Flüchtlingskonvention ade

Trotz geringer Abschreckung: Dobrindts Grenzkontrollen belasten Bundeshaushalt

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Kostenexplosion, Menschenrechtsverletzungen, Überforderung der Polizei. Alexander Dobrindts Grenzkontrollen auf dem Prüfstand.

Berlin – Nach der Verschärfung der Grenzkontrollen durch Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) rätselt Deutschland über Auswirkungen und Kosten der umstrittenen Maßnahme. Nicht nur die menschenrechtlich fragwürdige Zurückweisung von Asylsuchenden steht in der Kritik – vor allem um Wirksamkeit, Machbarkeit und Kosten wird gestritten.

Dobrindts Innenministerium ist derweil alles andere als transparent. Die Grünen hatten bereits am 11. Mai einen Fragenkatalog an die Union gerichtet, der laut Redaktionsnetzwerk Deutschland von Dobrindts Ministerium allerdings nur unzureichend, beziehungsweise ausweichend beantwortet wurde.

Weit mehr als 50 Millionen Euro im Halbjahr – die Kosten für Dobrindts Grenzkontrollen

Unklar ist laut Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann insbesondere, ob die von Dobrindt angeordneten Zurückweisungen Asylsuchender sich auf Artikel 72 der EU-Verträge stützten, was die Erklärung einer Notlage zur Voraussetzung habe. Andernfalls wären solche Zurückweisungen rechtswidrig, sagte die Grünen-Fraktionschefin.

Abseits des Legalen könnte Dobrindts Prestigeprojekt vor allem teuer werden, wie die Antwort der Bundesregierung auf die Frage nach den Kosten der neuen Grenzkontrollen zeigt: Von Mitte September 2024 bis Ende März 2025, also noch vor der Intensivierung der Kontrollen durch Dobrindt, gab die Bundesregierung bereits 50,9 Millionen Euro für Grenzkontrollen aus. Die Kosten für das neue und flächendeckende Grenzregime dürften weit darüber liegen. Vor allem Vergütung der Beamten, Verpflegung und Hotels sowie Benzin und Diesel für die Einsatzfahrzeuge fallen laut dem Bericht finanziell ins Gewicht.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

„Werden nicht aufhören zu kommen“ – Flüchtlingsexperte zu Dobrindts Grenzkontrollen

Dobrindts Kontrollpläne spielen in einer anderen Liga als bisherige Grenzpolitik. Er hält sogar die verschärften Kontrollen auch an der Grenze zu Dänemark für sinnvoll – obwohl dort keine wichtige Migrationsroute nach Deutschland liegt. Und auch die Mehrkosten für die Einsätze an den Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz sind in der Aufstellung der Bundesregierung nicht erfasst.

Es wird also teuer, das ist sicher. Außerdem warnt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor einer personellen Überlastung und forderte eine klare zeitliche Begrenzung. Dobrindt plant dennoch auf unbestimmte Zeit. Doch halten seine Grenzkontrollen Asylsuchende tatsächlich von einer Reise nach Deutschland ab? Lefteris Papagiannakis, Präsident des Griechischen Rats für Flüchtlinge bezweifelt es.

Die neuen Regelungen in Deutschland würden nichts am Ziel der Flüchtlinge ändern. „Wenn jemand glaubt, dass Menschen aufhören, sich zu bewegen, nur weil jemand Mauern, Zäune, Gräben, Soldaten, Drohnen und Kameras aufstellt: Damit machen wir den Geflüchteten das Leben schwer, aber sie werden nicht aufhören zu kommen“, sagte er gegenüber Stern.

Knapp die Hälfte der Deutschen zweifelt an Dobrindts Grenzkontrollen

Auch die Deutschen sind einer Umfrage zufolge gespalten, ob die verschärften Grenzkontrollen und Zurückweisungen Wirkung entfalten. Dass durch diese Kontrollen deutlich weniger Asylsuchende und Flüchtlinge nach Deutschland kommen werden, erwarten 51 Prozent der im neuen ZDF-Politbarometer Befragten. 47 Prozent zweifeln an der Wirksamkeit dieser Maßnahme. 

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will auch Asylsuchende an Deutschlands Grenzen zurückweisen.

Noch etwas skeptischer äußern sich die Befragten, wenn es um die Problemlösungskompetenz im Bereich „Flüchtlinge und Asyl“ geht: Dass die schwarz-rote Koalition hier einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Probleme leisten wird, meinen 44 Prozent, 51 Prozent glauben das nicht.

Das Recht auf Asyl ist sowohl im deutschen Grundgesetz, als auch in der Genfer Flüchtlingskonvention verankert. Dobrindt hatte trotzdem bereits wenige Stunden nach seinem Amtsantritt als Bundesinnenminister eine Intensivierung der Grenzkontrollen verfügt. Gleichzeitig ordnete er an, künftig sollten auch Asylsuchende an der Grenze zurückgewiesen werden können. Dies soll allerdings nicht für Schwangere, Kinder und andere Angehörige vulnerabler Gruppen gelten. (lm/dpa/afp)

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