„Höchste nationale Priorität“

Steigende Verluste in der Ukraine: Kreml fordert das Zeugen von Kindern in der Mittagspause

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Eine Anweisung zum Rendezvous: Der Kreml fordert seine Bürger auf, in der Mittagspause Nachwuchs zu zeugen. Die Einwohnerzahl nimmt drastisch ab.

Moskau – Wladimir Putin befiehlt, die Russen folgen? Ein neuer Befehl aus dem Kreml betrifft nicht die Soldaten, die im Ukraine-Krieg kämpfen, sondern die Zivilpersonen zu Hause. Der Kreml will, dass sich die Menschen in Russland während der Mittags- und Kaffeepausen zum Liebesakt treffen.

Der Grund: Die Geburtenrate in Russland sinkt dramatisch, und an der Front sterben unzählige Soldaten. Russland braucht neue Kinder für die Kriege der Zukunft, und diese sollen möglichst bei jeder Gelegenheit gezeugt werden.

Russland: Geburtenrate sinkt auf 25-Jahres-Tief

Das Sex-am-Arbeitsplatz-Programm wurde angeordnet, weil die derzeitige Geburtenrate bei etwa 1,5 Kindern pro Frau liegt und damit weit unter der Rate von 2,1 liegt, die für eine stabile Bevölkerungszahl erforderlich ist. Nicht nur auf dem Schlachtfeld hat Russland Verluste erlitten: Mehr als eine Million, hauptsächlich jüngere Russen, sind wegen des Kriegs gegen die Ukraine aus dem Land ausgewandert. Die russischen Verluste im Krieg wurden zuletzt von der Nato auf mehr als 600.000 Tote und Verwundete beziffert.

Die Geburtenrate ist im ersten Halbjahr 2024 auf ein 25-Jahres-Tief gesunken. Die Gesamtbevölkerung Russlands ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich geschrumpft. Lebten 1990 noch knapp 149 Millionen Menschen in Russland, sind es gegenwärtig noch knapp 144 Millionen. Bis zum Jahr 2050 könnte diese Zahl im Riesenreich nach Berechnungen von Statistikern auf 133 bis 136 Millionen schrumpfen.

„Schicksal Russlands“ bestimmen durch Liebesakte am Arbeitsplatz

Dem will Putin nun entgegensteuern. „Der Erhalt des russischen Volkes ist unsere höchste nationale Priorität“, so der Machthaber. „Das Schicksal Russlands hängt davon ab, wie viele von uns es geben wird. Es ist eine Frage von nationaler Bedeutung.“ Und Gesundheitsminister Dr. Jewgeni Schestopalow sagte: „Sehr beschäftigt bei der Arbeit zu sein, ist kein gültiger Grund, sondern eine lahme Ausrede. Man kann sich während der Pausen fortpflanzen, denn das Leben vergeht zu schnell.“

Auf die Frage, wie viel beschäftigte Menschen Zeit hätten, Kinder zu bekommen, sagte er: „In den Pausen.“ Der Kreml hat bereits auf mehrere Arten versucht, die Menschen zu ermutigen, mehr Kinder zu bekommen. So wird etwa Frauen im Alter von 18 bis 40 Jahren in Moskau gesagt, sie sollten an kostenlosen Fruchtbarkeitsuntersuchungen teilnehmen, um ihr „Fortpflanzungspotenzial“ zu ermitteln.

Abgeordnete in Russland will Frauen zwingen, Kinder zu bekommen

Und mit freundlichen Aufforderungen ist es nicht getan: Die Abgeordnete Tatjana Butskaja hat einen Plan erstellt, wie Arbeitgeber Frauen sogar dazu zwingen können, Kinder zu bekommen. Butskaja sagte: „Großfamilien werden zur neuen Elite. Regionale Gouverneure sollten über die Geburtenrate berichten.“ Die Frauen sollen überwacht werden. In der Region Tscheljabinsk wird Studentinnen unter 24 Jahren umgerechnet knapp über 10.000 Euro als Bonus für ihr erstes Kind. Zudem wird der Zugang zu Abtreibungen im Land im ganzen Land blockiert und Scheidungsgebühren wurden erhöht.

Russland feuert Raketen auf Kinderkrankenhaus in Kiew: Fotos zeigen erschütternde Szenen

Rauch über Kiew. Die ukrainische Hauptstadt wurde am Montag von mehreren russischen Raketen getroffen.
Rauch über Kiew. Die ukrainische Hauptstadt wurde am Montag von mehreren russischen Raketen getroffen. © Evgeniy Maloletka / dpa
Die Schäden nach dem russischen Angriff auf Kiew sind beachtlich, wie hier zu sehen im Lukianivska Bezirk.
Die Schäden nach dem russischen Angriff auf Kiew sind beachtlich, wie hier zu sehen im Lukianivska Bezirk. © Andreas Stroh / dpa
Das Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew wurde durch die russischen Raketen schwer getroffen.
Das Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew wurde durch die russischen Raketen schwer getroffen. Rettungskräfte und Zivilisten suchen nach möglichen Verschütteten. © Evgeniy Maloletka / dpa
Ein augenscheinlich verletzter Mann telefoniert nach dem schweren Angriff auf Kiew.
Ein augenscheinlich verletzter Mann telefoniert nach dem schweren Angriff auf Kiew. © dpa/AP | Efrem Lukatsky
Eine Frau kümmert sich um ein Kind vor dem von russischen Raketen getroffenen Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew.
Eine Frau kümmert sich um ein Kind vor dem von russischen Raketen getroffenen Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew. © Evgeniy Maloletka / dpa
Ein Blick in das Kinderkrankenhaus zeigt, wie schwer die Raketen aus Russland die Klinik in der Ukraine verwüstet haben.
Ein Blick in das Kinderkrankenhaus zeigt, wie schwer die Raketen aus Russland die Klinik in der Ukraine verwüstet haben. © Evgeniy Maloletka / dpa
Mit blutigem Gewand steht ein Krankenhaus-Mitarbeiter vor den Trümmern nach dem russischen Raketenangriff auf Kiew.
Mit blutigem Gewand steht ein Krankenhaus-Mitarbeiter vor den Trümmern nach dem russischen Raketenangriff auf Kiew. © IMAGO/Madeleine Kelly/ZUMA Press Wire
Rettungskräfte räumen die Trümmer nach dem schweren russischen Angriff auf Kiew vor der Kinderklinik.
Rettungskräfte räumen die Trümmer nach dem schweren russischen Angriff auf Kiew vor der Kinderklinik. © Evgeniy Maloletka / dpa
In der nähe des von einer Rakete getroffenen Okhmatdyt-Kinderkrankenhauses trägt ein Mann ein Kind aus der Gefahrenzone.
In der nähe des von einer Rakete getroffenen Okhmatdyt-Kinderkrankenhauses trägt ein Mann ein Kind aus der Gefahrenzone. © Evgeniy Maloletka / dpa
Nach dem schweren russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt werden verletzte abtransportiert.
Nach dem schweren russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt werden Verletzte abtransportiert. © IMAGO/Madeleine Kelly/ZUMA Press Wire
Kinder warten in der Nähe des Okhmatdyt-Kinderkrankenhauses, das von russischen Raketen getroffen wurde.
Kinder warten in der Nähe des Okhmatdyt-Kinderkrankenhauses, das von russischen Raketen getroffen wurde. © Evgeniy Maloletka / dpa
Vereinte Kräfte bei den Bergungsarbeiten: Retter tragen ein Stück des Daches am Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew weg.
Vereinte Kräfte bei den Bergungsarbeiten: Retter tragen ein Stück des Daches am Okhmatdyt-Kinderkrankenhaus in Kiew weg. © Evgeniy Maloletka / dpa
Ein Feuerwehrmann sitzt bei Rettungsarbeiten in Kiew nach dem schweren russischen Angriff im Schutt.
Ein Feuerwehrmann sitzt bei Rettungsarbeiten in Kiew nach dem schweren russischen Angriff im Schutt. © Aleksandr Gusev / dpa
Auch am Tag nach dem russischen Raketenangriff auf ein Kinderkrankenhaus in Kiew gehen die Aufräumarbeiten weiter.
Auch am Tag nach dem russischen Raketenangriff auf ein Kinderkrankenhaus in Kiew gehen die Aufräumarbeiten weiter. © IMAGO/Maxym MarusenkoNurPhoto
Nach dem russischen Angriff auf das Kinderkrankenhaus mussten die schwer kranken Kinder draußen vor der Klinik behandelt werden.
Nach dem russischen Angriff auf das Kinderkrankenhaus mussten die schwer kranken Kinder draußen vor der Klinik behandelt werden. © IMAGO/Maxym Marusenko/NurPhoto
In Kiew stehen Krankenhaus-Betten auf der Straße, um nach dem Angriff auf die Kinderklinik die Patienten weiter betreuen zu können.
In Kiew stehen Krankenhaus-Betten auf der Straße, um nach dem Angriff auf die Kinderklinik die Patienten weiter betreuen zu können. © IMAGO/Bahmut Pavlo/Ukrinform/Abaca
Ein Blick in das Kinderkrankenhaus in Kiew zeigt, wie schwer die russischen Raketen die Klinik zerstört haben.
Ein Blick in das Kinderkrankenhaus in Kiew zeigt, wie schwer die russischen Raketen die Klinik zerstört haben. © IMAGO/Ruslan Kaniuka/Ukrinform/ABACA
Medizinisches Personal und Freiwillige räumen Trümmer, suchen unter dem Schutt des Kinderkrankenhauses nach Opfern.
Medizinisches Personal und Freiwillige räumen Trümmer, suchen unter dem Schutt des Kinderkrankenhauses nach Opfern. © Anton Shtuka / dpa
Verzweiflung herrscht in Kiew. Nach dem Angriff auf die Kinderklinik suchen Erwachsene und Kinder Schutz in Kellern.
Verzweiflung herrscht in Kiew. Nach dem Angriff auf die Kinderklinik suchen Erwachsene und Kinder Schutz in Kellern. © Anton Shtuka / dpa

Laut der Politikerin Anna Kusnezowa sollen Frauen „mit 19 oder 20 Jahren anfangen, Kinder zu gebären. Dann kann die Familie statistisch gesehen drei, vier oder mehr Kinder haben.“ Die Abgeordnete Zhanna Rjabtseva schloss sich ihr an: „Gebären, gebären und nochmals gebären, man muss gebären, gebären mit 18.“

Werben für Kinderlosigkeit in Russland bei Strafe verboten

Auch das öffentliche und auch private Werben für Kinderlosigkeit in Russland ist unter Strafe verboten. Putin unterzeichnete dazu ein Gesetz, das für jeden Verstoß hohe Geldstrafen von bis zu umgerechnet 9300 Euro vorsieht. Somit dürfe im Internet, in den Medien, Kinos und der Werbung die Idee von Kinderlosigkeit nicht mehr verbreitet werden. Vor allem unter Jugendlichen dürfe dafür nicht geworben werden, sagte Wjatscheslaw Wolodin, Vorsitzender der Staatsduma. 

Neue Russen braucht das Land: Wladimir Putin will, dass seine Bürger in der Mittagspause Kinder zeugen.

„Entscheidungen einer Frau, nicht zu gebären“, seien von diesem Gesetz nicht betroffen, schränkte er ein. Vielmehr gehe es darum, die junge Generation „vor destruktiven Einflüssen zu schützen“. Es sollte alles getan werden, dass in Russland neue Generationen von Bürgern „mit traditionellen Familienwerten“ aufwachsen. (cgsc mit dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Kirill Zykov

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