Großbritannien

Starmers Politik der Anbiederung

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In Windsor wird Trump am Mittwoch erwartet.
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Donald Trump soll bei seinem zweiten Staatsbesuch in Großbritannien mit viel Pomp empfangen werden – vor allem der angeschlagene britische Premier erhofft sich von dem Treffen viel.

Seit Tagen sind US-Militärhubschrauber zu Probeflügen unterwegs, auf Schloss Windsor werden die Pferde gestriegelt, Demonstranten und Demonstrantinnen entstauben ihre Protestplakate – der knapp 48-stündige zweite Staatsbesuch des US-Präsidenten Donald Trump hält den Großraum London in Atem.

Der Plan war, dass Air Force One am Dienstagabend auf britischem Boden landet und Trump und Gefolgschaft dann in die Residenz des US-Botschafters im Regent’s Park gebracht werden. Der offizielle Teil des Besuchs beginnt dann am Mittwoch mit klingendem Spiel und Militärparade: Der Begrüßung des Präsidentenpaars durch König Charles III und Camilla sowie dem Kronprinzenpaar William und Kate auf Schloss Windsor folgt eine Kutschfahrt. Abends gibt es ein Staatsbankett im Prunksaal der Burg. Der Donnerstag steht dann im Zeichen politischer Gespräche auf dem Landsitz Chequers von Premierminister Keir Starmer. Nach einer gemeinsamen Pressekonferenz soll die US-Delegation dann am Abend wieder abreisen.

Trump wünscht sich wohl vor allem schöne Fernsehbilder. Deshalb hat der Palast 1300 Soldat:innen und 120 Pferde aufgeboten, weit mehr als kürzlich für den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Die Melodien der Militärkapellen werden kurzzeitig übertönt von einer Darbietung der Red Arrows, der Kunstflugstaffel der Royal Air Force.

Die siebenminütige Rede des britischen Staatsoberhaupts beim Bankett hat eine Vielzahl von Versionen hinter sich, jeder Satz wird mit dem Foreign Office und der Downing Street vereinbart. Bei Trumps erstem Staatsbesuch 2019 hatte die Queen die Bedeutung jener internationalen Institutionen betont, zu deren Entstehung die anglo-amerikanischen Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend beitrugen. Gut möglich, dass Charles dem erratischen Regelbrecher auch diesmal die Vorzüge gemeinsamen globalen Handelns erläutert, zumal der König seit Jahrzehnten den Umweltschutz predigt und vor der Klimakrise warnt.

Allen inhaltlichen Meinungsverschiedenheiten zum Trotz scheinen sich die beiden älteren Herren – Charles ist 76, Trump 79 – zu mögen. Über den Inhalt von Trumps Gegenrede ließ die US-Seite vorab nichts verlauten. Nervosität herrscht in der Downing Street über die von „Fox News“ verbreitete Aussicht, man werde Mittwochabend ein Interview mit Trump ausstrahlen. Ob er darin seinen Bewunderer Nigel Farage anpreist oder die angeblich fehlende Meinungsfreiheit auf der Insel anprangert?

Beschwichtigend beschreiben Mitarbeiter:innen bei Hofe ihre Erfahrungen mit den Trumps als höfliches und zuvorkommendes Besucherpaar; der Präsident gilt als Fan alles Royalen und hat sich immer wieder positiv über das Königreich geäußert. Diverse Aspekte des Menüs sollen auf Schottland verweisen; von der Isle of Lewis stammte Trumps Mutter, in Ayrshire besitzt der US-Präsident einen Luxus-Golfplatz.

Sicherheitsvorkehrungen am Schloss von Windsor, wo Trump unter anderem erwartet wird.

Als Belohnung für seine Politik der Anbiederung und betonte Gesprächsbereitschaft hofft der innenpolitisch angeschlagene britische Regierungschef Starmer auf den Abschluss eines unterschriftsreifen Vertrags zur besseren Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuer Technik, nicht zuletzt in Fragen der KI. Geplant ist auch eine Absichtserklärung, wonach die beiden Staaten den Bau von Mini-Atomreaktoren vorantreiben wollen.

Schon vorab feierte die Downing Street zugesagte Investitionen von US-Firmen in Milliardenhöhe. So plant Citibank die Ausweitung seiner Präsenz in London, Manchester und Belfast mit 1800 zusätzlichen Jobs. Der Private-Equity-Gigant Blackstone will über die kommenden zehn Jahre 100 Milliarden in britische Firmen stecken. In Gesprächen zwischen den Finanzministern Rachel Reeves und ihrem US-Kollegen Scott Bessent ging es am Dienstag um die Angleichung von Regeln für die Finanzzentren London und New York.

Deutlich weniger Aussichten werden der erhofften Reduzierung der Trump-Zölle eingeräumt. Die Insel ist ohnehin ganz gut weggekommen, kämpft aber vor allem um die Befreiung der Stahl-Industrie von der 25 Prozent-Abgabe. Auch soll schottischer Whisky von der Zehn-Prozent-Regel befreit werden.

Ablehnung im Volk

Die britische Gesellschaft verhält sich derweil ablehnend. Nicht umsonst vermeidet das Besuchsprogramm die Hauptstadt so gut es geht. Umfragen zufolge haben lediglich 16 Prozent der Briten und Britinnen eine positive Meinung von Trump. Eilig verabschiedet sich das Unterhaus am Dienstag in die Ferien, sodass eine Rede des Besuchers dort nicht infrage kommt. Der liberaldemokratische Parteichef Edward Davey hat seine Teilnahme am Staatsbankett mit Verweis auf Trumps Politik abgesagt.

Linke Gruppen, Klima-Engagierte und Friedensbewegte veranstalteten schon am Dienstag eine Protest-Demo in Windsor. Für Mittwoch rufen sie in London zu einem Marsch mit Kundgebung „Trump not Welcome“ auf. Trump habe „das Vertrauen in Amerikas guten Willen, Urteilsvermögen und Verlässlichkeit zerstört“, schäumt der konservative Autor und Historiker Max Hastings in der „Times“. Mit seiner Gattin will der 79-Jährige erstmals seit 1968 wieder an einer Demo teilnehmen: am Protestmarsch gegen „den erbärmlichsten aller US-Präsidenten“.

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