Einst CSU-Politiker und Sportreporter

Das ist Anti-Islam-Aktivist Michael Stürzenberger: Tod eines Parteikollegen soll ihn verändert haben

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Islamkritische Kundgebungen sind sein Geschäft: Michael Stürzenberger tritt in diversen deutschen Städten auf, hier 2022 in Gladbeck.
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Michael Stürzenberger soll bei einem Messerangriff in Mannheim schwer verletzt worden sein. Sein Bild des Islam manifestierte sich wohl wegen eines Anschlags.

Mannheim – Mehrere Verletzte forderte eine Bluttat auf dem Marktplatz in Mannheim am Freitagmittag (31. Mai). Die zuständige Polizei hielt sich zunächst noch mit Einzelheiten zurück. Bei einem der Opfer soll es sich aber um den Islamkritiker Michael Stürzenberger handeln, wie die Bürgerbewegung Pax Europa (BPE) informiert. Demnach wurden neben dem 59-Jährigen auch mehrere Helfer sowie ein Polizist im Zuge einer Kundgebung der Bewegung durch einen Mann mit einem Messer verletzt.

„Nach Augenzeugenberichten erlitt Stürzenberger schwere Stichverletzungen am Gesicht und auch am Bein“, teilt BPE weiter mit. Der gebürtige Bad Kissinger sei in die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Ludwigshafen gebracht worden. Der Attentäter selbst sei von einem Polizisten angeschossen worden.

Stürzenberger in Mannheim mit Messer verletzt? Verfassungsschutz wirft ihm Islamfeindlichkeit vor

Stürzenberger war einst Pressesprecher der Münchner CSU, führte später die dem rechten Spektrum zugeordnete und 2016 aufgelöste Kleinpartei Die Freiheit als Bundesvorsitzender an. Über Jahre und bis 2022 wurde er – ebenso wie der bayerische BPE-Landesverband – vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz in dem Kapitel „Verfassungsschutzrelevante Islamfeindlichkeit“ geführt.

Demnach lagen Anhaltspunkte vor, wonach er Bestrebungen verfolgt, „die auf eine Abschaffung der Religionsfreiheit für Muslime gerichtet sind“. Aus seinen Äußerungen sei „eine grundsätzliche Ablehnung der islamischen Religion“ abzuleiten. Stürzenberger setze den Islam generell mit Terrorismus gleich.

Erwähnt wird, dass er sich als Autor auf der reichweitenstarken Webseite PI-News – die Abkürzung steht für Politically Incorrect – auslasse und über YouTube viele Menschen erreiche. Allein im Jahr 2022 wurden seine Videos auf dem Portal demnach mehr als 723.000 Mal aufgerufen.

Video: Islamfeindlichkeit in Österreich nimmt zu

Stürzenberger als Anti-Islam-Aktivist: Gemeinsame Auftritte mit Bekanntem von Sellner

Regelmäßig trat er bei Kundgebungen in deutschen Städten auf. Den Koran vergleicht er mit Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Unter anderem in München versuchte er den Bau einer Moschee zu verhindern, kämpfte deshalb in der bayerischen Landeshauptstadt für einen Bürgerentscheid.

Laut t-online tritt Stürzenberger unter anderem mit einem einstigen Dschihadisten für ein deutsches Al-Qaida-Netzwerk auf, der sich in der islamfeindlichen Szene ansiedelte und Martin Sellner nahesteht. Der Österreicher macht sich als Akteur der Neuen Rechten einen Namen, wurde in Deutschland infolge seiner Rolle beim von einem Correctiv-Team aufgedeckten Potsdamer Treffen zu Remigrationsplänen bekannt.

Stürzenberger vor Gericht: Offenbar vier Verurteilungen unter anderem wegen Volksverhetzung

Die Süddeutsche Zeitung beschrieb Stürzenberger einst auch als Gesicht von Bagida, dem Münchner Ableger der 2014 gegründeten Pegida. Das Dresdner Original will Deutschland nach eigenen Angaben vor der Islamisierung des Abendlandes bewahren und erhielt gerade rund um den Jahreswechsel 2014/2015 bei seinen Kundgebungen verhältnismäßig viel Zuspruch.

Der t-online-Artikel erwähnt unter Bezugnahme auf einen Szenekenner vier Verurteilungen von Stürzenberger, zweimal wegen Volksverhetzung, einmal wegen Beleidigung und einmal wegen Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen. Bei weiteren Prozessen sei er in zweiter Instanz freigesprochen worden.

Voller Einsatz bei Michael Stürzenberger: Bei seinen Reden hantiert er auch mit Büchern, die seine Meinung stützen.

Stürzenberger und die Mumbai-Anschläge: Tod von Parteifreund Burkei soll Islamhass geschürt haben

Stürzenbergers obsessive Ablehnung des Islam soll vor allem im Tod seines einstigen CSU-Parteikollegen Ralph Burkei begründet liegen. Der frühere Schatzmeister des CSU-Bezirksverbands München zog sich bei den Anschlägen von Mumbai im November 2008 auf der Flucht aus dem Hotel Taj Mahal infolge seines Sturzes auf das Vordach tödliche Verletzungen zu und war damit eines von mehr als 160 Todesopfern der zehn Terroristen.

Im Jahr 2013 sprach die taz mit einem anderen ehemaligen Parteifreund von Stürzenberger. „Er war früher Sportreporter, ein glühender Anhänger von 1860 München, der oft im Fußballstadion war, um von dort zu berichten“, zitiert das Blatt den langjährigen Münchner Stadtrat Marian Offman, der die CSU mittlerweile verlassen und in der SPD eine neue politische Heimat gefunden hat.

Sie hätten sich geduzt. Doch dann habe Stürzenberger angefangen, antiislamische E-Mails zu verschicken. „Ich habe versucht, ihn davon abzubringen“, bedauert Offman die Entwicklung. Seine weiteren Erinnerungen an Stürzenberger lesen sich so: „totalitäres Auftreten“ und „lautes Geschrei“ im Fachausschuss Integration.

Stürzenberger selbst sagte in dem Artikel über den grausamen Tod von Burkei: „Das hat sich eingereiht in meine Erfahrungen mit dem Islam.“ Weil er sich innerhalb der CSU „ignoriert“ fühlte, wechselte er das Parteibuch. Und war fortan wohl nicht nur für die Partei verloren. Seither scheint Stürzenberger einzig und allein auf seine Ablehnung des Islam fokussiert zu sein. (mg)

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