VonKathrin Reikowskischließen
Sri Lankas Präsident Rajapaksa hat am Freitag offiziell seinen Rücktritt eingereicht. Der 76-Jährige war nach tagelangen Massenprotesten bereits aus dem Land geflohen.
Update vom 15. Juli, 9.44 Uhr: Sri Lankas außer Landes geflüchteter Präsident Gotabaya Rajapaksa ist am Freitag offiziell zurückgetreten. Parlamentspräsident Mahinda Yapa Abeywardena verkündete in der Hauptstadt Colombo, er habe das formelle Rücktrittsschreiben per Post erhalten und akzeptiert. Nach Angaben seines Büros hatte Rajapaksa das Schreiben am Donnerstagabend bereits per E-Mail geschickt.
Infolge der beispiellosen Massenproteste gegen die Staatsführung in Sri Lanka hatte sich Rajapaksa am Mittwoch gemeinsam mit seiner Frau in einer Militärmaschine auf die nahe gelegenen Malediven abgesetzt. Demonstranten hatten zuvor den Präsidentenpalast sowie andere Regierungsgebäude gestürmt und Rajapaksas Rücktritt gefordert. Am Donnerstag flog der faktisch bereits entmachtete Staatschef nach Singapur weiter.
Nun soll der während Rajapaksas Abwesenheit geschäftsführende Präsident und Premierminister Ranil Wickremesinghe nochmals als Interimspräsident vereidigt werden. Am Samstag soll sich das Parlament treffen, um ein Datum für die Wahl eines neuen Präsidenten zu bestimmen.
Sri Lanka: Präsident geflohen - Video zeigt die Proteste der Bevölkerung
Erstmeldung vom 13. Juli:
Colombo - Sri Lanka steckt in einer schweren Wirtschaftskrise, seit Tagen gibt es Massenproteste. Der bisherigen sri-lankische Präsident Gotabaya Rajapaksa war am Samstag zunächst aus dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt Colombo geflohen, kurz bevor zehntausende Demonstranten das Anwesen stürmten. Danach kündigte Rajapaksa seinen Rücktritt für Mittwoch an, um einen „friedlichen Machtwechsel“ zu ermöglichen. Ein Video zeigt jetzt die Proteste der Bevölkerung, die auch am Mittwoch weitergehen:
Protestors have gone into the PM's office in Flower Road and taken it over #SriLanka #SriLankaProtests #lka #SriLanka pic.twitter.com/9vkWO48B6a
— Priyatharshan 🌏 (@priyatharshan1) July 13, 2022
Sri Lanka - Neuer Präsident verhängt Ausnahmezustand - Proteste gehen weiter
Die Krise in Sri Lanka verschärft sich weiter: Kurz nach der Flucht des Präsidenten verhängte die Regierung landesweit den Notstand, Regierungschef Ranil Wickremesinghe wurde zum Übergangspräsidenten ernannt. Er befahl Armee und Polizei, „die Ordnung wiederherzustellen“. Zuvor hatten Demonstranten trotz der Ausgangssperre Wickremesinghes Amtssitz gestürmt.
Die Wut der Demonstranten richtet sich auch gegen ihn. Bereits vor der offiziellen Mitteilung, dass Wickremesinghe das Präsidentenamt übernahm, stürmte eine Menschenmenge seinen Amtssitz in der Hauptstadt Colombo. „Geh nach Hause, Ranil! Geh nach Haus, Gota!“ riefen die Demonstranten.
Polizei und Armee gingen mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Menge vor. Dennoch gelangten zahlreiche Demonstranten in die Büroräume des Regierungschefs, wie Augenzeugen AFP schilderten. Bereits am Samstag hatten Demonstranten Wickremesinghes Privatresidenz in Brand gesetzt.
Nach Flucht von Sri Lankas Präsidenten: Proteste auch auf den Malediven
Die Flucht des Präsidenten Gotabaya Rajapaksa auf die Malediven hat in dem Inselstaat Proteste ausgelöst. Dutzende Sri Lanker demonstrierten am Mittwoch in der Hauptstadt Malé und riefen die dortige Regierung auf, Rajapaksa keine Zuflucht zu bieten. „Liebe maledivische Freunde, bitte drängt Eure Regierung, keine Kriminellen zu schützen“, stand auf einem schwarz-weißen Banner.
Ob der Westen oder China Mitschuld an der Wirtschafts- und Schuldenkrise des Landes tragen - darüber gehen die Meinungen auseinander. (dpa/kat)
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