„Befestigungsanlagen und Unterstände“

Anzeichen für Offensive auf die Krim? Ukraine bereitet Belagerung besetzter Stadt vor

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Ein Mehrfachraketenwerfer vom Typ HIMARS bei einer Übung der US-Streitkräfte in Alaska. (Symbolfoto)
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Die Krim im Blick: Laut dem Ex-Bürgermeister wappnen sich die ukrainischen Streitkräfte für eine Belagerung der Stadt Melitopol im Süden des Landes.

München/Melitopol - Kommt jetzt der Zeitpunkt im Ukraine-Krieg, an dem die Verteidiger im Süden des Landes endgültig in die Offensive gehen?

Ukraine-Krieg: Ukrainische Armee bereitet angeblich Belagerung von Melitopol vor

Melitopol gilt als Tor zur Halbinsel Krim. Laut dem durch die russischen Invasionstruppen abgesetzten Bürgermeister bereiten die ukrainischen Streitkräfte nun die Belagerung der Stadt nördlich des Asowschen Meeres vor.

Das erklärte Iwan Fedorow laut dem US-amerikanischen Nachrichtenmagazin Newsweek Journalisten bei einem Briefing im Medienzentrum der Ukraine. Einheimische hätten demnach Informationen über russische Aktivitäten an die ukrainische Armee weitergegeben, schilderte er. Die Front halbiert derzeit die Region Saporischschja. Jetzt soll ein Kampf um Melitopol seinen Informationen zufolge kurz bevorstehen.

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„Sie bereiten die Stadt auf Belagerung und Verteidigung vor“, meinte Fedorov mit Blick auf die russischen Truppen in und um Melitopol, das von den Besatzern nur wenige Tage nach deren Einmarsch eingenommen worden war.

Melitopol: Steht Ukrainische Armee vor Rückeroberung der Stadt am Asowschen Meer?

„Sie haben versucht, vier Notunterkünfte einzurichten“, erklärte der Bürgermeister zu den angeblichen Vorkehrungen der russischen Armee, unter anderem in der Agraruniversität der Stadt, im Gebäude des Staatssicherheitsdienstes und im Kulturhaus der Eisenbahn. „Es gibt Informationen von Einheimischen, dass sie unterirdische Räumlichkeiten gebaut, Seefrachtcontainer in den Boden gegraben und so ihre Unterstände errichtet haben“, erzählte Fedorow in der Medienrunde: „Sie versuchen, das Personal aufzustocken und mehr Befestigungsanlagen in der Stadt zu bauen.“

Zuletzt hatte es mehrere Anzeichen für eine Offensive der Ukraine im Süden des Landes gegeben. Wie der neue Innenminister Ihor Klymenko laut Newsweek Anfang Februar erklärte, bildete die Ukraine damals sogenannte Angriffsbrigaden, die aus Polizei sowie Grenzschutz-Einheiten bestehen und das Ziel haben, „unsere Gebiete zu befreien. Das sind Menschen, die den Schmelztiegel von 2014 bis 2015 durchlaufen haben, von denen einige bereits 2022 gekämpft haben“, erklärte Klymenko seinerzeit und ergänzte: „Einige von ihnen sind verwundet. Die Einheiten werden ausschließlich aus Freiwilligen bestehen, die von Patriotismus angetrieben werden, und von solchen Menschen gibt es viele in unserem Land.“

Von den russischen Besatzern abgesetzter Bürgermeister von Melitopol: der Ukrainer Iwan Fedorow.

Besagte Einheiten würden darauf abzielen, „unsere Gebiete zu befreien und international anerkannte Grenzen zu erreichen“, meinte Klymenko. Mit international anerkannt dürfte auch die 2014 völkerrechtswidrig annektierte Krim gemeint gewesen sein. Ein weiteres Indiz: Reuters berichtete von einer angeblich spektakulären Waffenlieferung der USA an Kiew. Konkret: Laut dem Nachrichtenmagazin wollten die Vereinigten Staaten den ukrainischen Streitkräften kürzlich die Ground Launched Small Diameter Bomb (GLSDB) zur Verfügung stellen.

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Dies würde es dem ukrainischen Militär ermöglichen, Ziele in doppelter Entfernung zu treffen als mit den konventionellen Raketen des High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS). Diese Raketen fliegen bis zu 80 Kilometer weit. Laut dem Nachrichtensender Al Jazeera English wären die GLSDB-Raketen dagegen in der Lage, auch in einer Entfernung von 94 Meilen (151 Kilometer) sogenannte „schwer erreichbare Ziele“ wie Bunkeranlagen und Kommandostände zu treffen. Dies würde es in der Schlussfolgerung der ukrainischen Armee ermöglichen, selbst potenzielle Ziele auf der besetzten Schwarzmeer-Halbinsel Krim anzugreifen. Mit den HIMARS-Raketen, die offenbar selbst das russische Radar-System Zoopark-1 nicht aufhalten konnte, hatten die ukrainischen Streitkräfte die Angreifer aus der Stadt Cherson vertrieben, die unweit von Melitopol am Schwarzen Meer liegt.

Melitopol

Etwa 60 km nördlich des Asowschen Meeres liegt Melitopol im Süden der Ukraine. Mit mehr als 150.000 Einwohnern war die Stadt vor Ausbruch des Krieges ein wichtiges Industriezentrum in der Oblast Saporischschja. Melitopol war die erste größere Stadt, die die russische Armee nach ihrem Überfall auf den westlichen Nachbarn besetzte, eigenen Angaben zufolge am 26. Februar. Nach der Besatzung kam es immer wieder zu Explosionen in der Stadt, mutmaßlich handelte es sich um Sabotageakte.

Der frühere US-General Ben Hodges ist inds davon überzeugt, dass die Ukraine noch in diesem Sommer Wladimir Putins Sturz durch einen militärischen Sieg herbeiführen kann. Das erklärte er in einem Interview mit Peter Salmajew, Direktor der Eurasia Democracy Initiative, und dem ukrainischen Militärblogger Taras Berezovets.

„Wenn sie die Krim erobern, und ich glaube, das gelingt noch in diesem Sommer, dann wird alles fallen“, meinte der einstige Oberkommandierende der US-Landstreitkräfte für Europa. Hodges: „Die Krim ist der Schlüssel.“ Als Schlüssel zur Krim bezeichnete Fedorow wiederum „sein“ Melitopol. (pm)

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