„Neue Eskalationsstufe“

Taliban-Funktionär tritt in Ditib-Moschee auf – Auswärtiges Amt übt scharfe Kritik

  • schließen

Ein Taliban-Führer hat in einer Kölner Moschee unbehelligt um Spenden für die als Terrororganisation eingestufte Organisation geworben.

Köln – Ein hochrangiger Funktionär der als Terrororganisation eingestuften Taliban hat am Donnerstagabend (16. November) in den Räumlichkeiten einer Moschee in Köln für Spenden geworben. Der Auftritt von Abdul Bari Omar in den Räumen der Moschee der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) fand nach Angaben des Vereins ohne dessen Wissen statt. Er distanzierte sich von dem Auftritt. Das Auswärtige Amt und Integrationsbeauftragte kritisieren den Vorfall aufs Schärfste.

Ein Taliban-Führer hat in einer Kölner Moschee unbehelligt um Spenden für sie als Terrororganisation eingestufte Organisation geworben. (Symbolbild)

Taliban-Funktionär tritt in Ditib-Moschee auf – Auswärtiges Amt mit scharfer Kritik

„Wir verurteilen den Auftritt des #Taliban-Vertreters Abdul Bari Omar in Köln auf das Schärfste“, teilte das Auswärtige Amt (AA) am Freitagabend auf der Plattform X (früher Twitter) mit. Wie der Taliban-Funktionär, der als Direktor der Nationalen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde der Taliban in Afghanistan bekannt ist, nach Deutschland gelangen konnte, sei unklar. 

Die Reise sei dem AA nicht angekündigt worden und dem Mann sei vor seiner Einreise nach Deutschland kein Visum erteilt worden. „Wir prüfen in engem Austausch mit den Innenbehörden und Partnern weitere Maßnahmen“, heißt es.

Die Ditib, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, repräsentiert über 900 Gemeinden und ist der einflussreichste muslimische Verband in Deutschland. Der Verband äußert, er habe die Räume der Moschee in Köln-Chorweiler zur Verfügung gestellt, ohne zu wissen, welche Gäste auftreten würden. Man habe die Räume lediglich an den „Afghanischen Kulturverein Köln Meschenich“ als religiös angekündigte Veranstaltung organisiert.

„Entgegen vertraglicher Vereinbarung wurde daraus eine politische Veranstaltung, zu der ein uns unbekannter Redner eingeladen wurde“, erklärt die Ditib Köln-Chorweiler. Dem Verein sei Hausverbot erteilt worden. „Wir sind zutiefst enttäuscht, dass unser Vertrauen dermaßen ausgenutzt wurde.“

„Neue Eskalationsstufe“: Integrationsrat fordert Konsequenzen

Civan Akbulut, Mitglied des Integrationsrats der Stadt Essen, teilte ein Video der Veranstaltung auf X und erklärte: „Taliban-Funktionär Dr. Abdulbari Omar wurde von der Ditib Köln Chorweiler eingeladen. Dort hat er für die Taliban geworben.“ Akbulut bezeichnet dies als eine neue Eskalationsstufe und fordert: „Der Ditib-Verband gehört nun endgültig zerschlagen, die Rädelsführer verhaftet und die türkischen Religionsattachés ausgewiesen.“

„Mit nichts zu rechtfertigen“: Kölner Bundestagsabgeordnete fordert umgehende Klärung

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Serap Güler aus Köln äußerte sich gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland RND: „Dieser Besuch macht fassungslos. Ich erwarte hier von der Ditib-Zentrale umgehend eine Klärung, wie dieser Besuch zustande kam und ob sie davon wusste, dass die Gemeinde in Chorweiler einen Taliban-Vertreter eingeladen beziehungsweise empfangen und mit ihm eine Veranstaltung gemacht hat“. Die Politikerin fügte hinzu: „Das ist mit nichts zu rechtfertigen.“

Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Wegen der Hassrede eines AKP-Abgeordneten in einer Neusser Moschee musste im Januar der türkische Botschafter beim Auswärtigen Amt antreten. Schon länger fordert die CDU darum offen einen neuen Umgang mit Moscheevereinen wie der Ditib.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

Kommentare