Nahost-Konflikt

Tel Aviv im Fadenkreuz der Huthis - Israel bereitet Luftangriffe vor

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Eine Rakete schlägt beim Airport Ben Gurion in Tel Aviv ein. Israel will als Reaktion direkt gegen die Huthi-Rebellen vorgehen.

Tel Aviv – Ein ohrenbetäubender Knall, gefolgt von einer riesigen Rauchwolke am Himmel: So beschrieben Augenzeug:innen den Einschlag einer Rakete am Flughafen Tel Aviv. Israels Militär ist alarmiert: Es ist das erste Mal, dass eine ballistische Rakete im Bereich des Haupt-Terminals am Ben-Gurion-Airport einschlägt. Abgefeuert wurde sie von den Huthi-Milizen im Jemen; die Rakete legte eine Entfernung von mehr als 2000 Kilometern zurück. Dass es den Luftabwehrsystemen der israelischen Streitkräfte dennoch nicht gelang, die Rakete aus dem Jemen abzufangen, wird als schweres Versagen gewertet. Die Armee hat eine interne Untersuchung eingeleitet.

Leute, die den Einschlag beobachten konnten, berichten von einer massiven Druckwelle. „Es gab Raketenalarm und dann sofort diesen verrückt lauten Knall“, so beschreibt ein Taxifahrer gegenüber Ynet den Einschlag. „Es gab überhaupt keine Zeit, um sich in Sicherheit zu bringen. Alles hat gezittert, kleine Steine flogen durch die Luft.“

Die Zufahrten zum Ben-Gurion-Airport sind abgeriegelt. Eine Polizeistreife lässt einen Rettungswagen des Roten Davidsterns passieren.

Rakete der Huthis schlägt in Israel ein – mehrere Menschen verletzt

Mindestens sechs Menschen wurden leicht bis mittelschwer verletzt, einige Fluggäste mussten wegen akuter Angstzustände behandelt werden. Der Flugverkehr in Israel wurde sofort gestoppt: Eine Stunde lang durfte kein Flugzeug abheben oder landen.

Dass es ausgerechnet an einem Sonntagmorgen zu dem Angriff der Huthi-Rebellen auf den Flughafen in Tel Aviv kam, dürfte kein Zufall sein. Der Sonntag ist ein besonders betriebsstarker Tag, nach der Schabbatruhe treten viele Israelis ihre Rückreise aus dem Ausland an. Laut einem Sprecher der Flughafenbehörde war es aber ein Glücksfall, dass zum Zeitpunkt des Angriffs nur ein Flugzeug in der Luft war. Auch an den geparkten Fliegern sei kein Schaden entstanden.

Angriff auf Flughafen in Israel ist kein Einzelfall

Der Vorfall sorgt in der Luftfahrtbranche aber für erhebliche Verunsicherung. Einige Fluglinien, darunter auch die Lufthansa-Gruppe, sagten ihre Tel-Aviv-Flüge vorübergehend ab. Schließlich handelt es sich bei der Attacke nicht um einen Einzelfall: Schon seit Wochen fordern die Huthi-Milizen Israels Luftabwehr heraus. Seit dem Ende der Waffenruhe in Gaza haben Milizen im Jemen mehr als 25 Raketen und Drohnen auf Israel abgefeuert, und die Frequenz der Angriffe nimmt zu: Allein in den vergangenen zwei Tagen lösten vier Raketen die Alarmsirenen in großen Teilen des Landes aus.

„Die Eskalation wird weitergehen, solange Israel die Angriffe in Gaza nicht einstellt“, verkündete ein Sprecher der Miliz gegenüber dem Sender Al-Arabiya. Der Angriff auf den Flughafen Ben Gurion sei „ein Beweis für unsere Stärke, selbst gut bewachte Orte in Israel anzugreifen“. Es gebe bei den Angriffen auf Israel „keine roten Linien“.

Israels Regierung droht Huthis: „Wir schlagen sieben Mal so oft zurück“

Israels Regierung will nun ihre Strategie für den Jemen überdenken. Verteidigungsminister Israel Katz machte schon vorab kein Geheimnis daraus, dass Israel sich künftig nicht allein auf die USA verlassen wird, um die Huthis abzuschrecken. Die Armee soll selbst Angriffe fliegen. Die Jemeniten sollten sich auf das Schlimmste gefasst machen, droht Katz: „Wer auch immer uns angreift – wir schlagen sieben Mal so oft zurück“.

Der israelische Zivilschutz räumt eine der Autobahnen zum Flughafen von Erde frei, die durch den Raketeneinschlag rübergeregnet ist.

In den vergangenen Monaten hatten die USA ihre Schläge im Jemen ausgeweitet, um das Raketenarsenal der vom Iran gesteuerten Milizen zu minimieren. Wie erfolgreich diese Schläge waren, darüber gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Manche Analyst:innen in den USA warnen, dass man den Druck auf Dauer nicht aufrechterhalten könne. Neue Schläge der Huthis seien zu befürchten – auch auf US-Ziele in der Region.

Militärexpert:innen in Israel sehen die jetzige Eskalation hingegen mit einiger Zuversicht: Sie werten die gesteigerten Angriffe als Zeichen, dass die Milizen geschwächt sind. So meint ein früherer Stratege der Armee, dass die aktuelle Angriffswelle auf Israel dazu dient, möglichst viele Raketen einzusetzen, bevor diese durch US-Angriffe zerstört werden. Wenn Israel nun eigene Angriffe fliegt, könnte das den Druck verstärken. Kurzfristig müssten die Israelis dann mit noch mehr Huthi-Attacken rechnen – auf längere Sicht wäre aber eine Beruhigung der Jemen-Front möglich, so der Experte.

Rubriklistenbild: © Jack Guez/AFP

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