VonFelicitas Breschendorfschließen
Das Gas wird knapp, im Winter dürfte es kalt werden. In deutschen Städten sollen Wärmehallen für bedürftige und alte Menschen Abhilfe schaffen, lauten einige Vorschläge. Twitter-Nutzer:innen sind alarmiert.
Der Krieg in der Ukraine lässt die Energiepreise weiter steigen. Putin dreht Deutschland immer weiter den Gas-Hahn zu. Die Gasknappheit wird immer größer. Das Gas deutlich teurer. Erste Vermieter stellen deshalb sogar das Warmwasser ab. Jetzt hat der Deutsche Städtetag Städte und Gemeinden empfohlen, über Wärmehallen nachzudenken. Besonders ältere und bedürftige Menschen sollen sich in den Hallen aufwärmen können – wenn es im Winter zu kalt wird und die warme Wohnung nicht mehr bezahlbar ist.
In den ersten deutschen Städten werden die Wärmehallen laut der Tagesschau schon konkret geplant: in Heidelberg, Landau und Ludwigshafen. Auf Twitter zeigen sich viele User:innen bestürzt über die Notwendigkeit der Hallen. In einem Industrieland wie Deutschland sei es unglaublich, dass es so weit kommen konnte:
Jetzt ist Deutschland endgültig bekloppt geworden.#Wärmehallen
— M. 💁🏻♀️💚 (@mafifee_) July 10, 2022
Wir diskutieren in diesem Land ernsthaft über #Waermehallen, aber nicht wie es so weit kommen konnte.
— Frida (@Friedaspfeife) July 11, 2022
Gaspreis explodiert: Von der Wärmehalle zur Infektionszentrum?
In Rheinlandpfalz müssen einige Grundschulen bereits ohne warmes Wasser auskommen. Die Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) bereitet das Land jetzt laut der Bild auf die geplanten Wärmehallen vor. Die Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen war beispielsweise einmal ein Ort für Sportveranstaltungen, Ausstellungen und Konzerte. Im Mai 2020 wurde sie dann als Impfzentrum genutzt. Kommenden Herbst und Winter könnte sie der Stadt als „zentrale Aufwärmstation“ dienen, so die Bild.
Selbst wenn in der Halle nicht mehr geimpft wird, fragen sich Twitter-Nutzerinnen, ob trotzdem an Corona gedacht wird: Wie gehen die Wärmehallen mit den steigenden Fallzahlen um? Wird es dort Corona-Schutzmaßnahmen geben? Wenn es warm und eng wird, breitet sich der Virus ja besonders gerne aus.
Was sagt #Lauterbach eigentlich zu den geplanten #Waermehallen wo sich Hunderte im Winter dicht gedrängt in einem Innenraum aufhalten sollen? #coronavirus
— Tamara Breitschneider (@TBreitschneider) July 10, 2022
Hattest du bisher noch kein Corona? Forschende haben herausgefunden, warum der Virus um dich einen Bogen machen könnte.
Der neueste Clou der Regierung: Wegen des drohenden Gasmangels sollen Arme im Winter in "Wärmehallen" schlafen.
— Kiouki - Ich bin nicht der Dauerduscher! (@Kiouki) July 10, 2022
Ein Infektionsangebot gibt es gratis dazu.
Statt Wärmehallen sollten Rentner:innen mehr Geld bekommen, fordert ein Twitter-Nutzer
Der Twitter-Nutzer Rumpel Stilz hält die Wärmehallen für keine gute Idee. Die Instandhaltung sei zu aufwendig. Stattdessen schlägt er mehr Geld für Rentner:innen vor. Wer in Rente ist, solle 200 Euro im Monat für seine Heizkostenrechnung dazubekommen. Von der geplanten Energiepauschale, die im Juni kommt, sind Rentner:innen ausgeschlossen. Alles, was du über die Energiepauschale von 300 Euro wissen müsst, erfährst du hier.
Solche Hallen sind riesig, hoch, brauchen ständige Heizung und Lüftung, Catering, Toiletten- und Putzdienste, dazu die Ausstattung. Ich weiß nicht, ob es nicht billiger wäre, jedem Armutsrentner stattdessen 200€ monatlich zu seiner Heizkostenrechnung dazuzugeben. #Waermehallen
— Rumpel Stilz (@MrsSMoni) July 10, 2022
Eine andere Userin wünscht sich statt Wärmehallen das bedingungslose Grundeinkommen:
Die Idee der #Wärmehallen für Deutschland ist das peinlichste was ich seit langem gesehen habe. Führt endlich ein bedingungsloses Grundeinkommen (#BGE) ein anstatt mit solchen Krücken Symptompolitik zu betreiben!
— Kadse Uschi (für das #BGE) (@KadseUschi) July 10, 2022
Russisches Gas oder Atomkraft – wie Wärmehallen laut Twitter-Nutzer:innen verhindert werden könnten
Der Twitter-User @Hefeweizen fordert die Bundesregierung auf, die Energiekrise zu lösen: Sie soll Nordstream 2, die umstrittene Gas-Pipeline mit Russland, öffnen. Deutschland hatte das Projekt wegen dem Ukraine-Krieg gestoppt. Putin plant deshalb eine neue Pipeline nach China.
Ob auf der anderen Seite Nordstream 1 im Juli wieder in Betrieb geht, bleibe noch unklar. Wie die Tagesschau berichtet, will Kanada jedoch eine Turbine, die für die Pipeline benötigt wird, nach Deutschland liefern.
In Deutschland wird über #Waermehallen für die Bevölkerung diskutiert, während der Bundestag in der größten Krise in den Sommerurlaub geht. #Nordstream2 öffnen sofort.
— Fleischpflanzerl🛀🛀🛀🛀 (@Hefeweizen) July 10, 2022
Eine andere Vorstellung, wie Deutschland Wärmehallen hätte vermeiden können, kommt von der Userin @seikritisch. Statt zu mehr Gas zu greifen, hätte Deutschland besser auf Atomkraft setzen sollen. 44 Prozent aller jungen Menschen glauben, dass Atomkraftwerke weiterbetrieben werden, um das Klima zu retten. Das wurde in einer aktuellen Studie herausgefunden, in der mehr als die Hälfte den Klimawandel als die größte Bedrohung wahrnahm.
Wärmehallen für Alte und Arme sind im Gespräch, weil man aus rein ideologischen Gründen die #Atomkraft nicht weiterbetreiben möchte. Frieren für eine Ideologie, durch die das Land an die Wand gefahren wird. #Deutschland hat fertig! #Ampelregierung
— Jeanne d’Arc (@seikritisch) July 10, 2022
Im Gegensatz dazu sieht der User Rob Alexander die Wärmehallen als ein Beweis für eine scheiternde Energiepolitik. Hätten Deutschland schon früher auf erneuerbare Energien gesetzt, wären wir seiner Ansicht nach nicht an diesem Punkt. Die Klimaschutzbewegung Fridays For Future kritisiert ebenfalls, dass Ampel ihre Klimaziele nicht erreicht.
Egal ob Wärmehallen oder Schulschließungen, wir tun alles um uns nicht eingestehen zu müssen, dass die Energiepolitik der letzten 25 Jahre eine einzige Katastrophe war.
— Rob Alexander 🇬🇧🗽 (@VikingRohan) July 10, 2022
