VonRichard Stroblschließen
Bitterer Vorfall im Ukraine-Krieg: Russlands Luftabwehr hat offenbar nahe der Front einen der eigenen Su-35-Kampfjets abgeschossen.
Update vom 4. Oktober: Mittlerweile berichtet auch das britische Verteidigungsministerium über den Vorfall. „Am 28. September 2023 haben russische Luftverteidigungskräfte höchstwahrscheinlich einen ihrer eigenen Su-35S FLANKER M-Mehrzweckkampfjets über Tokmak abgeschossen“, heißt es im neuesten Update aus London. Der Abschuss hat demnach knapp 20 Kilometer hinter der aktuellen Frontlinie stattgefunden. Seit Beginn des Krieges sei es wahrscheinlich erst das fünfte Flugzeug vom Typ Su-35S, das Russland verloren habe.
Auch der Standort sei bei der Meldung zu berücksichtigen, heißt es in dem Bericht weiter. Demnach sei Tokmak eine „stark befestigte Stadt, in der häufig russische Hauptquartiere untergebracht sind, die einen der am härtesten umkämpften Abschnitte der Frontlinie befehligen“. Diese Hauptquartiere würden im Normalfall durch besondere Luftabwehrsysteme geschützt, die sich angesichts der Lage „höchstwahrscheinlich in höchster Bereitschaft“ befinden, da die Ukraine „wirksame Tiefschläge gegen solche Standorte durchführt“.
Erstmeldung vom 1. Oktober 2023: Im Ukraine-Krieg wird Russland aktuell in die Defensive gedrängt. Die Armee von Wladimir Putin hat große Verteidigungsanlagen erbaut und versucht das in der Ukraine eroberte Gebiet so gegen die ukrainische Gegenoffensive zu verteidigen. In diesem Kampf ist den russischen Luftabwehrkräften nun offenbar ein fataler Fehler unterlaufen.
Nach verschiedenen Berichten soll Russland am Freitag einen der eigenen Su-35 Mehrzweckkampfjets abgeschossen haben. Das geht aus Meldungen von ukrainischen und russischen Militärbloggern sowie des niederländischen Open-Source-Geheimdienstes Oryx hervor. Das US-Portal Newsweek berichtete zuerst über den Vorfall.
Russland schießt wohl eigenen Kampfjet über Ukraine ab
Im Internet hat sich ein Video verbreitet, das den Abschuss des Kampfjets zeigen soll. Zudem kursieren Fotos von der Absturzstelle. Ereignet haben soll sich der Vorfall in der Nähe der russisch besetzten Stadt Tokmak in der Region Saporischschja. Demnach soll ein S-300 Flugabwehrraketen-System das Flugzeug getroffen haben. Der Pilot des russischen Jets soll bei dem Abschuss getötet worden sein. Unabhängig prüfen lassen sich die Meldungen aktuell nicht.
The best picture of the Russian Su-35 which got shot down by friendly fire of a S-300 near Tokmak, Zaporizhzhia Oblast.
— (((Tendar))) (@Tendar) September 30, 2023
Source: https://t.co/MxTCW8RBh4#Ukraine #Zaporizhzhia #Tokmak pic.twitter.com/kLc2lyCGwb
Bei der Su-35 handelt es sich um einen sogenannten „Luftüberlegenheitsjäger“. Das Kampfflugzeug ist primär für den Einsatz gegen andere Jagdflugzeuge konzipiert. Dafür verfügt der Typ über eine hohe Geschwindigkeit und Wendigkeit.
Fakten zur Su-35
Typ: Luftüberlegenheitsjäger
Leergewicht: 18.400 kg
Spannweite: 14,7 m
Höchstgeschwindigkeit: 2095 km/h bzw. Mach 2,00 (auf 10.975 m)
Maximale Reichweite: 3680 km
Russland verliert im Ukraine-Krieg immer wieder Flugzeuge ohne Feind-Aktivität
Es ist nicht das erste Mal, dass Russland im Ukraine-Krieg Soldaten und hochwertiges Militär-Material ohne feindliche Aktionen verliert. Nach einer Analyse von Newsweek ist knapp ein Fünftel der russischen Verluste an Flugzeugen und Hubschraubern seit Beginn des Ukraine-Kriegs nicht auf Aktionen der ukrainischen Armee zurückzuführen. So ereignen sich auch immer wieder Unfälle. Einige westliche Analysten führen dies der Analyse nach auf eine begrenzte Ausbildungszeit, geringe Erfahrung der Piloten sowie Dauerbelastung durch permanente Einsätze zurück.
Es ist auch nicht das erste Mal, dass es Berichte gibt, dass Russland einen eigenen Kampfjet abgeschossen habe.
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