VonMarcus Giebelschließen
Zu Beginn der russischen Invasion wurden Zivilisten mit Waffen ausgerüstet. Doch nun wird ihnen eine Frist gesetzt, diese zurückzugeben.
München – Der Ukraine-Krieg fordert auf beiden Seiten seinen Tribut. Nach mehr als einem Jahr der Kämpfe, die eine nicht-militärische Lösung immer unrealistischer erscheinen lassen. Die Verluste sind auf beiden Seiten hoch – wie hoch, lässt sich für Beobachter nur schätzen. Aber es gibt immer wieder Hinweise auf den immensen Verschleiß.
Auch beim Material. Angeblich wird die Munition in Russland knapp, weshalb Moskau dem Aggressor weiter wohlgesonnene Nationen schon vor einiger Zeit um Nachschub ersucht haben soll. Die Ukraine lässt keine Gelegenheit aus, die Verbündeten vor allem aus dem Westen auf die Dringlichkeit weiterer Lieferungen hinzuweisen. Doch so schrecklich es auch sein mag: Irgendwann scheinen diese regelmäßigen Hilferufe zu einer Art Normalität zu werden.
Ukraine fordert Waffen zurück: Zivilisten müssen Gewehre und Munition wieder aushändigen
Für deutlich mehr Aufsehen könnte diese Nachricht an die ukrainische Bevölkerung sorgen. Bei Telegram schrieb Sergij Lysak, Gouverneur der Oblast Dnipropetrowsk, am Montag (6. März), binnen zehn Tagen müssten alle Zivilisten die ihnen ausgehändigten Schusswaffen und Munition zurückgeben.
Diese waren zu Beginn der Invasion verteilt worden, damit sich die Menschen gegen die russischen Truppen verteidigen können – zunächst war befürchtet worden, Wladimir Putins Einheiten könnten das ganze Land schnell überrollen und jeder müsste sich selbst wehren. Wie Newsweek schreibt, hätten die Freiwilligen unter den ukrainischen Bürgern ein kurzes Polizei-Training erhalten und seien danach mit Gewehren, Maschinengewehren oder sogar Panzerfäusten ausgestattet worden.
Video: Deutsche Panzer werden bis Ende März in der Ukraine sein
Versorgungsengpass der Ukraine? Gouverneur macht Frist zur Waffen-Rückgabe öffentlich
Nun werden diese also wieder zurückgefordert. Weil den Verteidigern die Waffen ausgehen? Diesem Eindruck können sich Lysak und die militärische Führung kaum erwehren. Der Gouverneur betonte, die gesetzte Frist sei bei einem traditionellen Treffen mit Strafverfolgungsbehörden zur Sicherheitslage in der Region bekannt gegeben worden.
Weiter schreibt er, die Waffenausgabe sei vor rund einem Jahr erfolgt, damit die Ukrainer ihre Familien und Häuser schützen konnten. Nachdem sich die Lage in der Region stabilisiert hatte, hätten einige Bürger die Waffen bereits zurückgegeben. Es sei jedoch bekannt, wer die Leihgabe nach wie vor in seinem Besitz habe. Die Listen würden jedoch nicht veröffentlicht. Lysak wies jedoch ein zweites Mal auf die Frist hin.
Er werde persönlich überwachen, ob dieser Forderung Folge geleistet wird. Gleiches gilt für die Pläne, die Gebiete vor dem Beginn der Feldarbeiten im Frühjahr von Minen zu befreien und die Ordnung hinsichtlich der Kriminalitätslage wiederherzustellen.
Ukraine setzt Bürgern Frist: Binnen zehn Tagen müssen Waffen rausgerückt werden
Die Forderung der Waffenrückgabe findet sich auch im von Präsident Wolodymyr Selenskyj verabschiedeten Gesetz zur „Sicherung der Beteiligung von Zivilisten am Schutz der Ukraine“. Dort heißt es in Artikel 3 jedoch, die Waffen und nicht genutzte Munition seien „zehn Tage nach Beendigung oder Aufhebung der Aktion der kriegerischen Lage in der Ukraine“ zu übergeben.
Auch die Region Dnipropetrowsk, die an der Grenze zu den von Russland nach Scheinreferenden annektierten Gebieten Donezk, Cherson und Saporischschja liegt, war von den jüngsten russischen Angriffen in Mitleidenschaft gezogen worden. Lysak selbst berichtete via Telegram, ein 34-Jährige sei dabei ums Leben gekommen, eine 28-Jährige und ein 19-Jähriger hätten Verletzungen davongetragen, die im Krankenhaus behandelt werden. Weiter seien schwere Schäden entstanden. Er sprach von fast 40 Granaten, die über der Region niedergingen.
Eine Zahl, die nicht dafür spricht, dass Russland die Munition ausgeht. Die Kämpfe scheinen also noch lange nicht an ihrem Ende angelangt zu sein. Womit sich auch das Leiden für die Bevölkerung fortsetzt – ob mit oder ohne Waffe in der Hand. (mg)
