Trump-Freund wirbt für AfD

Talk auf X mit AfD-Chefin: Weidel, Musk und ihre schräge Umlaufbahn

+
Mit Podcast-Mikrofon und Laptop schaltete sich AfD-Chefin Alice Weidel von ihrem Bundestagsbüro aus in den Live-Talk mit X-Chef Elon Musk.
  • schließen

Der US-Milliardär und enge Vertraute von Donald Trump wirbt im Gespräch auf seinem Kanal X für die AfD-Frau, die bizarre Hitler-Thesen vertritt.

Berlin – So bequem wird es Alice Weidel in den nächsten Tagen selten haben wie bei ihrem Telefonat mit dem US-Milliardär und Trump-Vertrauten Elon Musk, bei dem abertausende Menschen am Donnerstagabend auf Musks Digitalkanal X mithören konnten. Im sächsischen Riesa, wo Weidel am Wochenende zur Kanzlerkandidatin der AfD gekürt werden soll, wollen Zehntausende gegen die nationalradikale, extrem rechte Partei demonstrieren und die Veranstaltung durch Blockaden stören.

In der digitalen Welt dagegen konnte Weidel sich im Gespräch mit einem Promi sonnen – und in seiner Vision von einer großen Zukunft der Menschheit. „Jede fortgeschrittene Zivilisation sollte zumindest zwei Planeten haben“, befand Musk. Es könne schließlich sein, dass die künftigen Marsianer mal gebraucht werden, um das Leben auf der Erde zu retten. 

Elon Musk mit Alice Weidel im Talk auf X: AfD-Chefin vertritt absurde Hitler-These

Zunächst aber sollen Donald Trump und Alice Weidel die USA und Deutschland retten, darin waren sich die beiden einig. Musk wiederholte seine Wahlempfehlung für die AfD gleich mehrfach und bezeichnete seine Gesprächspartnerin als vernünftige Frau, die zu Unrecht als extremistisch dargestellt werde. Trump hingegen wird nach Musks Einschätzung in Kürze den Krieg Russlands gegen die Ukraine beenden. Nur wie, das wollte er nicht verraten.

Beide lobten sich gegenseitig für ihre angebliche Klugheit, selbst als Weidel ihre kruden Thesen über das wahre Wesen des Nationalsozialismus von Adolf Hitler vortrug. Der sei in Wahrheit kein Rechter gewesen, sondern ein Linker: ein antisemitischer Kommunist, genau wie der sowjetische Diktator Josef Stalin. Die AfD hingegen sei als konservativ-liberale Partei genau das Gegenteil, fuhr Weidel fort – um ein paar Sätze später ihren Wunsch nach einem starken Führer in Deutschland Ausdruck zu verleihen. 

Das klang nur deswegen etwas harmloser, weil das Gespräch auf Englisch geführt wurde – und „Leader“ nicht so negativ besetzt ist. Die Verharmlosung von Nazi-Verbrechen, wie sie etwa ihre einflussreichen Parteifreund Björn Höcke und Alexander Gauland betreiben – kein Thema. 

Im Talk auf X: Elon Musk wirbt erneut für Alice Weidel und AfD

Hitler habe im Übrigen als Erstes die freien Medien ausgeschaltet, beklagte das Gesprächsduo, was zweifellos zutrifft. Doch niemand fragte nach, wie die AfD etwa die öffentlich-rechtlichen Sender drangsalieren will. Es war ja auch niemand auf Sendung  außer den beiden in ihrer eigenen Umlaufbahn – sieht man von dem Mann ab, der offenbar im Berliner Büro neben Weidel saß und den sie zwischendurch nach einem englischen Begriff fragte. 

Dabei hätte es auch unfreundlicher zugehen können zwischen den beiden. Die AfD hat zum Beispiel gegen Musk gewettert, als Tesla sein Werk im brandenburgischen Grünheide bauen wollte. Ein Albtraum für Mensch und Natur sei der Tesla-Standort. Offenbar lange her. 

Wobei: Beim Thema Energieversorgung, mit dem Weidel anfing, sprang Musk kurz zur Ehrenrettung der Erneuerbaren ein. Dann aber konnten sie sich doch gemeinsam über Weidels Behauptung amüsieren, die übrigen deutschen Parteien wüssten nicht, dass die Sonne nachts nicht scheine und damit keinen Strom liefere. Da saßen scheinbar zwei, die sich viel schlauer fühlten als die  „Einheitspartei“ aller anderen und insbesondere der Union der „ersten grünen Kanzlerin“ Angela Merkel. 

Hunderttausende Accounts folgen Talk auf X zwischen Weidel und Musk

Weidel hatte die Gesprächsankündigung mit der Aufforderung „Folge mir auf X!“ verbunden – mit Erfolg. Am Nachmittag hatte sie noch etwa 720.000 Follower, nachher waren es mehr als 830.000 (wobei bei X immer unklar ist, hinter wie vielen dieser Accounts echte Menschen stehen). Das ist für Deutschland ansehnlich, aber mickrig im Vergleich zu ihrem Gesprächspartner: Für Elon Musk gibt sein Netzwerk mehr als 210 Millionen Follower an. 

Immer mehr Organisationen und Institutionen in Deutschland wollen indes nichts mehr mit X zu tun haben, das unter dem Label der freien Rede auch Falschnachrichten zulässt. Das Gespräch zwischen Musk und Weidel habe für Verdi und GEW „das X-Fass zum Überlaufen gebracht“, teilten die beiden Gewerkschaften mit.

Kommentare