Interview

„Hunderttausende Beschäftigte“ sollen profitieren: NRW-Ministerin Neubaur erinnert Thyssenkrupp an Zusage

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Der Teilverkauf der Stahlsparte von Thyssenkrupp löst Verunsicherung und Kritik aus. Ministerin Mona Neubaur macht jetzt eine Ansage an Investor Daniel Křetínský.

Berlin/Duisburg – Die Verunsicherung in Duisburg ist groß. Schon wieder. Seit Jahrzehnten beutelt ein Strukturwandel nach dem anderen die ganze Region und Duisburg als zentraler Standort der Stahlproduktion ganz besonders. Diesmal geht es um die Stahlsparte von Thyssenkrupp. Die Tochter TKS steht vor der „grünen Transformation“, schon vor Jahren hatte der Konzern den Schritt angekündigt: Das Werk in Duisburg will die Dekarbonisierung vorantreiben und künftig mithilfe von Wasserstoff anstelle von Kohle produzieren.

Thyssenkrupp: Stahlsparte in Duisburg ist zum Erfolg verdammt

Ein gewagtes Unterfangen, weil: unerprobt und teuer. So teuer, dass Land und Bund das Projekt mit zwei Milliarden Euro fördern. Das unterstreicht die Dringlichkeit, denn langfristig gilt TKS nur dann als wettbewerbsfähig, wenn die Umstellung gelingt. Thyssenkrupps Stahlsparte ist also zum Erfolg verdammt. Daran hängen im gesamten Wirtschaftszweig zehntausende Arbeitsplätze.

Doch zuletzt hat sich Thyssenkrupp einen ausländischen Investor ins Haus geholt: Der tschechische Milliardär Daniel Křetínský steigt in das Unternehmen ein. Das ruft große Verunsicherung bei der Belegschaft hervor und stößt auf massive Kritik der Gewerkschaft. Unklar ist, wie es weitergeht in Duisburg – derweil ist bereits die Rede von Stellenabbau. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) hat den Essener Industriekonzern nun aufgefordert, sich nach dem Teilverkauf seiner Stahlsparte an die getroffenen Abmachungen zu halten. „Die Zusage von Thyssenkrupp, in Duisburg grünen Stahl zu produzieren, muss gelten“, sagt die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin im Interview mit IPPEN.MEDIA.

Das Land NRW sei „mit der größten Einzelförderung unserer Geschichte mit in die Verantwortung gegangen“, so Neubaur, „gemeinsam mit dem Bund unterstützen wir mit rund zwei Milliarden Euro den Bau einer Direktreduktionsanlage, die einen der Hochöfen des Stahlwerks in Duisburg ersetzen soll“.

Mona Neubaur: Umstellung auf Wasserstoff „wesentlicher Beitrag zur CO₂-Reduktion“

Neubaur betont die Bedeutung des Projekts. „Von dem grün erzeugten Stahl profitieren am Ende hunderttausende Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen“, sagte sie. „Und es ist ein wesentlicher Beitrag zur CO₂-Reduktion sowie zum Wasserstoffhochlauf.“ Es sei herausragend wichtig, dass der Konzern seine Ziele gemeinsam mit den Beschäftigten verfolgte, mahnt Neubaur. „Deswegen sollte Daniel Křetínský nach seinem Einstieg bei Thyssenkrupp sicherstellen, dass die in Nordrhein-Westfalen traditionell gepflegte Mitbestimmung als Teil erfolgreichen Wirtschaftens gewahrt bleibt.“

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Federico Gambarini

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