Jens Stoltenberg sieht die Ukraine „langfristig“ als Mitglied der Nato.
Helsinki in Finnland - „Die Nato-Verbündeten sind sich einig, dass die Ukraine Mitglied des Bündnisses werden wird“, sagte Stoltenberg am Dienstag in Helsinki. Die sei jedoch „eine langfristige Perspektive“, fügte er hinzu.
Momentan sei es das Wichtigste, die Ukraine im russischen Angriffskrieg zu unterstützen, erklärte Stoltenberg auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der finnischen Ministerpräsidentin Sanna Marin. Aber wenn der Krieg vorbei ist, „müssen wir sicherstellen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt“, betonte der Nato-Generalsekretär.
Der russische Präsident Wladimir Putin dürfe das Nachbarland nicht weiter angreifen. „Er will die Ukraine kontrollieren und er plant keinen Frieden, sondern noch mehr Krieg“, fügte er hinzu. Ein Nato-Beitritt der Ukraine würde für den Kreml eine rote Linie überschreiten; er begründet seinen Angriffskrieg unter anderem damit, das genau dies nicht geschehen dürfe.
Am Freitag hatte die Nato der Ukraine zum Jahrestag des Kriegsbeginns weitere Unterstützung im Kampf gegen die russische Armee zugesichert. Die Militärallianz betonte sie sei „entschlossen“, der Ukraine weiter beizustehen. Die russische Armee war auf Befehl von Kreml-Chef Wladimir Putin am 24. Februar 2022 in das Nachbarland einmarschiert.
Bereits auf dem Nato-Gipfel in Bukarest im Jahr 2008 hatte das Bündnis der Ukraine und Georgien einen Beitritt in Aussicht gestellt. „Die Nato begrüßt die euro-atlantischen Bestrebungen der Ukraine und Georgiens, der Nato beizutreten. Wir haben heute vereinbart, dass diese Länder Mitglieder der Nato werden“, hieß es vor knapp 15 Jahren in der Abschlusserklärung des Bukarester Nato-Gipfels. kbh/ju
Ukrainische Armee: Lage in Bachmut „äußerst angespannt“
Die ukrainischen Streitkräfte stehen in der heftig umkämpften östlichen Stadt Bachmut nach eigenen Angaben extrem unter Druck. „Die Lage um Bachmut ist äußerst angespannt“, erklärte der Kommandeur der ukrainischen Bodentruppen, Oleksandr Syrskyj, am Dienstag in Onlinediensten. Der „Feind“ habe „trotz erheblicher Verluste“ „seine am besten ausgebildeten Wagner-Sturmtruppen entsandt“, um die Verteidigung der ukrainischen Truppen zu durchbrechen und die Stadt zu umzingeln, erklärte Syrskyj.
Die russische Armee sowie die russische Söldnertruppe Wagner belagern Bachmut seit Monaten. Der Kampf um die Industriestadt in der Region Donezk, die vor dem Krieg rund 70.000 Einwohner zählte, ist die bisher am längsten andauernde Schlacht des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. Die Stadt ist weitgehend zerstört, auf beiden Seiten hat es zahlreiche Todesopfer gegeben.
Analysten zufolge ist Bachmut von geringer strategischer Bedeutung - eine Einnahme hätte demnach für Moskau vor allem symbolischen Wert. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte unlängst angekündigt, die ukrainische Armee werde so lange wie möglich versuchen, die Stadt zu halten.
Selenskyj hatte schon am Montag die Kämpfe um die Stadt Bachmut im Osten des Landes als „immer komplizierter“ beschrieben. „Der Feind zerstört alles, was helfen kann, unsere Positionen zu halten“, sagte er in seiner abendlichen Videoansprache. kbh/yb