„Alkoholiker-Persönlichkeit“ – Trumps eigene Stabschefin zieht über den US-Präsidenten her
VonMomir Takac
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Susie Wiles gilt als Vertraute von Donald Trump. Umso verwunderlicher, dass sie nun gegen ihn austeilte. Der Präsident nennt sie dennoch „fantastisch“.
Washington, D.C. – Als Stabschefin des Weißen Hauses ist Susie Wiles eine enge Vertraute von Donald Trump. Die 68-Jährige leitet die Machtzentrale des US-Präsidenten und wird von Regierungsmitgliedern geschätzt. Umso erstaunlicher ist es, dass Wiles jetzt ordentlich gegen einige von ihnen und Trump selbst ausgeteilt hat.
Vizepräsident JD Vance sei „seit einem Jahrzehnt ein Verschwörungstheoretiker“, zitierte die Zeitschrift Vanity Fair Wiles am Dienstag (16. Dezember). Justizministerin Pam Bondi habe im Streit um die Veröffentlichung der Epstein-Akten „komplett danebengehauen“. Den ehemaligen Trump-Berater Elon Musk bezeichnete sie als „einen bekennenden Ketamin“-Konsumenten und „seltsamen Vogel“.
Stabschefin Susie Wiles teilt gegen Donald Trump und Regierung aus – wird vom Präsidenten aber gelobt
Doch damit nicht genug: Wiles äußerte sich auch drastisch über Präsident Donald Trump selbst. Er besitze „die Persönlichkeit eines Alkoholikers“. Das Vanity Fair-Stück gründet auf elf Gesprächen, die Autor Chris Whipple mit der Stabschefin geführt hat. In einem der Interviews stellte Wiles Trump ihrem verstorbenen Vater gegenüber, dem renommierten Football-Spieler und Sportmoderator Pat Summerall, der bis zu seinem Lebensende 2013 unter Alkoholismus litt.
Wiles erklärte, dass Alkohol die charakterlichen Eigenschaften von Alkoholkranken intensiviere. Obgleich Trump eigenen Aussagen zufolge keinen Alkohol konsumiert, besitze er dennoch „die Persönlichkeit eines Alkoholikers“, so die weitere Darstellung der Stabschefin. Der Grund: Er handele gemäß dem Grundsatz, „dass es nichts gibt, was er nicht kann. Nichts, nullkomma nichts.“
Donald Trumps Orbit: Einflüsterer, Berater und Vertraute des Präsidenten
Der US-Präsident räumte gegenüber der New York Post ein, dass er über eine „besitzergreifende Persönlichkeit“ verfüge und „anfällig für Sucht“ sei. Er unterstrich, dass er keinerlei Alkohol konsumiere, ergänzte jedoch: „Ich habe oft gesagt, dass ich in diesem Fall mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit alkoholabhängig wäre.“ Psychologen attestieren Trump Narzissmus.
Wiles kritisiert Vanity Fair für „unredlich präsentiertes Hetzstück“ gegen Trump
Auch in anderen Bereichen geht Wiles mit Trump hart ins Gericht. Über seine als unberechenbar gescholtene Zollpolitik sagte sie, diese sei durch „lautes Nachdenken“ zustande gekommen. Trump habe zudem fälschlicherweise behauptet, der frühere US-Präsident Bill Clinton sei auf einer Privatinsel des gestorbenen Sexualverbrechers Epstein gewesen. Über Trumps Motivation im schwelenden Konflikt mit Venezuelas autoritärem Herrscher Nicolás Maduro sagte Wiles: „Er will so lange Boote in die Luft jagen, bis Maduro aufgibt. Und Leute, die sich damit viel besser auskennen als ich, sagen, dass er das auch schaffen wird.“
Über den Onlinedienst X verteidigte sich Wiles gegen die Berichterstattung. Der Bericht sei „ein unredlich präsentiertes Hetzstück“ gegen sie persönlich und den „feinsten Präsidenten (...) der Geschichte“, schrieb sie. Ohne zu dementierten, die Aussagen aus dem Text getroffen zu haben, beschuldigte die 68-Jährige Vanity Fair, die Zitate aus dem Kontext gerissen zu haben, um eine „chaotische und negative Erzählung über den Präsidenten und unser Team zu verfassen“.
The article published early this morning is a disingenuously framed hit piece on me and the finest President, White House staff, and Cabinet in history.
Significant context was disregarded and much of what I, and others, said about the team and the President was left out of the…
Kritik an den teils harschen Äußerungen Wiles‘ gibt es nicht – im Gegenteil. Trump lobte seine Stabschefin als „fantastisch“. Dessen Sprecherin Karoline Leavitt sagte bei X, es gebe „keine großartigere und loyalere“ Präsidentenberaterin als Wiles. Verteidigungsminister Pete Hegseth schrieb, es gebe „absolut niemanden, der besser ist“.
Vance nannte Wiles „die beste Stabschefin im Weißen Haus“, die sich Trump vorstellen könne. „Wir haben unsere Meinungsverschiedenheiten, aber wir sind uns in viel mehr Punkten einig als uneinig, und ich habe nie erlebt, dass sie dem Präsidenten der Vereinigten Staaten gegenüber illoyal war“, sagte der Vizepräsident bei einer Ansprache in Pennsylvania. Seinen Chef verteidigte er kürzlich gegen Rassismus-Vorwürfe wegen eines KI-Videos. (Quellen: Vanity Fair, Nachrichtenagenturen dpa und afp, x.com, nypost.com) (mt)