Ukraine-Krieg

General Surowikin: Putin schickt „skrupellosen“ Militär in den Krieg

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Sergej Surowikin ist selbst in den eigenen Reihen berüchtigt. Nun macht Präsident Wladimir Putin ihn zum Oberkommandanten im Ukraine-Krieg.

Moskau – Präsident Wladimir Putin hat General Sergej Surowikin inmitten einer Reihe militärischer Rückschläge und wachsender Unzufriedenheit in Russland zum Kommandant der „militärischen Spezialoperation“ seiner Truppen in der Ukraine ernannt. Surowikin trägt den Titel „Held Russlands“ und wurde 2017 mit einer Medaille für seinen Einsatz in Syrien ausgezeichnet, wo er als Kommandeur der Luft- und Raumfahrtkräfte die russische Militärexpedition leitete.

Seine Ernennung erfolgte am Samstag (8. Oktober) auf die Entlassung zweier hochrangiger russischer Militärkommandeure, nachdem Kiew Gebiete im Nordosten und Süden der Ukraine zurückgewonnen hatte. Mit der teilweisen Zerstörung der Brücke von Kertsch – die wichtigste Verbindung zwischen der Krim und dem russischen Festland – hatte Russland am Wochenende einen weiteren schweren Schlag erlitten.

Russlands Präsident Wladimir Putin (l) bei einem Empfang mit General Sergei Surowikin (r). (Archivbild)

Russland im Ukraine-Krieg: Putin setzt „skrupellosen“ General Surowikin

Surowikin ist ein Veteran des sowjetischen Krieges in Afghanistan und der beiden Tschetschenienkriege in den 1990er und 2000er Jahren. Laut einem Bericht der Jamestown Foundation, einer US-amerikanischen Organisation, die sich der Information der Verteidigungspolitik verschrieben hat, ist Surowikin im russischen Militär für seine „völlige Skrupellosigkeit“ bekannt.

Nach dem gescheiterten Staatsstreich 1991, der zum Ende der Sowjetunion führte, verbrachte Surowikin demnach etwa sechs Monate in Russland im Gefängnis, nachdem Soldaten unter seinem Kommando antikommunistische Demonstranten in Moskau getötet hatten. 

Russland: Schwere Vorwürfe gegen General Surowikin aus den eigenen Reihen

Er sei jedoch schließlich ohne Gerichtsverfahren aus dem Gefängnis entlassen worden. 1995 sei er wegen illegalen Waffenhandels zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Verurteilung sei später aufgehoben ebenfalls aufgehoben worden, so der Bericht der Jamestown Foundation.

2004 wurde Surowikin demnach außerdem beschuldigt, ihm untergeordnete Offiziere körperlich angegriffen zu haben. Ein Oberst habe sich in dessen Büro mit seiner Dienstwaffe erschossen, nachdem der General ihn zurechtgewiesen hatte. Als Befehlshaber in Tschetschenien soll Surowikin 2005 verkündet haben, dass er für jeden getöteten Soldaten der russischen Offensive im Nahen Osten drei Tschetschenen töten würde.

Wladimir Putin: Das Macho-Image des russischen Präsidenten

Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause.
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause. © Alexei Nikolsky/Imago
Ebenfalls im sibirischen Tuwa ist dieses inzwischen weltbekannte Foto entstanden, welches Wladimir Putin beim Reiten in den russischen Bergen zeigt. Mal wieder inszeniert sich der Kreml-Chef besonders männlich und zieht vor der Kamera prompt das Shirt aus. Das Bild liegt allerdings schon einige Jahre zurück: entstanden ist es 2009.
Ebenfalls im sibirischen Tuwa ist dieses inzwischen weltbekannte Foto entstanden, welches Wladimir Putin beim Reiten in den russischen Bergen zeigt. Mal wieder inszeniert sich der Kreml-Chef besonders männlich und zieht vor der Kamera prompt das Shirt aus. Das Bild liegt allerdings schon einige Jahre zurück: entstanden ist es 2009. © Imago
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen.
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen. © Mikhail Metzel/Imago
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen.
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen. © Alexei Nikolsky/Imago
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben.
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben. © Aleksey Nikolskyi/Imago

Ukraine-Krieg: Russlands General ist Human Rights Watch bekannt

Wie Aljazeera berichtet, wurde der General beschuldigt, in Syrien-Krieg ein brutales Bombardement beaufsichtigt zu haben, das große Teile der Stadt Aleppo. In einem im Oktober 2020 veröffentlichten Bericht führte Human Rights Watch ihn zudem als einen der Befehlshaber auf, „die möglicherweise die Verantwortung für Verstöße tragen“, die während der Offensive in der syrischen Provinz Idlib begangen wurden.

Surowikin habe dennoch nach 2008, während einer radikalen Militärreform, eine steile Karriere in den höchsten Rängen des Generalstabs und des Verteidigungsministeriums gemacht. Seine Bereitschaft, alle Befehle mit Nachdruck auszuführen, habe mögliche Fragen zu seinem Lebenslauf in den Hintergrund treten lassen.

Russlands General im Ukraine-Krieg: Skrupellos und „der kompetenteste Kommandeur“

In einer seltenen öffentlichen Äußerung wurde Jewgeni Prigoschin, der Gründer der Söldnergruppe Wagner, von der Nachrichtenagentur Live24 zitiert. Dieser habe Surowikin als „legendäre Person“ bezeichnet. Er sei „der kompetenteste Kommandeur der russischen Armee“.

Im Juni 2022 wurde der in der sibirischen Stadt Nowosibirsk geborene General bereits zum Chef der südlichen Militärgruppierung Russlands im Ukraine-Krieg ernannt. Nun ist er Leiter der gesamten „Spezialoperation“ Russlands in der Ukraine. (Nadja Austel)

Rubriklistenbild: © KIRILL KUDRYAVTSEV/AFP

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