VonJoachim Willeschließen
Eigentlich dürfte es keine neuen Investitionen in Erdöl, Kohle und Gas geben. Doch ein Bericht zeigt, dass viele Staaten in die falsche Richtung laufen.
Der UN-Klimarat IPCC hat als Leitlinie vorgegeben: Die globalen CO2-Emissionen müssen bis 2030 praktisch halbiert werden, damit die Welt das 1,5-Grad-Limit der Erderwärmung nicht überschreitet. Ein neuer Report zeigt nun jedoch, dass die Regierungen der Länder mit großen Erdöl-, Erdgas- und Kohlevorkommen viel zu hohe Produktionsziele verfolgen. Sie planen danach, mehr als doppelt so viele fossile Brennstoffe zu gewinnen, als es mit dem 1,5-Grad-Ziel vereinbar wäre, nämlich 110 Prozent zu viel. Und selbst beim weniger ambitionierten Zwei-Grad-Limit sind es danach noch 69 Prozent.
Laut dem Report, an dessen Erstellung das UN-Umweltprogramm Unep beteiligt war, würden die Regierungspläne zu einem Anstieg der weltweiten Kohleproduktion bis 2030 und der weltweiten Öl- und Gasproduktion sogar bis mindestens 2050 führen. Dadurch werde sich die Lücke zwischen den CO2-Einsparerfordernissen und den Emissionen aus den fossilen Brennstoffen im Laufe der Zeit immer weiter vergrößern. Das Autorenteam verweist darauf, dass diese Pläne auch an der erwarteten Entwicklung der weltweiten Nachfrage nach Kohle, Öl und Gas vorbei gehen. Diese soll, etwa nach den Prognosen der Internationalen Energie-Agentur (IEA), im laufenden Jahrzehnt ihren Höhepunkt erreichen.
António Guterres: “Doppeltes Ungemach“
Der Bericht empfiehlt einen fast vollständigen Ausstieg aus der Kohleproduktion und -nutzung weltweit bis 2040 und eine Reduzierung der Öl- und Gasproduktion und -nutzung um mindestens drei Viertel bis 2050 gegenüber dem Stand von 2020. Keine großen Chancen geben die Autor:innen den Plänen, die Emissionen der fossilen Energien durch Lagerung im Erd-Untergrund unschädlich zu machen. Sie seien unwägbar und risikoreich, heißt es dazu. Empfohlen wird Regierungen, die über größere Möglichkeiten zum Ersatz fossiler Brennstoffe verfügen, ehrgeizigere Reduktionen als bisher anzustreben.
UN-Generalsekretär António Guterres kommentierte den Bericht: „Die Regierungen verdoppeln buchstäblich die Produktion fossiler Brennstoffe; das bedeutet doppeltes Ungemach für die Menschen und den Planeten.“ Es sei unmöglich, die Klimakatastrophe zu bewältigen, ohne ihre Ursache zu bekämpfen, nämlich die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Der anstehende UN-Klimagipfel müsse ein klares Signal aussenden, „dass das Zeitalter der fossilen Brennstoffe vorbei ist, dass sein Ende unausweichlich ist“.
Die Hoffnung ist, dass die COP28 sich gegen Fossile ausspricht
Obwohl die fossilen Brennstoffe die Hauptursache für die Klimakrise sind, wurden sie bei den internationalen Klimaverhandlungen in den letzten Jahren weitgehend ausgeklammert. Auf der COP26 in Glasgow Ende 2021 verpflichteten sich die Länder, die Bemühungen um den „schrittweisen Ausstieg aus der ungebremsten Kohleverstromung und die Beendigung ineffizienter Subventionen für fossile Brennstoffe“ zu beschleunigen, sie setzten sich jedoch keine konkreten Ziele dafür. Die Hoffnung ist nun, dass die COP28 das nachliefert.
Der Bericht über die „Produktionslücke 2023“ enthält Länderprofile für 20 wichtige fossile Brennstoffe produzierende Länder, nämlich Australien, Brasilien, Kanada, China, Kolumbien, Deutschland, Indien, Indonesien, Kasachstan, Kuwait, Mexiko, Nigeria, Norwegen, Katar, die Russische Föderation, Saudi-Arabien, Südafrika, die Vereinigten Arabischen Emirate Großbritannien und USA.
Diese Profile zeigen, dass die meisten dieser Regierungen die Produktion fossiler Brennstoffe weiterhin politisch und finanziell in erheblichem Umfang unterstützen. Neben dem Unep waren das Stockholm Environment Institute (SEI) und die Thinktanks Climate Analytics, E3G sowie das International Institute for Sustainable Development (IISD) daran beteiligt.
