Debatte nach Mannheimer Messerangriff

Abschiebungen nach Afghanistan: Scholz setzt sich über Baerbock-Veto hinweg

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Trotz Bedenken von Baerbock will Kanzler Scholz Schwerstkriminelle nach Afghanistan und Syrien abschieben. Ein Konflikt in der Ampel-Koalition zeichnet sich ab.

Update vom 7. Juni 14.35 Uhr: In der Debatte um die Abschiebung afghanischer Straftäter zeigt sich die Taliban scheinbar bereit zur Kooperation. Sprecher Abdul Kahar Balchi teilte auf X mit: „Das Islamische Emirat Afghanistan fordert die deutschen Behörden auf, die Angelegenheit im Rahmen der üblichen konsularischen Beziehungen und eines geeigneten Mechanismus auf der Grundlage einer bilateralen Vereinbarung zu regeln.“ Bisher hat noch kein Land die Regierung Afghanistans unter den radikalislamischen Taliban anerkannt. Die Menschen- sowie Frauenrechte werden in dem Land seit Abzug der Nato-Truppen gänzlich missachtet.

Abschiebungen nach Afghanistan: Scholz setzt sich über Baerbock-Veto hinweg

Erstmeldung: Berlin – Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat seine Absicht bekundet, die Abschiebung von Schwerverbrechern nach Afghanistan und Syrien wieder in Betracht zu ziehen. Er betonte am Donnerstag (6. Juni) während einer Regierungserklärung im Bundestag: „Solche Straftäter gehören abgeschoben, auch wenn sie aus Syrien und Afghanistan stammen“. Er fügte hinzu: „Schwerstkriminelle und terroristische Gefährder haben hier nichts verloren.“

In Bezug auf Fälle wie den in Mannheim, erklärte der Kanzler, dass „das Sicherheitsinteresse Deutschlands schwerer als das Schutzinteresse des Täters“ wiegt. Daher sucht Innenministerin Nancy Faeser (SPD) nun nach Lösungen, um solche Abschiebungen wieder zu ermöglichen.

Scholz will nach Mannheim-Attacke Abschiebungen nach Afghanistan und erwähnt bereits „Gespräche“

Es finden bereits Gespräche „mit Nachbarländern Afghanistans“ statt, um die praktische Umsetzung zu diskutieren. Seit der Machtübernahme der Taliban im Sommer 2021 besteht ein Abschiebestopp für das Land.

Kanzler Olaf Scholz (SPD) gemeinsam mit Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) vor einer Kabinettssitzung. Nach der Messerattacke in Mannheim wird über Abschiebungen diskutiert.

Die Forderung von Scholz nach Abschiebungen von Kriminellen nach Afghanistan steht im Widerspruch zu den Bedenken seiner Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne). Sie äußerte: „Wie will man mit einem islamistischen Terrorregime zusammenarbeiten, mit dem wir gar keine Beziehungen haben?“

Baerbock kritisierte zudem, dass Deutschland „keine Botschaft vor Ort, die die Rückführung begleiten könnte“ hat. Sie betonte, dass Abschiebungen nach Afghanistan „alles andere als trivial, denn um zentrale rechtsstaatliche und vor allem Sicherheitsfragen kommt man dabei nicht herum.“ sind.

Abschiebungen nach Afghanistan nach Mannheim-Angriff: Skepsis bei Baerbock und Grünen

In Sachen Abschiebungen nach Afghanistan gibt es insgesamt große Skepsis bei den Grünen. Auch die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Britta Haßelmann, äußerte Skepsis gegenüber Abschiebungen von afghanischen Straftätern und Gefährdern. Sie forderte: „Jeder, der das formuliert, muss sagen, wie es gehen soll“.

Die Idee, Straftäter oder Gefährder in Nachbarländer Afghanistans abzuschieben, wie beispielsweise Pakistan oder Turkmenistan, stieß ebenfalls auf ihre Skepsis. Sie fragte: „Für welches Drittland soll es attraktiv sein, Terroristen oder schwere Straftäter aufzunehmen?“

Stattdessen plädierte sie für weitere Maßnahmen zur Bekämpfung des Islamismus, wie die Schließung des umstrittenen Islamischen Zentrums Hamburg, eine Verschärfung des Waffenrechts und die Stärkung der Sicherheitsbehörden.

SPD-Politiker sieht keinen Grund, nicht nach Afghanistan abzuschieben

In der SPD scheint sich jedoch eine Position für Abschiebungen nach Afghanistan und Syrien zu formieren, wie sie auch von Kanzler Scholz unterstützt wird.

Sebastian Fiedler, der kriminalpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, sprach sich ebenfalls klar für eine Abschiebung von Straftätern aus. Er argumentierte: „Wenn es ,normale‘ Flüge nach Afghanistan gibt, dann gibt es für mich da zunächst einmal keinen Grund, Afghanistan hier auszuschließen“.

Angela Merkel: Die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel (CDU) im Scheinwerferlicht
Die Kanzlerin im Scheinwerferlicht: Angela Merkel (CDU) hat eine beeindruckende Karriere vorzuweisen. © Ina Fassbender/dpa
Helmut Kohl und Angela Merkel beim Parteitag der CDU
Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und seine damals neu gewählte Stellvertreterin, Frauenministerin Angela Merkel (CDU) bei einem Parteitag. (1991) © Michael Jung/dpa
Gerhard Schröder und Angela Merkel geben sich die Hand
Der bisherige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) übergibt das Bundeskanzleramt an die neue Kanzlerin Angela Merkel (CDU). (2005) © Peer Grimm/dpa
Angela Merkel (CDU) trifft europäische Staatsmänner beim Euro-Gipfel zur Finanzkrise in Paris
Angela Merkel (CDU) spricht mit dem niederländischen Minister Jan Peter Balkenende and dem belgischen Prime Minister Yves Leterme beim Euro-Gipfel zur Finanzkrise in Paris. (2008) © Dolega/dpa
2009 wird Angela Merkel (CDU) zum zweiten Mal als Bundeskanzlerin vereidigt
Angela Merkel (CDU) wird in Berlin zum zweiten Mal als Bundeskanzlerin vereidigt. (2009) © Michael Hanschke/dpa
Angela Merkel (CDU) und Queen Elizabeth II. unterhalten sich bei einem Klimagipfel in London
Angela Merkel (CDU) und Queen Elizabeth II. unterhalten sich bei einem Klimagipfel in London. (2009) © dpa
Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama mit der Freiheitsmedaille in Washington
Angela Merkel (CDU) erhält die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA, von US-Präsident Barack Obama in Washington. (2011) © Rainer Jensen/dpa
Angela Merkel (CDU) stimmt bei der Abstimmung zum Energiegesetz für den Atomausstieg
Angela Merkel (CDU) stimmt bei der Abstimmung zum Energiegesetz für den Atomausstieg. (2011) © Michael Kappeler/dpa
Shinzo Abe, Angela Merkel (CDU), Wladimir Putin, David Cameron und Barack Obama beim G8 Gipfeltreffen
Die Teilnehmer des G8 Gipfeltreffens, der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe (l-r), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der russische Präsident Wladimir Putin, der britische Ministerpräsident David Cameron und US-Präsident Barack Obama. (2013) © Tim Brakemeier/dpa
Angela Merkel (CDU) legt im Bundestag in Berlin den Amtseid ab.
Angela Merkel (CDU) legt am im Bundestag in Berlin beim Parlamentspräsidenten Norbert Lammert (CDU) zum dritten Mal den Amtseid ab. (2013) © Michael Hanschke/dpa
Angela Merkel (CDU) und Joachim Gauck (parteilos) mit der deutschen Nationalmannschaft beim Gewinn des Weltmeistertitels
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Bundespräsident Joachim Gauck (parteilos) jubeln nach dem Gewinn des Weltmeister-Titels in der Kabine des Maracana-Stadions mit den deutschen Nationalspielern. (2014) © Guido Bergmann/dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht ein Selfie mit einem Migranten
Angela Merkel (CDU) besucht eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und macht ein Selfie mit einem Migranten. Ihr Satz „Wir schaffen das“ bleibt eng mit ihrer Kanzlerschaft verbunden. (2015) © Bernd von Jutrczenka/dpa
Angela Merkel (CDU) ist auf dem Cover der ersten deutschsprachigen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo
Angela Merkel (CDU) ist auf dem Cover der ersten deutschsprachigen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo. (2016) © Christian Charisius/dpa
Angela Merkel (CDU) bei einer Privataudienz mit Papst Franziskus
Angela Merkel (CDU) schüttelt die Hand von Papst Franziskus bei einer Privataudienz im Vatikan. (2017) © dpa
Angela Merkel (CDU) verneigt sich am Sarg von Helmut Kohl (CDU) beim europäischen Trauerakt für den verstorbenen Altkanzler im EU-Parlament in Straßburg
Angela Merkel (CDU) verneigt sich am Sarg von Helmut Kohl (CDU) beim europäischen Trauerakt für den verstorbenen Altkanzler im EU-Parlament in Straßburg. (2017) © dpa
Angela Merkel (CDU) spricht bei einem Wahlkampfauftritt in Siegen
Angela Merkel (CDU) spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung für die Bundestagswahl in Siegen. Der Name ist Programm: „Mutti“ wird zum vierten Mal zur Kanzlerin gewählt. (2017) © Oliver Berg/dpa
Angela Merkel (CDU) steckt eine Kerze an der Berliner Mauer in den Sand.
Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls steckt Angela Merkel (CDU) eine Kerze an der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße in den Sand. (2019) © Michael Kappeler/dpa
Angela Merkel (CDU) und Donald Trump beim Nato Gipfel in London
Angela Merkel (CDU) und der damalige US-Präsident Donald Trump sind sich beim Nato Gipfel nicht ganz einig. (2019) © Michael Kappeler/dpa
Angela Merkel (CDU) mit Maske bei einer Bundespressekonferenz über den Lockdown und die Corona-Maßnahmen
Angela Merkel (CDU) mit einem Mund-Nasenschutz bei einer Bundespressekonferenz über den Lockdown und die weiteren Corona-Maßnahmen. (2020) © Kay Nietfeld/dpa
Angela Merkel (CDU) und Armin Laschet (CDU) besuchen Flutgebiete
Angela Merkel (CDU) und Armin Laschet (CDU) besuchen Flutgebiete und reden mit den Anwohnern eines betroffenen Dorfs. (2021) © Oliver Berg/dpa
Angela Merkel (CDU) füttert australische Loris im Vogelpark Marlow und wird dabei gebissen.
Sympathische Kanzlerin: Angela Merkel (CDU) füttert australische Loris im Vogelpark Marlow und wird dabei gebissen. (2021) © Georg Wendt/dpa

Scholz betonte zudem im Bundestag, dass „nicht länger dulden werden wir auch, wenn terroristische Straftaten verherrlicht und gefeiert werden.“ Er erklärte, dass die Ampel-Koalition durchsetzen will, dass „aus der Billigung terroristischer Straftaten ein schwerwiegendes Ausweisungsinteresse“ entsteht. „Wer Terrorismus verherrlicht, wendet sich gegen alle unsere Werte - und gehört abgeschoben“, fügte Scholz hinzu.

Scholz will nach Messerattacke in Mannheim auch Waffenverbotszonen

Der Kanzler forderte zudem in seiner Regierungserklärung, dass „bundesweit“ Waffen- und Messerverbotszonen durchgesetzt werden müssen. Er betonte, dass davon „konsequenter Gebrauch gemacht werden“ muss und nannte dabei Hotspots und Großveranstaltungen als Beispiele.

Die Debatte wurde durch die tödliche Messerattacke eines Afghanen ausgelöst. Der 25-Jährige verletzte bei einer islamkritischen Kundgebung in Mannheim mehrere Menschen mit einem Messer, darunter einen 29-jährigen Polizisten, der später seinen Verletzungen erlag.

In der Folge forderten mehrere Bundesländer, Abschiebungen in Länder wie Afghanistan oder Syrien wieder zuzulassen. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) prüft derzeit diese Möglichkeit. (smu)

Rubriklistenbild: © IMAGO

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