US-Wahlkampf

Trump bezeichnet seinen ehemaligen Stabschef nach Äußerungen zu Hitler-Zitaten als „Abschaum“

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John Kelly, der ehemalige Stabschef von Trump, enthüllt alarmierende Details und rät von einer erneuten Wahl Trumps ab – doch dieser kontert.

Washington, D.C. – Kurz vor den US-Wahlen kommt es zum öffentlichen Schlagabtauschen zwischen dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump und dessen einstigen Stabschef John Kelly. Anlass des Konflikts sind Warnungen vor Trump, die Kelly gegenüber der New York Times öffentlich gemacht hat. So entspreche der Präsidentschaftskandidat der Republikaner der Definition eines „Faschisten“. Gleichzeitig fehle ihm das „grundlegende Verständnis wichtiger amerikanischer Werte“.

Auf Basis dieses Berichts ist Trump nun seinerseits auf seinen ehemaligen Mitarbeiter losgegangen und hat diesen als „Abschaum“ bezeichnet, der an „Trump-Derangement-Syndrom“ leide, eine fiktive „Krankheit“, als die Trumps Unterstützer Kritik am ehemaligen US-Präsidenten gerne pauschal abprallen lassen. Kelly sei „zäh und dumm“, weswegen er ihn bereits 2019 aufgefordert habe, sich einen neuen Job zu suchen, zitierte das Online-Portal The Daily Beast.

John Kelly diente fast eineinhalb Jahre als Stabschef unter dem ehemaligen US-Präsidenten Trump. (Archivfoto)

Wegen Drohung mit Militär-Aktionen: Ex-Stabschef Kelly warnt vor Trump

Tatsächlich war der Ex-Militär-General Kelly zuvor allerdings von Juli 2017 bis Ende 2018 fast eineinhalb Jahre einer von Trumps wichtigsten und engsten Mitarbeitern. Seine Warnungen vor dem Ex-Präsidenten hat er damit begründet, dass Trump vor einiger Zeit öffentlich die Möglichkeit angekündigt hat, das Militär gegen politische Gegner in den USA einsetzen zu wollen. Laut Kelly habe man Trump bereits in seiner letzten Amtszeit mehrfach erklären müssen, dass der Einsatz des Militärs gegen US-Bürgerinnen und -Bürger keine Option sei. In seinen Augen sei Trumps Ankündigung entsprechend „eine sehr sehr ernste Sache“.

Gleichzeitig betonte Kelly auch, dass Trump in vielen Bereichen der möglichen Definition eines „Faschisten“ entspreche. Als Beispiele dafür führte Kelly Trumps Rechtsaußen-Politik an, seinen autoritären Führungsstil sowie seine Faszination für Diktatoren. Dazu hatte Kelly bereits vor Jahren aus dem Nähkästchen geplaudert, dass Trump ihm während einer Europareise deutlich darauf hingewiesen hätte, dass Hitler „viele gute Dinge“ gemacht habe. Das berichtete im Sommer 2021 etwa der britische Guardian, eine Trump-Sprecherin tat die Aussage seinerzeit als „Fake News“ ab.

Kritik an Trump: Ablehnung für alles, „wofür Amerika traditionell steht“

Gegenüber New York Times sagte Kelly nun, dass Trump in seiner Zeit im Weißen Haus „niemals die Tatsache akzeptiert“ habe, „dass er nicht der mächtigste Mann der Welt war“ und demnach nicht einfach „tun konnte, was er wollte, wann er es wollte“. Zudem sei er „sicherlich der einzige Präsident, der alles, wofür Amerika traditionell steht, absolut ablehnt“. Als Beispiele dafür nannte Kelly die amerikanische Konstitution, die amerikanischen Werte und Sichtweisen sowie Amerikas Regierungsinstitutionen.

Trump selbst bezeichnete den hochdekorierten Militärgeneral Kelly infolge des Interviews in einem Post auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social nicht nur als „Abschaum“, sondern auch als „schlechten General“, auf dessen Ratschläge er damals nicht länger angewiesen gewesen sei. Aus Trumps derzeitigem Team hieß es New York Times zufolge, dass Kelly „widerlegbare Geschichten“ verbreite und sich „lächerlich mache“.

Gefahr für die Verfassung: Etliche ehemalige Trump-Vertraute warnen

Dabei ist Kelly jedoch nicht der einzige von Trumps ehemaligen Mitarbeitern und Vertrauten, die in der Zwischenzeit vor dem abgewählten Präsidenten gewarnt haben. So hätte Daily Beast nach auch der einstige Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff in den USA, Mark Milley, Trump als „totalen Faschisten“ bezeichnet. Trumps ehemaliger Verteidigungsminister Mark Esper nannte den ehemaligen Präsidenten laut CNN öffentlich „für das Amt ungeeignet“, „da er sich selbst vor die Bedürfnisse des Landes stelle“.

Prominentester Trump-Kritiker aus Trumps engsten politischen Kreisen ist dessen ehemaliger Vize-Präsident Mike Pence, der sich nach Trumps Wahlniederlage 2020 weigerte, die demokratischen Prozesse zur Amtsübernahme von Joe Biden zu blockieren, was im Januar 2021 den Sturm aufs US-Kapitol durch Trump-Anhänger nach sich zog. Pence hat mehrfach betont, dass er eine erneute Trump-Kandidatur nicht unterstützt: „Jeder, der sich selbst über die Verfassung stellt, sollte niemals Präsident der Vereinigten Staaten werden“. (saka)

Rubriklistenbild: © Brendan Smialowski/AFP

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