South Park zieht Trump ins Lächerliche – Weißes Haus stinksauer
VonNail Akkoyun
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Max Nebel
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South Park feiert Comeback – und präsentiert Trump entblößt. Die Autoren verspotten Präsident, Medien und finanzielle Deals.
Washington, D.C. – Mit scharfer Satire und einem unmissverständlichen Angriff auf US-Präsident Donald Trump meldet sich die Animationsserie „South Park“ mit der Auftaktfolge seiner 27. Staffel zurück – nur einen Tag nachdem ein milliardenschwerer Streaming-Deal zwischen den Machern Trey Parker und Matt Stone und dem Mutterkonzern Paramount verkündet wurde. In der Episode „Sermon on the ‚Mount‘“ – ein vulgäres Wortspiel mit dem Begriff der christlichen „Bergpredigt“ – wird Trump buchstäblich im Bett mit Satan gezeigt, während Themen wie Medienzensur, die Epstein-Akten und ein dubioser Vergleich mit Saddam Hussein die Schlagrichtung bestimmen.
Trump ließ das nicht auf sich sitzen; das Weiße Haus reagierte prompt. „Diese Serie ist seit über 20 Jahren nicht mehr relevant und hält sich mit uninspirierten Ideen in einem verzweifelten Versuch, Aufmerksamkeit zu erregen, mühsam über Wasser“, sagte Sprecherin Taylor Rogers am Donnerstag (Ortszeit). Der Milliarden-Deal für die Erfolgsserie wurde dabei nicht erwähnt.
Dem Humor der Trump-Regierung entsprechen die Szenen nicht: „Präsident Trump hat in nur sechs Monaten mehr Versprechen gehalten als jeder andere Präsident in der Geschichte unseres Landes, und keine viertklassige Serie kann die Erfolgsgeschichte von Präsident Trump gefährden“, so Rogers.
South Park greift Trump an
Doch kaum war die Tinte unter dem 1,5-Milliarden-Dollar-Streamingvertrag mit Paramount getrocknet, machten Parker und Stone klar, dass sie sich weder dem Geld noch ihrem neuen Medienpartner verpflichtet fühlen: In der neuen Folge springt Trump, animiert mit realistischem Fotogesicht, splitternackt ins Bett Satans. Dieser kommentiert das Szenario mit den Worten: „Ich kann nicht mal etwas sehen. Er ist so klein.“
Der Präsident fleht: „Komm schon, Satan. Ich habe den ganzen Tag hart gearbeitet.“ Doch der Teufel erwidert: „Du hast nicht gearbeitet. Du hast deine dummen Memes gemacht und nur rumgepimmelt.“ Damit nehmen die Autoren nicht nur Trumps persönliche Eitelkeit aufs Korn – sie knüpfen auch an frühere Staffeln an, in denen Saddam Hussein eine ähnliche Beziehung zu Satan pflegte, bemerkt die USA Today.
Donald Trumps Orbit: Einflüsterer, Berater und Vertraute des Präsidenten
Jesus, Klagen und ein nackter Präsident Trump: Paramount als Zielscheibe
Die Folge spielt nicht nur mit sexuellen Anspielungen. Auch politischer Machtmissbrauch, religiöser Einfluss auf Schulen und medienpolitische Unterwürfigkeit werden scharf karikiert. Jesus erscheint in South Parks Grundschule, angeblich als Teil eines Vergleichs mit dem Präsidenten: „Ich wollte gar nicht zurückkommen und in die Schule, aber ich musste – wegen einer Klage und des Vertrags mit Paramount“, erklärt er mit zusammengebissenen Zähnen.
Wenig später droht Trump der gesamten Stadt mit einer 5-Milliarden-Dollar-Klage, weil die Eltern keine christliche Indoktrinierung ihrer Kinder dulden wollen. Die Einwohner geben nach – unter der Bedingung, pro-Trump-Werbung zu produzieren. Den Höhepunkt bildet eine Szene, in der Trump nackt durch die Wüste wandert.
1,5 Milliarden Dollar für South Park und der Skandal um Colbert: Ein Deal mit dem Teufel?
Der Kontext dieser medialen Generalabrechnung ist brisant: Der Paramount-Konzern hatte nur Stunden vor Ausstrahlung der Folge verkündet, mit „South Park“ einen der größten TV-Verträge der Geschichte abgeschlossen zu haben – fünf Jahre, 50 neue Episoden, exklusive Streamingrechte für Paramount+, berichtete unter anderem die Los Angeles Times. Gleichzeitig hagelte es Kritik für die Streichung von Stephen Colberts „Late Show“ – offiziell aus finanziellen Gründen, aber auffällig kurz nach einem 16-Millionen-Dollar-Vergleich mit Trump über ein Interview bei „60 Minutes“.
Colbert hatte den Deal als „fette Bestechung“ bezeichnet. Kurz darauf wurde seine Sendung eingestellt. Jesus kommentiert in der South-Park-Folge entsprechend ironisch: „Ihr habt doch gesehen, was mit CBS passiert ist. Ihr wollt nicht auch wie Colbert enden, oder?“
Die Epstein-Akten und Donald Trump: South Park rührt an heikles Terrain
Ein weiterer heikler Punkt der Folge ist Trumps mutmaßliche Rolle rund um die Epstein-Affäre. Satan konfrontiert Trump mit dem Vorwurf, er stehe auf der berüchtigten „Epstein-Liste“. Trump weicht aus: „Redet ihr da immer noch drüber?“ Satan entgegnet: „Es ist komisch, dass du jedes Mal, wenn das Thema auftaucht, einfach sagst: Entspannt euch.“
Die Andeutung nimmt Bezug auf aktuelle Medienberichte, laut denen Trumps Name mehrfach in internen DOJ-Dokumenten zum Epstein-Komplex aufgetaucht sein soll – was das Weiße Haus, so das Wall Street Journal, als „Fake News“ zurückwies.
Kritik an Paramount wächst – Trump feiert das Ende der Colbert-Show
Während South Park den Medienkonzern ins Visier nimmt, werfen auch Politiker wie Elizabeth Warren Fragen auf: „Wenn Unternehmen, die politische Gefälligkeiten brauchen, Millionen an den Präsidenten zahlen, dann ist das ein öffentlich sichtbarer Skandal“, sagte die demokratische Senatorin gegenüber dem Rolling Stone. Sie sprach gar von einem „Schlupfloch“, über das Trump Mittel für seine Präsidentschaftsbibliothek akquirieren könne.
Trump hingegen feierte den Rauswurf Colberts auf Truth Social mit den Worten: „Ich liebe es absolut, dass Colbert gefeuert wurde. Sein Talent war noch geringer als seine Quoten.“ Jon Stewart, Jimmy Fallon und andere Late-Night-Kollegen zeigten sich indes entsetzt – Stewart, so CNN, sprach von einem „Rückzug der Medien vor autoritärer Einschüchterung“.
Mit der Folge „Sermon on the ‚Mount“ beweisen Trey Parker und Matt Stone, dass sie sich auch durch Milliardenverträge nicht den Mund verbieten lassen wollen. Die Satire trifft Trump an seiner vielleicht empfindlichsten Stelle – seinem Ego – und entlarvt zugleich das in den Augen der Serienmacher opportunistische Verhalten von Konzernen wie Paramount, die offenbar bereit sind, politische Deals mit einem Präsidenten einzugehen, der mit Klagen, Zensur und finanziellen Erpressungen arbeitet. In diesem Sinne ist der Titel der Episode Programm: Es ist eine Bergpredigt – aber eine, die nicht erlöst, sondern entlarvt.