- VonSimon Schröderschließen
Was bisher über den Terroranschlag von New Orleans bekannt ist. Der Täter war ein US-Bürger und wohl ein Unterstützer des Islamischen Staats.
New Orleans – Der Attentäter von New Orleans ist eigenen Angaben zufolge ein Anhänger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Das geht wohl aus Videos hervor, die der Mann nur wenige Stunden vor der Tat ins Internet gestellt habe, sagte US-Präsident Joe Biden unter Berufung auf Ermittlungen der Bundespolizeibehörde FBI. In dem Wagen, mit dem der 42-Jährige namens Shamsud-Din J. den Anschlag verübt hatte, wurde zudem eine Flagge des IS gefunden. In den Aufnahmen, die er in sozialen Netzwerken postete, ließ der Täter laut Biden erkennen, dass er getrieben sei „vom Verlangen, zu töten“.
Nach Angaben des FBI wurden bei dem Anschlag 15 Menschen getötet und Dutzende verletzt. Biden betonte, dass der Täter nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler im Bundesstaat Texas geboren wurde und US-Staatsbürger war. Er habe „viele Jahre“ in der US-Armee gedient und sei danach noch jahrelang als Reservist geführt worden. Der US-Präsident bekräftigte außerdem Erkenntnisse der Ermittler, dass im Pick-up-Truck, mit dem der Mann am Neujahrsmorgen in die Menschenmenge in New Orleans gerast war, sowie außerhalb des Fahrzeugs mögliche Sprengsätze gefunden worden seien.
Auto rast in New Orleans in Menschenmenge: Die verheerenden Bilder aus der Bourbon Street




Videos des Tatverdächtigen vom Terroranschlag in New Orleans: War wohl Unterstützer des IS
In einigen Videos soll Shamsud-Din angekündigt haben, er wolle auch seine Familie ermorden, wie CNN berichtet. Wenig später soll er jedoch seinen Plan geändert haben, nachdem er Sympathien für die Terrororganisation IS entwickelt hat, erklärt der Tatverdächtige in den Videos. Auslöser davon sollen angebliche Träume gewesen sein, die ihm wohl zeigten, warum er dem IS beitreten müsse. Die Aufnahmen sollen entstanden sein, während er von seinem Wohnort in Texas zum Tatort in Louisiana gefahren war, wie sich die US-Behörden äußerten.
Untersucht wird laut Biden auch, ob die Tat in New Orleans in Zusammenhang mit der Explosion eines Tesla-Cybertrucks vor dem „Trump International Hotel“ in Las Vegas steht. Eine Person in dem Fahrzeug starb aufgrund der Explosion, sieben andere wurden leicht verletzt. Bisher gebe es darauf jedoch keine Hinweise, sagte Biden. Er warnte generell davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. Die Ermittler arbeiteten an einem umfassenden Bild und würden es zu gegebener Zeit präsentieren, erklärte Biden weiter.
Anschlag in New Orleans: Täter stirbt nach Schusswechsel mit Polizei – Parallelen zu Cybertruck Explosion?
Auch die Polizei in Las Vegas hat nach eigenen Angaben bislang keine Hinweise auf eine Verbindung zwischen der Explosion vor dem Hotel und dem IS, wie Sheriff Kevin McMahill auf einer Pressekonferenz betonte. Einzige Parallele sei bisher, dass beide Fahrzeuge über dieselbe Vermittlungs-Webseite angemietet worden seien.
In New Orleans war am Neujahrsmorgen wenige Stunden nach Mitternacht ein Pick-up-Truck durch die Menge feiernder Passanten im beliebten Ausgehviertel French Quarter gerast. Laut Polizei gab es neben den zahlreichen Todesopfern auch 35 Verletzte – wobei die Zahl der Toten nach Angaben des zuständigen Gerichtsmediziners noch steigen könnte. Der Täter lieferte sich laut den Ermittlern nach der Fahrt einen Schusswechsel mit Polizisten. Zwei von ihnen seien verletzt worden, aber in stabilem Zustand. Der Täter ist bei dem Gefecht ums Leben gekommen.
Die radikal-islamische Terrororganisation Islamischer Staat (IS)
Der Islamische Staat (kurz IS oder ISIS) ist eine terroristisch agierenden dschihadistische Miliz. Während seiner Hochzeit von ca. 2014 bis 2016 kontrollierte die Terrororganisation Teile Syriens und des Iraks und fungierte als de facto Regierung vor Ort. Der IS versucht ein Kalifat, also eine „islamische Theokratie, in der die weltliche und geistliche Führerschaft in einer Person vereint ist, zu errichten“, wie die Bundeszentrale für politische Bildung die Struktur des IS beschreibt.
Ende 2017 verlor der IS seine letzten Gebiete im Irak und Anfang 2019 auch in Syrien. Trotzdem soll es laut dem „United States Central Command“ nach wie vor um die 2500 IS-Kämpfer in den Regionen geben, die immer wieder Anschläge verüben. In Deutschland verübte der IS mutmaßlich zuletzt am 23. August 2024 einen Anschlag. In Solingen griff ein Mann mehrere Menschen mit einem Messer an. Bei dem Anschlag starben drei Menschen, am Tag danach reklamierte der IS die Tat für sich.
Doch die Gefahr des IS hat im Vergleich zu seiner Hochzeit deutlich nachgelassen. Im Jahr 2015 verübte die Terrororganisation weltweit fast 60 Anschläge. 2024 reklamierte die Miliz lediglich sieben Taten für sich.
FBI findet IS-Flagge nach Terroranschlag von New Orleans – Sprengstoff im Auto des Täters
Am Mittag (Ortszeit) veröffentlichte das FBI dann erste Details zum möglichen Hintergrund des Anschlags. Sie erwähnten die IS-Flagge, die möglichen Sprengsätze und die Ermittlungen zu Verbindungen mit der Terrororganisation, die in den vergangenen Jahren schon mehrere Anschläge mit Fahrzeugen in verschiedenen Ländern für sich reklamiert hat. Es werde derzeit geprüft, ob die Sprengsätze wirklich hätten gezündet werden können, hieß es.
Ob der Täter Komplizen hatte, ist noch unklar. Die Ermittler hatten zwischenzeitlich laut US-Medienberichten ein Überwachungsvideo mit einer verdächtigen Gruppe von vier Menschen geprüft. Es sei zunächst vermutet worden, dass diese Sprengsätze im betroffenen Stadtviertel platziert haben könnten. Kurze Zeit später wurden sie den Berichten zufolge jedoch als Verdächtige ausgeschlossen.
Scholz reagiert bestürzt auf den Anschlag: „Schlimme Nachrichten aus New Orleans“
Biden sprach den Betroffenen des Terrors in New Orleans sein Mitgefühl aus. „Ich weiß, dass ich für alle Amerikaner sprechen kann, wenn ich sage, dass nach dieser verabscheuungswürdigen Tat in den frühen Morgenstunden unser Herz bei den Menschen von New Orleans ist“, sagte Biden am Abend (Ortszeit) auf seinem Landsitz in Camp David. Er und das ganze Land seien in Gedanken bei den Angehörigen und den Opfern. „Wir sind an Ihrer Seite, während Sie in den kommenden Wochen trauern und während Sie heilen.“
Auch Bundeskanzler Olaf Scholz reagierte bestürzt auf den Anschlag. „Das sind schlimme Nachrichten aus New Orleans, die uns erreichen: Fröhlich feiernde Menschen werden durch sinnlosen Hass aus dem Leben gerissen oder verletzt“, schrieb Scholz auf der Plattform X. „Wir trauern mit den Familien und Freunden der Opfer und wünschen allen Verletzten schnelle Genesung.“ (sischr/dpa)
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