„Jetzt wird auch über Flugzeuge diskutiert.“

Stoltenberg schließt Lieferung von Kampfjets an die Ukraine nicht aus

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Jens Stoltenberg

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg schließt im Gegensatz zur Bundesregierung die Lieferung von Kampfjets an die Ukraine nicht aus.

Brüssel in Belgien - „Die Unterstützung für die Ukraine hat sich ebenso entwickelt wie der Krieg selbst“, sagte Stoltenberg am Montag in Brüssel. „Jetzt wird auch über Flugzeuge diskutiert.“ Er erwartet dazu nach eigenen Worten am Dienstag und Mittwoch eine Debatte beim Verteidigungsministertreffen im Brüsseler Hauptquartier. Dazu wird auch der deutsche Ressortchef Boris Pistorius (SPD) erwartet.

Kurz nach der russischen Invasion vor knapp einem Jahr hatte sich Stoltenberg noch gegen Kampfjets für die Ukraine ausgesprochen. Allerdings sei dies eine völlig andere Debatte gewesen, betonte der Norweger nun: Damals sei es um eine von der Nato kontrollierte Flugverbotszone über der Ukraine gegangen. Nun gehe es um „die Möglichkeit, dass Nato-Verbündete Flugzeuge an die Ukraine liefern, damit sie sie selbst einsetzen kann.“

Sollten sich einzelne Nato-Mitgliedstaaten für die Lieferung von Kampfflugzeugen an Kiew entscheiden, werde dies allerdings „einige Zeit dauern“, sagte Stoltenberg weiter. Vordringlich sei es derzeit, die Ukraine so schnell wie möglich mit den bereits zugesagten Waffen sowie Munition und Treibstoff zu versorgen, sagte er mit Blick auf die erwartete russische Offensive zum Jahrestag des Angriffs am 24. Februar.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) warnt in der Kampfjet-Frage vor einem „Überbietungswettbewerb“ mit immer neuen Waffensystemen und der Gefahr einer Eskalation mit Russland. Dazu sagte Stoltenberg, das Bündnis werde weiterhin „wachsam sein“, um eine Ausweitung des Krieges über die Ukraine hinaus zu verhindern. In der Nato wird laut Diplomaten befürchtet, dass Russlands Präsident Wladimir Putin einen Einsatz von Atomwaffen in Betracht ziehen könnte, wenn er zu stark in Bedrängnis kommt.

Als erster Nato-Staat hatte Großbritannien vergangene Woche bei einem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenksyj angekündigt, ukrainische Kampfpiloten ausbilden zu wollen - und damit Spekulationen über die Lieferung von Kampfjets befeuert. Anschließend forderte Selenskyj Kampfflugzeuge bei einem Dreiertreffen mit Scholz und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Paris. Danach wurden ebenso wenig Zusagen bekannt wie beim anschließenden EU-Gipfel in Brüssel.

US-Präsident Joe Biden will derzeit ebenfalls keine F-16-Kampfjets an Kiew liefern. Dies wiederum beeinflusst die Haltung des Bundeskanzlers: Scholz hatte bereits in der Kampfpanzer-Frage ein gemeinsames Vorgehen mit Washington zur Voraussetzung gemacht.

Am Dienstag beraten im Nato-Hauptquartier zunächst bis zu 50 Länder unter Führung der USA im sogenannten Ramstein-Format über die weitere militärische Unterstützung für die Ukraine. Im Anschluss kommen die Verteidigungsminister der 30 Nato-Länder zusammen. An beiden Brüsseler Treffen soll der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow persönlich teilnehmen.

Bei dem Verteidigungsministertreffen geht es auch um eine verstärkte Luftraumüberwachung. Die USA hatten zuletzt einen mutmaßlichen chinesischen Spionageballon sowie drei weitere Flugobjekte abgeschossen. Stoltenberg nannte dies „Teil eines Musters“: „China und Russland weiten ihre Geheimdienst- und Überwachungsaktivitäten gegen Nato-Verbündete aus.“ Das verdeutliche, wie vorsichtig die Allianz sein müsse.

Die Nato will „Hand in Hand“ mit der Rüstungsindustrie zusammenarbeiten, wie US-Botschafterin Julianne Smith vor dem Bündnistreffen betonte. „Wir müssen sicherstellen, dass wir die Ukraine weiter unterstützen und zugleich jeden Zentimeter des Nato-Territoriums verteidigen können.“ Stoltenberg warnte, die Ukraine verbrauche derzeit „sehr viel schneller Munition als wir sie produzieren können“. Das müsse sich dringend ändern. lob/ck

Ausbildung ukrainischer Soldaten an Leopard-Panzern beginnt

Die Bundeswehr bildet seit Montag Soldatinnen und Soldaten aus der Ukraine an ihrem modernen Kampfpanzer Leopard 2A6 aus. Die Ausbildung auf dem Truppenübungsplatz Munster in Niedersachsen solle Ende des Quartals abgeschlossen sein, sagte eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin. In Munster werden ukrainische Einheiten seit Ende Januar bereits am Schützenpanzer Marder ausgebildet.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte Ende Januar nach monatelangem langem Zögern der Ukraine auch Leopard-2-Kampfpanzer aus Bundeswehr-Beständen zugesagt. Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist es nun, Kiew zusammen mit Partnerländern rasch zwei Bataillone mit Leopard-Panzern zur Verfügung zu stellen. Dies sind gut 60 Panzer. Deutschland sagte 14 Panzer des Typs Leopard 2A6 zu.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte in der Vorwoche bei seinem Besuch in der Ukraine Soldaten getroffen, die nun in Munster am Leopard ausgebildet werde sollen. Die meisten von ihnen seien direkt von der Front gekommen, sagte er. pw/ilo

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