente ist Beginn der Abwicklung der Rente mit 63
Unionspolitiker haben sich verwundert über die Forderung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) geäußert, nach der mehr Menschen bis zum Alter von 67 Jahren arbeiten sollen. Die SPD starte damit, ihr Prestige-Projekt Rente mit 63 abzuwickeln, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU im Deutschen Bundestag Stefan Müller sagte der Zeitung „Bild“ (Montag), „Damit Menschen länger arbeiten wollen, braucht es neben besseren Rahmenbedingungen aber auch eine Anerkennung der Lebensleistung“, fügte er hinzu.
Die Staatsbürgerschaft zu verramschen löse hingegen weder das Renten- noch das Fachkräfteproblem, sagte Müller.
CDU-Sozialexperte Dennis Radtke verlangt einen differenzierten Blick. „Wer mit 16 auf dem Bau angefangen hat, muss anders behandelt werden, als jemand, der bis 30 studiert hat“, sagte er mit Blick auf des Renteneintrittsalter gegenüber „Bild“.
Scholz hatte sich für weniger vorzeitige Renteneintritte ausgesprochen. „Es gilt, den Anteil derer zu steigern, die wirklich bis zum Renteneintrittsalter arbeiten können“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Sonntag. Scholz sprach sich zudem für Zuwanderung aus, „um unseren Wohlstand sichern zu können“. Letztere solle durch die Möglichkeit einer Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft bereits nach fünf Jahre unterstützt werden, sagte Scholz.
Das Regelalter für den Renteneintritt hatte in Deutschland lange bei 65 Jahren gelegen; 2007 wurde die Anhebung auf 67 Jahre beschlossen. Die Anpassung erfolgt in vielen kleinen Stufen bis 2031. Seit 2014 besteht die Möglichkeit des frühzeitigen Rentenbezugs ohne Abschläge für besonders langjährig Versicherte, die sogenannte Rente mit 63. Laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) ging 2021 jeder oder jede Dritte über diesen Weg in die Rente. kbh/bk