Kreml droht mit „Konsequenzen“

Finnlands Ex-Premier rechnet mit russischer Rache nach Nato-Beitrittsantrag - „Wir sind gut vorbereitet“

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Finnlands ehemaliger Regierungschef Alexander Stubb glaubt, dass sein Land bald der Nato beitritt - und auf eine russische Reaktion vorbereitet ist.
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Führt Russlands Aggression in der Ukraine zu einem schnellen Nato-Beitritt Finnlands? Die Entscheidung darüber soll bald fallen.

München - Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine sorgt für Ängste in vielen Nachbarstaaten: Wenn Wladimir Putins Truppen hier einmarschieren können, was hält ihn dann auf, das gleiche in anderen Ländern zu tun? Die endgültige Grenze wären wohl erst die Nato-Mitglieder, die bei einem russischen Angriff auf Unterstützung des Bündnisses unter Führung der USA hoffen dürften. Finnland will diesem wohl bald beitreten - doch schon jetzt rechnet der ehemalige Premier des skandinavischen Landes, Alexander Stubb, mit einer Vergeltung Moskaus. Russland hatte bereits angedeutet, dass es einen finnischen Nato-Betritt als Provokation auffasse. Der Kreml hat in diesem Fall mit „Konsequenzen“ gedroht.

Cyberangriffe als wahrscheinlichste Form der Vergeltung

Die wahrscheinlichste Form der Vergeltung wären dabei Cyberangriffe. Stubb erklärte in einem Interview mit Business Insider aber auch, dass sein Land darauf vorbereitet sei. Dass Russland Finnland angreifen könnte, bezweifelt Stubb. Der Grund sei einfach: Russlands Militär würde „in der Ukraine bereits schwächeln“. Der Ex-Premier warnte jedoch, dass gegenüber Wladimir Putin nichts als „leere Drohung“ verstanden werden dürfe. Stubb erklärte, dass der Nato-Beitritt aufgrund der aktuellen Krise näher denn je läge.

Stubb erinnerte daran, wie Putin der Nato gedroht hatte, sollte Finnland beitreten: Er habe mit „militärisch-technischen Maßnahmen“ gedroht, also einer Mischung aus Cyber- und konventionellen militärischen Angriffen. Ein Cyberangriff hatte kürzlich Webseiten des finnischen Außen- und Verteidigungsministeriums lahmgelegt – ausgerechnet während einer Ansprache des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an das finnische Parlament. Allerdings ist nicht gesichert, dass Russland hinter diesem Angriff steckt - auch, wenn ein russisches Staatsflugzeug am selben Tag in finnischen Luftraum eingedrungen war. „Wir rechnen mit solchen Aktionen“, so Stubb, „aber wir sind gut vorbereitet.“ Das Land habe im Verhältnis zu seiner Größe eines der größten Militärs und „eine der stärksten Luftstreitkräfte in Europa.“

Russland könnte im Falle eines finnischen Nato-Antrags sofort antworten

Im Falle eines Antrags könnte es sehr schnell gehen, vermutet Stubb. Russland könnte antworten, bevor Finnland offiziell im Bündnis ist. Aus diesem Grund hat sich Finnland in dieser Übergangszeit aktiv um „implizite Sicherheitsgarantien der Nato-Mitgliedstaaten bemüht“, so Stubb: „Ich denke, dass die Regierung dabei recht erfolgreich war – das dürfen sie natürlich nicht öffentlich sagen, aber unser Präsident fliegt nicht einfach eine Woche nach Kriegsbeginn nach Washington, DC, um lediglich einen Kaffee mit Präsident Joe Biden zu trinken.“ Der finnische Präsident Sauli Niinistö hatte Biden Anfang März getroffen.

In Finnland befürwortet zum ersten Mal eine Mehrheit der Bevölkerung den Nato-Beitritt, und Ministerpräsidentin Sanna Marin hatte am Mittwoch erklärt, man wolle „innerhalb von Wochen, nicht innerhalb von Monaten“ entscheiden. (cg)

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