Entlastungspaket 2022

Tankrabatt: Habeck und Spediteure befürchten Preisanstiege und „Massensterben“

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Robert Habeck warnt vor Preisanstiegen als Folge des Ansturms auf Tankstellen durch den Tankrabatt. Eine Fahrt zur Zapfsäule vor dem 1. Juni bleibt ratsam.

Berlin – Der Tankrabatt steht in den Startlöchern. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher warten in Anbetracht der angespannten wirtschaftlichen Lage sehnsüchtig auf die Maßnahmen aus dem Entlastungspaket 2022 an den Tankstellen. Eine dieser Maßnahmen ist eben dieser Tankrabatt für Benzin und Diesel ab 1. Juni 2022. Ab ersten Juni soll es an der Zapfsäule günstiger werden. Warum es dennoch Sinn ergeben kann, vorher zu tanken und weshalb Robert Habeck (Grüne) Preisanstiege befürchte und wieso Spediteure vor einem „Massensterben“ der Branche und Versorgungsengpässen warnen.

Tankrabatt für Benzin und Diesel: Habeck in Sorge, dass „alle in der letzten Woche im Mai nicht mehr tanken“

Der Individualverkehr kam Autofahrer in den vergangenen Wochen teuer zu stehen, die Preise für Benzin und Diesel erreichten zeitweise bisher kaum bekannte Höhen. Die Ampelkoalition unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich deshalb im Rahmen des Entlastungspakets 2022 auch zu einem Tankrabatt entschieden, der ab 01. Juni 2022 in Kraft tritt. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher versuchen nun, das Tanken bis zum 01. Juni zu vermeiden, um Geld zu sparen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warnt vor diesem Szenario und befürchtet steigende Preise, trotz Tankrabatt für Benzin und Diesel.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warnt vor Preisanstiegen als Folge des Ansturms auf Tankstellen durch den Tankrabatt. (kreiszeitung.de-Montage)

Gegenüber ntv sagte der Grünenpolitiker: „Klar ist auch eine Situation denkbar, dass jetzt alle in der letzten Woche im Mai nicht mehr tanken und dafür alle am 1. Juni zur Tankstelle fahren.“ In diesem Fall könnte es laut dem Wirtschaftsminister auch zu Preisanstiegen kommen. Habeck erklärte, in diesem Szenario würde die Nachfrage dadurch noch größer und „das Benzin wird auf einmal ein noch kostbareres Gut und dann haben wir den Preis gesenkt, aber in Wahrheit geht er nach oben.“ Dies stünde im Zusammenhang mit dem Marktgeschehen und sei vorübergehend, so der Grünenpolitiker. Die Situation würde sich „dann auch wieder beruhigen“. Habeck betonte trotzdem, der Tankrabatt würde „direkt“ bei Autofahrerinnen und Autofahrern ankommen.

Tankrabatt 2022: Vor dem 01. Juni könnte sich eine Fahrt an die Tankstelle für Autofahrer lohnen

Die Senkung der Energiesteuer soll sich bei Verbraucherinnen und Verbrauchern durch den Tankrabatt in Form von günstigerem Benzin ab am 01. Juni 2022 bemerkbar machen – und zwar deutlich: Laut dem Finanzministerium soll sich der Steuersatz bei Benzin durch die Maßnahme um 29,55 Cent je Liter reduzieren, bei Diesel um 14,04 Cent. Entsprechend weniger sollen Verbraucher dann an Tankstellen zahlen müssen. Der ADAC empfiehlt dennoch, den Tank am Monatsende nicht leer zu fahren, um Engpässe zu vermeiden. Gerade in grenznahen Gebieten könnte es um den 01. Juni herum für einige Tage besonders voll werden.

Wie funktioniert der Tankrabatt?

Aber wie funktioniert der Tankrabatt aus dem Entlastungspaket überhaupt? Vom 1. Juni an wird die Energiesteuer auf Kraftstoffe für drei Monate gesenkt, dadurch reduziert sich der Energiesteuersatz für Benzinn wie bereits erwähnt, um 29,55 Cent pro Liter, für Dieselkraftstoff um 14,04 Cent pro Liter. Dadurch soll der Literpreis für die kraftstoffe an den Tankstellen sinken und die Bürger entlasten – so lautet jedenfalls die Hoffnung.

Mineralölkonzerne könnten Tankrabatt einbehalten – das wäre ein Fall für das Kartellamt

Die Sorgen, Mineralölkonzerne könnten die Erleichterungen nicht komplett weitergeben, sind trotzdem weiter groß. Der CDU-Verkehrsexperte Thomas Bareiß warnt in der Bild am Sonntag: „Die Gefahr ist groß, dass die längst überfällige Steuerentlastung nicht beim Autofahrer ankommt. Wenn die Bundesregierung zulässt, dass die Mineralölkonzerne auf Kosten der Steuerzahler ihre Bilanzen aufbessern, wäre das ein Skandal.“ Verpflichtet zur Weitergabe der eingesparten Steuer an Verbraucher sind Mineralölkonzerne weiterhin nicht. Sollten sie die Ersparnis tatsächlich nicht weitergeben, wäre das jedoch ein Fall fürs Kartellamt. Es wird befürchtet, dass Mineralölkonzerne dennoch besonderen Profit aus der Situation um den geplanten Tankrabatt schlagen.

Tankrabatt: ADAC warnt Autofahrer vor Ansturm auf Tankstellen am 1. Juni – Autoclub befürchtet Engpässe

Auch der ADAC hatte zuletzt aufgrund des bevorstehenden Tankrabatts am 1. Juni vor einem Ansturm auf Tankstellen und daraus resultierenden Engpässen in der Versorgung gewarnt. Einige Experten befürchten im Zuge des Tankrabatts, der 01. Juni könnte „dramatisch“ werden. Auch wenn die Worte möglicherweise etwas über das Ziel hinausschießen: Tatsächlich wird der Ansturm aller Voraussicht nach sehr groß.

Trotz der Vergünstigungen kann es daher Sinn ergeben, noch vor dem Tankrabatt für Benzin und Diesel am 01. Juni zu tanken. Mit Gewissheit ist allerdings nicht zu sagen, wie sich die Lage in Deutschland in den ersten Juni-Tagen und Wochen darstellen wird – es bleibt Spekulation. Beim ADAC und in der Politik gibt es Bedenken, wie sich ein Ansturm an Tankstellen auf Preise und das Angebot auswirken könnte. Laut Chip.de scheuen viele Tankstellenbetreiber derzeit große Bestellungen aufgrund der noch hohen Preise für Sprit, den sie dann ab 01. Juni günstiger abgeben müssten. Es könnte unter anderem zu vorübergehenden Engpässen und Schlangen an Zapfsäulen kommen. Shell, BP und Total erklärten derweil auf den Ansturm vorbereitet zu sein.

Tankrabatt für Benzin und Diesel: Spediteure warnen vor Versorgungsengpässen und „Massensterben“ der Branche

Spediteure warnen trotz des für drei Monate gültigen Tankrabatts für Benzin und Diesel vor „Massensterben“ der Branche. Auch sie befürchten zudem Engpässe. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Güterverkehr und Logistik (BGL), Dirk Engelhardt, hatte der Bild am Sonntag erklärt: „Es wäre eine Katastrophe, wenn der Tankrabatt verpufft. Dann droht ein Massensterben in unserer Branche, was die Versorgung in Deutschland akut gefährden würde“. Engelhardt forderte die Regierung auf, weiter zu entlasten.

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Ähnliche Töne gab es zuletzt auch vom verkehrspolitischen Sprecher der Union im Deutschen Bundestag, Thomas Bareiß (CDU). Er sagte: „Die Gefahr ist groß, dass die längst überfällige Steuerentlastung nicht beim Autofahrer ankommt.“ Kurzum: Es gibt Argumente dafür, noch vor dem 01. Juni zu tanken, es könnte allerdings auch gut gehen, auf den Juni zu spekulieren. Auf den 01. Juni als Tag verlassen werden sollte sich in jedem Fall nicht. Experten warnen, die Tanks der Tankstellen wären anfangs noch mit dem normal versteuerten Benzin und Diesel befüllt.

Tankrabatt: Aufs 9-Euro-Ticket umsatteln – Weitere Maßnahmen aus dem Entlastungspaket 2022

Klar ist: Die finanzielle Lage bleibt bei den meisten Menschen trotz Entlastungen angespannt. Geht es nach der Politik, sollten möglichst viele Autofahrer im Rahmen des ebenfalls ab 01. Juni gültigen 9-Euro-Tickets vom Individualverkehr auf den ÖPNV umsatteln. Das Entlastungspaket 2022 sieht zudem einen Kinderbonus 2022, eine Energiepauschale von 300 Euro, sowie einen Hartz-IV-Bonus vor.

Rubriklistenbild: © Chris Emil Janßen/imago/Sebastian Willnow/dpa

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