Videos auf Sozialen Medien

Ohr abgeschnitten? Russlands Behörden könnten Terror-Verdächtige gefoltert haben

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Von den mutmaßlichen Moskauer Attentätern haben mindestens zwei offenbar gestanden. Videos legen nahe, dass sie zuvor gefoltert wurden.

Moskau – Nach dem Terroranschlag nahe Moskau haben russische Sicherheitskräfte inzwischen elf Verdächtige festgenommen. Vier davon, die mutmaßlichen Todesschützen, wurden inzwischen dem Haftrichter vorgeführt. Mindestens zwei von ihnen sollen Medienberichten zufolge inzwischen geständig sein. Dabei könnten die Männer zuvor gefoltert worden sein, wie auf sozialen Medien kursierendes Video- und Fotomaterial nahelegt.

Russlands Sicherheitskräfte könnten Terrorverdächtige gefoltert haben

Bei dem ersten Termin im Basmanny-Gericht am Sonntag, 24. März, waren die Männer in teils sehr schlechtem gesundheitlichem Zustand erschienen. Der Telegram-Kanal der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti zeigt Bildmaterial, auf dem die Verdächtigen in dem Glaskäfig im Verhandlungssaal geführt werden. Alle haben gut sichtbare Blutergüsse und geschwollene Gesichter.

Einer der Verdächtigen des Terroranschlags nahe Moskau wird von einem Sicherheitsbeamten in das Basmanny-Gericht in der russischen Hauptstadt gebracht.

Einer der Männer wird im Rollstuhl und mit Krankenhauskittel vorgeführt. Er ist offenbar kaum bei Bewusstsein. Im Vorfeld des Termins kursierten Videos im Netz, die zeigen sollen, wie die mutmaßlichen Attentäter gefoltert wurden. Ob die Aufnahmen authentisch sind, ließ sich bislang nicht unabhängig überprüfen.

Videos zeigen mutmaßlich Terror-Verdächtigen mit abgeschnittenem Ohr

Ein anderer mutmaßlicher Attentäter trägt auf den Bildern vom Gerichtstermin einen provisorischen Verband an seinem rechten Ohr. Videos in Sozialen Medien legen nahe, dass ihm bei seiner Festnahme ein Teil seines Ohres abgeschnitten wurde.

Auf dem Telegram-Kanal des Nachrichtenportals Meduza ist in einem Video zu sehen, wie er von vermummten und bewaffneten Einsatzkräften in einem verschneiten Waldstück abgeführt wird. Sein Gesicht ist blutverschmiert, gut sichtbar fehlt ihm ein Teil des rechten Ohres. Laut Meduza stammt das Video vom russischen Inlandsnachrichtendienst FSB. Auch das ließ sich zur Stunde nicht unabhängig prüfen.

Vier Terror-Verdächtige von Russlands Behörden nach Anschlag festgenommen

Den vier 19, 25, 30 und 32 Jahre alten Hauptverdächtigen wird vorgeworfen, für den Terroranschlag am vergangenen Freitag, 22. März, in der Crocus City Hall in Krasnogorsk nahe Moskau verantwortlich zu sein. Vor Beginn eines Konzertes der Band „Piknik“ hatten dort mehrere Schützen mit Maschinengewehren auf die Besucherinnen und Besucher geschossen und Feuer in der Konzerthalle gelegt. Nach offiziellen Angaben kamen dabei mindestens 137 Menschen ums Leben, laut russischem Gesundheitsministerium gab es nach derzeitigem Stand (25. März) 182 Verletzte.

Bereits kurz nach der Tat hatte die Terrormiliz „Islamischer Staat“ auf Telegram den Anschlag für sich reklamiert. Die russische Regierung will trotzdem eine Beteiligung der Ukraine bei dem Terroranschlag sehen, wie auch Wladimir Putin bei seiner Ansprache nach dem Anschlag verlauten ließ. Beweise legte er dafür nicht vor. Für die ukrainische Seite wies Präsidentenberater Mychailo Podoljak auf seinem Telegram-Kanal die Anschuldigungen als „unhaltbar und absurd“ zurück. (pkb)

Rubriklistenbild: © dpa

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