Sondermittler Smith beendet Ermittlungen

Wahlsieg beschert Trump das Ende seiner Prozesse – „Folgen für Zukunft amerikanischer Demokratie“

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Triumph für Donald Trump: Sonderermittler Smith beantragt, die laufenden Prozesse gegen ihn zu beenden. Wird Trump jetzt zum König „über dem Gesetz“?

Washington, D. C. – Bevor Donald Trump sich zum zweiten Mal US-Präsident nennen kann, verbucht er einen bedeutenden juristischen Triumph für sich: Die US-Staatsanwaltschaft stellt die beiden gegen ihn laufenden Prozesse auf Bundesebene ein.

Sonderermittler Jack Smith beantragte am Montag (25. November) die Beendigung von zwei Verfahren gegen Trump: den Prozess wegen mutmaßlich versuchtem Betrug in Washington, D.C., bei der US-Wahl 2020 und den Prozess aufgrund der Dokumentenaffäre in Florida. Die zuständige Richterin stimmte Smith‘ Antrag kurz darauf zu.

Der Sonderermittler ist damit wohl Trump lediglich zuvorgekommen. Da es sich um bundesstaatliche Verfahren handelt, hätte der designierte US-Präsident wahrscheinlich ohnehin die Untersuchungen nach seinem Amtsantritt gestoppt. Ob die Prozesse nach Trumps Amtszeit wieder aufgenommen werden, bleibt ungewiss.

Für Donald Trump war sein Sieg bei der US-Wahl auch juristisch relevant. Mehrere Prozesse gegen ihn werden jetzt fallengelassen.

Prozesse gegen Trump werden nach Sieg bei US-Wahl fallengelassen

Ungeklärt bleiben damit vorerst auch zentrale juristische Fragen, wie die New York Times (NYT) in einer Analyse beschreibt. Diese sind: Darf das Justizministerium externe Sonderermittler ernennen, wenn es Verfehlungen auf höchster Ebene geht, um Interessenskonflikte zu vermeiden? Und: Inwieweit ist der US-Präsident durch seine Immunität vor strafrechtlicher Verfolgung geschützt? Laut dem US-Blatt hat diese „Unsicherheit“ über solche Fragen „Folgen auf die Zukunft der amerikanischen Demokratie“.

Die Frage, inwieweit ein US-Präsident immun gegen Strafverfolgung ist, kann „auf verschiedene Arten interpretiert werden“, sagte der Harvard-Professor Jack Goldsmith zur NYT. Zwar urteilten die Richter des Obersten Gerichtshof im Juli 2024, dass US-Präsidenten prinzipiell Immunität genießen. Es heißt im Urteil aber auch, dass dies unter bestimmten Umständen nicht gelte. Auch bleibt unklar, ob Mitarbeiter des Präsidenten, die auf seine Anweisung hin gegen das Gesetz verstoßen, ebenfalls juristisch immun sind.

Trump genießt als US-Präsident Immunität – „Könige über dem Gesetz“

Sechs oberste Richter stimmten bei der Entscheidung im Juli für eine generelle Immunität des US-Präsidenten, drei dagegen. Die liberale Richterin Sonia Sotomayor gehörte zu letzteren und warnte danach, die Entscheidung würde künftige Präsidenten zu „Königen über dem Gesetz“ machen.

Unklarheit herrscht in den USA laut NYT außerdem immer noch dahingehend, ob externe Sonderermittler vom Justizministerium bei politisch sensiblen Themen ernannt werden dürfen. Aileen Cannon, eine von Trump nominierte Richterin, habe in der Dokumentenaffäre geurteilt, dass Sonderermittler Jack Smith unrechtmäßig ernannt worden sei. Da der Einsatz von Sonderermittlern in den USA seit Jahrzehnten Usus sei, habe Smith dagegen Berufung eingelegt. Nach dem Wahlsieg Trumps ließ er diese jetzt aber wieder fallen.

Die ungeklärte Frage nach der Rechtmäßigkeit von Sonderermittlern könnte Donald Trump jedoch bald selbst treffen: Denn auch Trump hat vor seiner Wahl angekündigt, gegen Joe Biden, dessen Familie und andere politische Gegner einen „echten“ Sonderermittler einzusetzen.

Trump könnte sich selbst begnadigen, sobald er US-Präsident ist

Sonderermittler Jack Smith begründete seinen Antrag, die Strafverfahren gegen Trump fallen zu lassen, am Montag mit der Tradition, dass das Justizministerium nicht gegen amtierende Präsidenten ermittelt. „Die Position der Regierung zur Begründetheit der Strafverfolgung des Angeklagten hat sich nicht geändert. Aber die Umstände haben sich geändert“, so das Antragsschreiben. Sie behält sich das Recht vor, erneut Anklage zu erheben, sobald Trump nicht mehr Präsident ist.

Die temporäre Beendigung der Verfahren wurde von Trumps Sprecher als „einen großen Sieg für die Rechtsstaatlichkeit“ bezeichnet. Er forderte im Namen des amerikanischen Volkes „ein sofortiges Ende der politischen Instrumentalisierung“ des Justizsystems. Experten spekulieren, dass Trump sich möglicherweise selbst begnadigen könnte, sobald er im Amt ist – die langfristigen Auswirkungen davon sind jedoch unklar.

Sonderermittler Jack Smith plant jedoch, weiterhin gegen zwei Mitangeklagte vorzugehen: Trumps Assistent Walt Nauta und Anwalt Carlos De Oliveira. Wie Trump darauf reagieren wird, sobald er US-Präsident ist, ist unklar. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Trump sie begnadigen wird. Trump hat die Ermittlungen gegen ihn stets als politische Verfolgung bezeichnet und von einer „Hexenjagd“ gesprochen.

Strafe für Trump im Schweigegeld-Prozess? Verkündigung wurde auf unbestimmte Zeit verschoben

Neben den Verfahren in Washington, D.C, und Florida wurde Trump in einem Schweigegeld-Prozess auf Bundesebene in New York für schuldig befunden. Die Verkündung der Strafe wurde jedoch letzte Woche auf unbestimmte Zeit verschoben. Auch in Georgia wird gegen ihn ermittelt, aber das Verfahren ist derzeit weitgehend aufgrund juristischer Manöver blockiert.

Trump vor Gericht: Die wichtigsten Personen beim Prozess in New York

Donald Trump ist der Angeklagte in New York.
Donald Trump ist der Angeklagte in New York. Der ehemalige Präsident der USA ist im Prozess um mutmaßliche Schweigegeldzahlungen in 34 Punkten angeklagt. Vorgeworfen wird ihm dabei nicht die Zahlung von Schweigegeld an sich. Vielmehr soll Trump Geschäftsberichte gefälscht haben, um die Zahlungen geheim zu halten. Damit soll der Kandidat der Republikaner für die US-Wahl 2024 sowohl gegen Steuergesetze wie auch gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung verstoßen haben. Trump ist der erste Präsident der USA, der sich in einem Strafprozess wiederfindet.  © Pool/Getty Images/afp
Alvin Bragg ist der Staatsanwalt im Prozess gegen Donald Trump.
Alvin Bragg ist der Staatsanwalt im Prozess gegen Donald Trump. Mit seinem Team an Ermittlern ist es sein Ziel, nachzuweisen, dass Trump mit den Schweigegeld-Zahlungen versucht haben soll, die öffentliche Meinung vor der US-Wahl 2016 zu beeinflussen. Bragg ist Mitglied der Demokraten und seit 2022 Bezirksstaatsanwalt des Bezirks New York. © Angela Weiss/afp
Verteidigt wird Donald Trump in New York von Todd Blanche
Verteidigt wird Donald Trump in New York von Todd Blanche. Der ehemalige Staatsanwalt, der seit April 2023 für den Ex-Präsidenten arbeitet, hat beste Beziehungen in das MAGA-Universum. So verteidigte Blanche bereits Igor Furman, ein Mitarbeiter Rudy Giulianis, und Paul Manafort, Trumps ehemaligen Wahlkampfmanager.  © Mark Peterson/Imago
Unterstützt wird Todd Blanche bei der Verteidigung Donald Trumps von Susan Necheles.
Unterstützt wird Todd Blanche bei der Verteidigung Donald Trumps von Susan Necheles. Sie gilt als sehr erfahrene Strafverteidigerin, auf deren Dienste unter anderem Donald Trumps Firma, die „Trump Organization“, in der Vergangenheit vertraute. Wenn Necheles nicht gerade den Ex-Präsidenten oder seinen Familienkonzern vertritt, verteidigt sie andere zwielichtige Gestalten aus New York - darunter in der Vergangenheit auch Venero Frank Mangano. Der mittlerweile verstorbene Mafiaboss galt Zeit seines Lebens als hochrangiges Mitglied der „Cosa Nostra“ und Chef der berüchtigten „Genovese-Familie“. © Pool/Getty Images/afp
Der Richter im Fall von Donald Trump in New York heißt Juan Merchan.
Der Richter im Fall von Donald Trump in New York heißt Juan Merchan. Geboren wurde er in Kolumbien, aufgewachsen ist er in New York. Dort begann er seine Karriere als Staatsanwalt. Seit 2006 ist er als Richter in der Stadt tätig. Merchan gibt an, kein Mitglied einer politischen Partei in den USA zu sein. Bei der US-Wahl 2020 soll er aber nach Informationen von CNN in drei Fällen kleine Geldbeträge an die Demokraten und ihren damaligen Kandidaten, den heutigen US-Präsidenten Joe Biden, gespendet haben. © Jane Rosenberg/dpa
Der Richter im Fall von Donald Trump in New York heißt Juan Merchan.
Sie brachte den Stein ins Rollen. Stephanie Clifford, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Stormy Daniels. Die Erotikdarstellerin behauptet, im Jahr 2006 eine kurze Affäre mit Donald Trump gehabt zu haben. Kurz vor der US-Wahl 2016 soll Trumps damaliger Anwalt Michael Cohen ihr 130.000 Dollar Schweigegeld gezahlt haben, damit die Affäre nicht ans Licht kommt und Trumps Wahlkampf behindert. Dass Daniels im Prozess gegen Donald Trump aussagen wird, gilt als nahezu sicher. © John Angelillo/Imago
Michael Cohen. Der ehemalige Anwalt Trumps gilt mittlerweile als einer seiner größten Gegner.
Die Eröffnungsplädoyers im Prozess gegen Donald Trump haben bewiesen, dass Michael Cohen der für beiden Seiten wichtigste Zeuge werden wird. Der ehemalige Anwalt Trumps gilt mittlerweile als einer seiner größten Gegner. Das dürfte auch daran liegen, dass Cohen 2018 in Zusammenhang mit Geschäften, die er für Trump abwickelte, wegen Steuerhinterziehung und Falschaussagen vor dem Kongress zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden war. © Spencer Platt/afp
Der erste Zeuge im Prozess gegen Donald Trump war David Pecker, ehemaliger Herausgeber des National Enquirer.
Der erste Zeuge im Prozess gegen Donald Trump war David Pecker, ehemaliger Herausgeber des National Enquirer. Pecker stammt wie Trump aus New York. Die beiden verbindet eine Geschäftsbeziehung, die bis in die 1990er Jahre zurückreicht. Vor Gericht bestätigte Pecker, dass er Trump dabei geholfen habe, Geschichten über Affären, die der Ex-Präsident gehabt habe, zu vertuschen. So soll der Zeitungsmann unter anderem in die Schweigegeldzahlungen an Stormy Daniels als auch an Karen McDougal verweickelt gewesen sein. © Imago
Neben Stormy Daniels behauptet auch Karen McDougal, sie habe Schweigegeld von Donald Trump erhalten.
Denn neben Stormy Daniels behauptet auch Karen McDougal, sie habe Schweigegeld von Donald Trump erhalten, um eine neun Monate dauernde Affäre geheim zu halten. Das ehemalige Playmate und spätere Model behauptet, sich zwischen 2006 und 2007 mehrmals mit dem späteren Präsidenten getroffen zu haben. Damit die Geschichte geheim bleibt, soll McDougal 150.000 Dollar erhalten haben. © Imago
Ein weiterer Zeuge, der im Prozess gegen Donald Trump vor Gericht erwartet wird, ist Allen Weisselberg.
Ein weiterer Zeuge, der im Prozess gegen Donald Trump vor Gericht erwartet wird, ist Allen Weisselberg. Er ist der ehemalige Finanzvorstand der „Trump Organization“ und hat bereits Erfahrungen mit New Yorker Justiz sammeln dürfen: Im Januar 2023 wurde Weisselberg zu einer neunmonatigen Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Laut Michael Cohen soll Weisselberg auch in die Schweigegeldzahlungen an Stormy Daniels verwickelt gewesen sein. © Kena Betancur/afp
Eine weitere hochkarätige Zeugin im Prozess gegen Donald Trump könnte Hope Hicks werden.
Eine weitere hochkarätige Zeugin im Prozess gegen Donald Trump könnte Hope Hicks werden. Das ehemalige Model steht seit 2012 mit der Familie Trump in Verbindung und arbeitete unter anderem für Donalds Tochter Ivanka Trump. Ab 2015 war sie Pressesprecherin der Wahlkampagne des späteren Präsidenten und blieb in verschiedenen Positionen auch nach Trumps Wahlsieg für ihn tätig. Im Prozess in New York dürfte sie nach ihren Kenntnissen über mutmaßliche Schweigegeldzahlungen im Wahlkampf 2016 befragt werden. © Andrew Harnik/dpa
Was sagt eigentlich Melania Trump? Die ehemalige First Lady hält sich bislang aus Prozess gegen ihren Mann heraus.
Was sagt eigentlich Melania Trump? Die ehemalige First Lady hält sich bislang aus Prozess gegen ihren Mann heraus. Weder begleitet die dritte Ehefrau Trumps ihn zum Gericht in New York, noch hat sie sich bislang zu den Vorwürfen geäußert, ihr Ehemann habe sie mit Playmates und Pornostars betrogen, während sie mit dem gemeinsamen Kind schwanger war. Bislang steht nicht fest, ob Melania Trump als Zeugin geladen wird. Sollte das geschehen, könnte Donalds Ehefrau wohl von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen. © Lynne Sladky/dpa
Zum Thema vor Gericht in New York wurde auch Barron Trump, der jüngste Sohn Donalds und das einzige Kind von Melania Trump.
Zum Thema vor Gericht in New York wurde auch Barron Trump, der jüngste Sohn Donalds und das einzige Kind von Melania Trump. Der über zwei Meter große Teenager feierte im März 2024 seinen 18. Geburtstag und wird noch dieses Jahr seinen Highschool-Abschluss feiern - womöglich ohne seinen Vater. Dessen Anwälte stellten für ihren Mandanten einen Antrag, dass er am 17. Mai, dem Tag der Abschlussfeier seines Sohnes, dem Gericht fernbleiben könne. Im Anschluss behauptete Trump, Richter Juan Merchan habe ihm das verboten - eine Falschbehauptung. Merchan hatte lediglich gesagt, er sei noch nicht bereit, eine Entscheidung über diesen Antrag zu fällen. Diese hinge vor allem davon ab, wie der Prozess in den kommenden Wochen verlaufen werde. © Damon Higgins/Imago

Es sah einmal so aus, als würde Trump aufgrund der zahlreichen Ermittlungen gegen ihn das Wahljahr überwiegend vor Gericht verbringen. Doch Trumps Anwälte konnten die Verfahren mit juristischen Tricks erfolgreich blockieren. Die Belohnung winkt schon bald: Laut einem Bericht von CNN werden mehrere Mitglieder von Trumps Rechtsteam mit lukrativen Posten in seinem Kabinett belohnt. (smu/dpa)

Rubriklistenbild: © Sue Ogrocki/AP/dpa

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