Spickzettel in Trumps Hand beim Zoll-Abkommen: Notizen verraten EU-Schwäche
VonMarcus Giebel
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Trump triumphiert beim Handelsabkommen mit der EU. Ein Blick auf seinen Spickzettel zeigt, wie er die Europäer über den Tisch gezogen hat.
Turnberry – Donald Trump ist höchst zufrieden mit sich und seinem Deal, den er mit der EU abgeschlossen hat. Das mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Schottland fixierte Handelsabkommen zwischen den USA und dem europäischen Staatenbund nennt der US-Präsident wahlweise „einen mächtigen Deal“, „den größten aller Deals“ oder „den größten Deal, der jemals verabschiedet wurde“.
Trumps Zoll-Deal mit der EU: US-Präsident sammelt wichtigste Zahlen auf Spickzettel
Denn beim Pressetermin mit von der Leyen hielt der 79-Jährige ein Blatt Papier mit durchaus interessanten Informationen in der Hand. Offenbar ein Spickzettel mit wichtigen Zahlen, über den die Berliner Morgenpost und das Schweizer Portal Blue News berichten. Es war nicht das erste Mal, dass sich Trump auf diese Art bei einem öffentlichen Termin behalf: Schon bei seiner Tesla-Show vor dem Weißen Haus für seinen damals noch dicken Kumpel Elon Musk nutzte er im Frühjahr einen Spickzettel mit den Preisen der verschiedenen E-Auto-Modelle.
Hand drauf: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen scheint sich über das Handelsabkommen mit US-Präsident Donald Trump zu freuen, der einen Spickzettel zum Termin mitbrachte (kl. Foto).
Nun hatten seine Berater ihm also wieder ein Papier mit den wichtigsten Informationen zusammengestellt. Darauf zu lesen war unter anderem, dass die EU den USA null Prozent Zölle auf US-Produkte angeboten haben soll. Außerdem soll Brüssel demnach zehn Prozent Zölle durch die USA vorgeschlagen haben, für Autos allerdings 15 Prozent. Zu erkennen sind auch handschriftliche Notizen, so ergänzte offenbar Trump den Hinweis „15 Prozent“, womit er sich letztlich auch durchsetzte. Dieser Zollsatz gilt nun bei allerhand EU-Produkten, so auch für Halbleiter und Pharma-Produkte.
Zu lesen war außerdem „Stahlhandel wie für Großbritannien“. Doch während das Vereinigte Königreich hier nur 25 Prozent Zoll zahlen muss, bleibt der Satz der EU für Aluminium- und Stahl-Produkte bei 50 Prozent.
Trump bekommt Zugeständnisse der EU: Künftig offenbar auch Autos nach US-Standard in Europa zugelassen
Dazu scheinen die Europäer Trump den Notizen zufolge Investitionen von 500 Milliarden US-Dollar und Energie-Importe von 600 Milliarden US-Dollar angeboten zu haben. Der mächtigste Mann der Welt notierte sich jedoch mit 600 Milliarden US-Dollar an Investitionen und 750 Milliarden US-Dollar an Energie-Importen höhere Zahlen auf dem Blatt Papier. Weitere Zeichen für Verhandlungserfolge Washingtons. Das Weiße Haus verkündete später, diese Summen würden von der EU bis 2028 investiert werden, wodurch die amerikanische Wirtschaft und die Produktionskapazität gestärkt würden.
Folgenschwer könnte auch ein anderer Punkt sein, denn auf dem Zettel fand sich zudem der Hinweis: „EU akzeptiert US-Auto-Standards“. Damit könnte sich das Bild auf Europas Straßen verändern, Fahrzeuge mit roten Blinkern zugelassen werden. Auch könnten sich Autos mit geringeren Sicherheitsstandards verbreiten. Dies wird auch dadurch realistischer, dass die EU bereit ist, US-Fahrzeuge künftig zollfrei zu importieren. Noch werden zehn Prozent aufgerufen.
Wichtiger Begleiter von Donald Trump: Diesen Spickzettel nutzte der US-Präsident während des öffentlichen Auftritts mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Trumps Spickzettel lässt also vermuten, dass sich die EU bessere Bedingungen für einen Deal mit den USA erhofft hatte. Doch am Ende saß der Republikaner am längeren Hebel. Hat bekommen, was er wollte. Und konnte glücklich mit sich und der Welt die Heimreise über den Atlantik antreten. (mg)