Diskussion um Waffenlieferungen

Streit um Ukraine-Hilfe – Baerbock übt indirekte Scholz-Kritik: „Das schmerzt mich“

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Mit der Forderung, Waffenlieferungen für die Ukraine durch Kredite zu decken, hat Bundeskanzler Scholz eine Debatte provoziert. Jetzt spricht Baerbock.

Berlin – Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) hat indirekt Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) für seine Zurückhaltung kritisiert, weitere drei Milliarden Euro an zusätzlichen Militärhilfen für die Ukraine zu genehmigen.

In einem Interview mit dem Politico-Podcast warf Baerbock Scholz vor, parteipolitische Interessen über die Sicherheit Europas zu stellen. „Das schmerzt mich ehrlich gesagt sehr“, sagte sie im Podcast „Berlin Playbook“, ohne Scholz dabei direkt zu nennen. Für manche Politiker sei die Frage, wie man bei einer Bundestagswahl im Zweifel schnell ein paar Stimmen gewinnen könne, wichtiger als die Verantwortung, Europas Frieden und Freiheit wirklich zu sichern. „Wir bräuchten eine bessere Verzahnung der inneren Sicherheit und der äußeren“, fügte Baerbock hinzu und verwies dabei auf die Bedrohungen aus Russland im Rahmen einer umfassenden Sicherheitsstrategie.

Waffen für die Ukraine: Scholz weist auf Finanzierung der Waffenlieferungen hin

Scholz hat mit seiner Forderung, ein geplantes Ukraine-Hilfspaket über neue Kredite zu finanzieren, eine politische Debatte in Deutschland ausgelöst. „Wir finanzieren die Hilfen über eine gesonderte Kreditaufnahme. Das Geld ist sonst nicht da“, schrieb Scholz zuvor auf X mit Blick auf das Hilfspaket für die vom Krieg schwer getroffene Ukraine. 

„Ich bin dagegen, dass wir das von den Renten holen, ich bin dagegen, dass wir das durch Kürzungen bei den Gemeinden machen, ich bin dagegen, dass wir weniger Geld in die Bahn und Straßen investieren“, sagte er zudem am Rande einer Wahlkampfveranstaltung in Bielefeld.

Außenministerin Baerbock: „Wir bräuchten eine bessere Verzahnung der inneren Sicherheit und der äußeren“. (Archivbild)

Waffenlieferungen für die Ukraine: Konflikt um die Schuldenbremse

Die CDU und die FDP befürworten die Ukraine-Hilfe, lehnen jedoch eine Lockerung der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse ab. Diese begrenzt das strukturelle Haushaltsdefizit auf 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, außer in Notfällen. Scholz fordert das Parlament nun auf, einen Notfall zu erklären, um das Hilfspaket und die Waffenlieferungen über neue Schulden zu finanzieren. Gleichzeitig argumentiert er, dass eine Finanzierung aus dem regulären Haushalt Kürzungen bei Sozialausgaben und Renten bedeuten würde. 

Unionsfraktionsvize Johann Wadephul warf Scholz vor, wirtschaftliche Sorgen der Bevölkerung gegen die Solidarität mit der Ukraine auszuspielen. Er bezeichnete Scholz‘ Vorgehen als „Tiefpunkt im derzeitigen Wahlkampf“. Auch Marco Buschmann, Generalsekretär der FDP, schrieb auf X: „[Scholz] will jetzt den Bundestag mit 3 Milliarden Euro erpressen, indem er droht, dass die Ukraine sonst leer ausgeht.“

Die Bundesvorsitzenden der Grünen: Von Jürgen Trittin bis Ricarda Lang

Krista Sager und Jürgen Trittin von den Grünen
Im Dezember 1994 traten Krista Sager und Jürgen Trittin als Doppelspitze des noch jungen Zusammenschlusses namens „Bündnis 90 / Die Grünen“ an. Beide wurden zu Sprecherin und Sprecher des Bundesvorstands der Partei gewählt. Gemeinsam lenkten sie die Geschicke der Partei für zwei Jahre bis 1996. © Sepp Spiegl/imago-images
Jürgen Trittin blieb Sprecher der Grünen, von 1996 bis 1998 aber mit neuer Kollegin an seiner Seite: Auf Krista Sager folgte Gunda Röstel.
Jürgen Trittin blieb Sprecher der Grünen, von 1996 bis 1998 aber mit neuer Kollegin an seiner Seite: Auf Krista Sager folgte Gunda Röstel. © Jürgen Eis/imago-images
Gunda Röstel blieb für zwei weitere Jahre Sprecherin des Bundesvorstands der Grünen. Antje Radcke ersetzte den scheidenden Jürgen Trittin.
Gunda Röstel (l) blieb für zwei weitere Jahre Sprecherin des Bundesvorstands der Grünen. Antje Radcke ersetzte den scheidenden Jürgen Trittin. Von 1998 bis 2000 wurde die Partei damit von zwei Frauen an der Spitze geführt. © Sven Simon/imago-images
Fritz Kuhn und Renate Künast wurden zu Sprecher und Sprecherin des Bundesvorstands.
Im Jahr 2000 tauschten die Grünen ihr Führungspersonal komplett aus. Fritz Kuhn und Renate Künast wurden zu Sprecher und Sprecherin des Bundesvorstands. Ihre Amtszeit hielt aber nur ein Jahr bis 2001. © imago stock&people
Fritz Kuhn und Claudia Roth
Aus Bundesprechern wurden bei den Grünen im Jahr 2001 Bundesvorsitzende. Die ersten Beiden, die dieses Amt bekleideten, waren Fritz Kuhn und Claudia Roth. © Sven Simon/imago-images
Reinhard Bütikofer und Angelika Beer
Nur ein Jahr später der nächste Wechsel an der Spitze der Grünen. Reinhard Bütikofer und Angelika Beer rücken auf und bilden den Bundesvorstand der Partei von 2002 bis 2004. © imago-images
Claudia Roth als Vorsitzende der Grünen zurück - an der Seite von Reinhard Bütikofer
2004 kehrte Claudia Roth als Vorsitzende der Grünen zurück - an der Seite von Reinhard Bütikofer. Das Duo blieb bis 2008 im Amt. © Sven Simon/imago-images
Claudia Roth und diesmal Cem Özdemir das Führungsduo der Grünen
Claudia Roth blieb insgesamt bis 2013 im Amt. Ab 2008 mit neuem Co-Vorsitzenden: Cem Özdemir. © Jan Huebner/imago-images
Cem Özdemir blieb Parteivorstand. Von 2013 bis 2018 führte er die Grünen gemeinsam mit Simone Peter.
Cem Özdemir blieb Parteivorstand. Von 2013 bis 2018 führte er die Grünen gemeinsam mit Simone Peter. © Rüdiger Wölk/imago-images
nnalena Baerbock und Robert Habeck als Führungsduo den Vorstand der Grünen
Im Jahr 2018 übernahmen Annalena Baerbock und Robert Habeck als Führungsduo den Vorstand der Grünen. Nach dem Einzug der Grünen in die Bundesregierung legten sie ihre Ämter nieder und schlossen sich dem Kabinett von Bundeskanzlern Olaf Scholz an. © Chris Emil Janssen/imago-images
Omid Nouripour und Ricarda Lang
Es folgten Omid Nouripour und Ricarda Lang. Sie übernahmen den Vorsitz des Bundesvorstands der Grünen im Jahr 2022. Zwei Jahre später verkünden beide ihren Rücktritt als Reaktion auf zahlreiche Wahlschlappen ihrer Partei. Wer die Umweltpartei künftig führt, ist noch offen. © dpa

Mit der russischen Offensive in der Ukraine, die weiterhin langsame Fortschritte macht, drängen deutsche Politiker aus unterschiedlichen Lagern darauf, das Hilfspaket noch vor der Bundestagswahl am 23. Februar zu verabschieden. Sollte das Paket realisiert werden, wäre es die größte Einzelleistung eines Verbündeten für die Ukraine.

Ukraine-Waffenlieferungen: Politische Auswirkungen auf Bundestagswahlen und Umfragen

Während Scholz betont, dass Deutschland nach den USA der zweitgrößte Anbieter militärischer Hilfe für die Ukraine ist, versucht er gleichzeitig, sich als „Friedenskanzler“ zu profilieren, der den Konflikt kontrollieren will. Doch die wachsende Kritik an seiner Haltung könnte seine Position in der Regierung weiter schwächen.

Die Diskussion um die Ukraine-Hilfe kann zu einem der zentralen Themen der bevorstehenden Bundestagswahl werden. In der neuesten Umfrage von Forsa bleibt die Union (CDU/CSU) unter Friedrich Merz mit 31 Prozent führend, verliert jedoch einen Prozentpunkt. Die SPD sinkt ebenfalls auf sechzehn Prozent, während die AfD mit zwanzig Prozent um einen Punkt zulegt und zweitstärkste Kraft bleibt.

Grüne gewinnen leicht hinzu und stehen bei dreizehn Prozent, während die FDP mit vier Prozent knapp vor der Linken und dem Bündnis Sahra Wagenknecht liegt (jeweils drei bis vier Prozent). Sonstige Parteien erreichen neun Prozent. Die aktuellen Umfragen zeigen eine stabile politische Lage mit leichten Verschiebungen zugunsten der AfD und Grünen. (fsa)

Rubriklistenbild: © Virginia Mayo/AP/dpa

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