VonChristoph Gschoßmannschließen
Eine Anweisung zum Rendezvous: Der Kreml fordert seine Bürger auf, in der Mittagspause Nachwuchs zu zeugen. Die Einwohnerzahl nimmt drastisch ab.
Moskau – Wladimir Putin befiehlt, die Russen folgen? Ein neuer Befehl aus dem Kreml betrifft nicht die Soldaten, die im Ukraine-Krieg kämpfen, sondern die Zivilpersonen zu Hause. Der Kreml will, dass sich die Menschen in Russland während der Mittags- und Kaffeepausen zum Liebesakt treffen.
Der Grund: Die Geburtenrate in Russland sinkt dramatisch, und an der Front sterben unzählige Soldaten. Russland braucht neue Kinder für die Kriege der Zukunft, und diese sollen möglichst bei jeder Gelegenheit gezeugt werden.
Russland: Geburtenrate sinkt auf 25-Jahres-Tief
Das Sex-am-Arbeitsplatz-Programm wurde angeordnet, weil die derzeitige Geburtenrate bei etwa 1,5 Kindern pro Frau liegt und damit weit unter der Rate von 2,1 liegt, die für eine stabile Bevölkerungszahl erforderlich ist. Nicht nur auf dem Schlachtfeld hat Russland Verluste erlitten: Mehr als eine Million, hauptsächlich jüngere Russen, sind wegen des Kriegs gegen die Ukraine aus dem Land ausgewandert. Die russischen Verluste im Krieg wurden zuletzt von der Nato auf mehr als 600.000 Tote und Verwundete beziffert.
Die Geburtenrate ist im ersten Halbjahr 2024 auf ein 25-Jahres-Tief gesunken. Die Gesamtbevölkerung Russlands ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich geschrumpft. Lebten 1990 noch knapp 149 Millionen Menschen in Russland, sind es gegenwärtig noch knapp 144 Millionen. Bis zum Jahr 2050 könnte diese Zahl im Riesenreich nach Berechnungen von Statistikern auf 133 bis 136 Millionen schrumpfen.
„Schicksal Russlands“ bestimmen durch Liebesakte am Arbeitsplatz
Dem will Putin nun entgegensteuern. „Der Erhalt des russischen Volkes ist unsere höchste nationale Priorität“, so der Machthaber. „Das Schicksal Russlands hängt davon ab, wie viele von uns es geben wird. Es ist eine Frage von nationaler Bedeutung.“ Und Gesundheitsminister Dr. Jewgeni Schestopalow sagte: „Sehr beschäftigt bei der Arbeit zu sein, ist kein gültiger Grund, sondern eine lahme Ausrede. Man kann sich während der Pausen fortpflanzen, denn das Leben vergeht zu schnell.“
Auf die Frage, wie viel beschäftigte Menschen Zeit hätten, Kinder zu bekommen, sagte er: „In den Pausen.“ Der Kreml hat bereits auf mehrere Arten versucht, die Menschen zu ermutigen, mehr Kinder zu bekommen. So wird etwa Frauen im Alter von 18 bis 40 Jahren in Moskau gesagt, sie sollten an kostenlosen Fruchtbarkeitsuntersuchungen teilnehmen, um ihr „Fortpflanzungspotenzial“ zu ermitteln.
Abgeordnete in Russland will Frauen zwingen, Kinder zu bekommen
Und mit freundlichen Aufforderungen ist es nicht getan: Die Abgeordnete Tatjana Butskaja hat einen Plan erstellt, wie Arbeitgeber Frauen sogar dazu zwingen können, Kinder zu bekommen. Butskaja sagte: „Großfamilien werden zur neuen Elite. Regionale Gouverneure sollten über die Geburtenrate berichten.“ Die Frauen sollen überwacht werden. In der Region Tscheljabinsk wird Studentinnen unter 24 Jahren umgerechnet knapp über 10.000 Euro als Bonus für ihr erstes Kind. Zudem wird der Zugang zu Abtreibungen im Land im ganzen Land blockiert und Scheidungsgebühren wurden erhöht.
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Laut der Politikerin Anna Kusnezowa sollen Frauen „mit 19 oder 20 Jahren anfangen, Kinder zu gebären. Dann kann die Familie statistisch gesehen drei, vier oder mehr Kinder haben.“ Die Abgeordnete Zhanna Rjabtseva schloss sich ihr an: „Gebären, gebären und nochmals gebären, man muss gebären, gebären mit 18.“
Werben für Kinderlosigkeit in Russland bei Strafe verboten
Auch das öffentliche und auch private Werben für Kinderlosigkeit in Russland ist unter Strafe verboten. Putin unterzeichnete dazu ein Gesetz, das für jeden Verstoß hohe Geldstrafen von bis zu umgerechnet 9300 Euro vorsieht. Somit dürfe im Internet, in den Medien, Kinos und der Werbung die Idee von Kinderlosigkeit nicht mehr verbreitet werden. Vor allem unter Jugendlichen dürfe dafür nicht geworben werden, sagte Wjatscheslaw Wolodin, Vorsitzender der Staatsduma.
„Entscheidungen einer Frau, nicht zu gebären“, seien von diesem Gesetz nicht betroffen, schränkte er ein. Vielmehr gehe es darum, die junge Generation „vor destruktiven Einflüssen zu schützen“. Es sollte alles getan werden, dass in Russland neue Generationen von Bürgern „mit traditionellen Familienwerten“ aufwachsen. (cgsc mit dpa)
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