Trump tobt wegen Epstein-Akten: „Sie werden mich anklagen“
VonNail Akkoyun
schließen
Der Fall Epstein holt Donald Trump weiter ein. Trotz seiner Beteuerungen verdichten sich brisante Hinweise, die den US-Präsidenten in die Enge treiben.
Washington, D.C. – Der Skandal um Sexualstraftäter Jeffrey Epstein lässt Donald Trump nicht los. „Sie werden mich wegen irgendwas Merkwürdigem anklagen“, soll Trump laut dem Politico-Podcast „Playbook“ im Oval Office gesagt haben. Denn auch wenn der US-Präsident beteuert, weder in Verbindung mit Epstein noch mit dessen Machenschaften gestanden zu haben, verdichten sich Indizien, die Trump zunehmend in die Enge treiben.
Epstein-Skandal: Donald Trump wird laut Berichten mehrfach in den Akten genannt
Das Justizministerium habe Trump dem WSJ zufolge bereits im Mai über dessen namentliche Erwähnung informiert. Justizministerin Pam Bondi habe dem Präsidenten zugleich versichert, dass keine weiteren Dokumente zu dem Fall veröffentlicht werden sollten. Bondi begründete dies demnach mit kinderpornografischem Material in den Epstein-Akten sowie dem Persönlichkeitsschutz der Opfer.
Das WSJ berichtete außerdem, dass FBI-Direktor Kash Patel anderen Regierungsbeamten privat mitgeteilt habe, dass Trumps Name in den Epstein-Akten vorkomme. Die bloße Nennung von Trumps Namen in den Ermittlungsakten sei allerdings noch kein Hinweis auf ein Fehlverhalten des späteren US-Präsidenten, betonte die Zeitung.
Auch in früher veröffentlichten Dokumenten wurde Trump genannt, juristische Folgen hatte dies nicht. Offenbar fürchtet Donald Trump jedoch, dass es diesmal Konsequenzen haben könnte. Denn obwohl er nichts mit den Sexualstraftaten zu tun habe, würden sie ihn „trotzdem fi****“, wird Donald Trump vom Politico-„Playbook“ weiter zitiert.
Donald Trump und Jeffrey Epstein
Die Freundschaft zwischen Trump und Epstein geht bis in die 90er-Jahre zurück. CNN veröffentlichte kürzlich Fotos, auf denen Epstein auf Trumps zweiter Hochzeit mit der Sängerin Marla Maples im Jahr 1993 zu sehen ist. Jahrelang waren die beiden zudem Nachbarn in Florida. Trump hatte Epstein 2002 noch als „tollen Typen“ bezeichnet und gesagt, dieser möge „schöne Frauen genauso wie ich, und viele von ihnen sind eher jung“. Der Name Trumps erschien damals zudem auf Passagierlisten von Epsteins Privatjet.
Trump und Epstein sollen sich 2004 überworfen haben, nachdem beide an derselben Immobilie in Palm Beach Interesse gehabt hatten, die Trump schließlich kaufte. Wenig später begannen erste Ermittlungen der Justiz gegen Epstein.
Trump hatte im Wahlkampf versprochen, die Epstein-Akten zu veröffentlichen
Viele Trump-Anhänger hatten sich zuletzt empört geäußert, weil dessen Regierung ein Versprechen nicht eingehalten hat: Sie wollte Licht in den Skandal um den US-Milliardär Epstein bringen, der 2019 erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden worden war. Dem Investmentbanker wurde vorgeworfen, zahlreiche Minderjährige und junge Frauen missbraucht und an Prominente für sexuelle Handlungen weitergereicht zu haben. Dazu nutze Epstein seine private Karibik-Insel Little Saint James, auf der ein riesiges Anwesen besaß und laut Berichten zahlreiche Prominente und Politiker einlud.
Über Jahre hinweg hatten Donald Trump und sein Team den Vorwurf erhoben, dass die Demokraten in Epsteins Verbrechen und womöglich sogar in seinen Tod verwickelt gewesen seien. Eine geheime „Kundenliste“, die Justizministerin Bondi nach eigener Aussage noch im Februar auf ihrem Tisch hatte, soll nun aber doch nicht existieren. Auch ist der Trump-Regierung zufolge offiziell von einem Suizid Epsteins auszugehen.
Nicht-Veröffentlichung der Epstein-Akten: Trumps Anhängerschaft fehlt die gemeinsame Linie
In Donald Trumps MAGA-Welt weiß man noch nicht ganz, wie man die neuen Berichte einzuordnen hat. Einerseits existieren die Akten nicht, andererseits wurden sie von Barack Obama gefälscht, oder sie sind – laut „gemäßigteren“ Stimmen – schlicht irrelevant. „Die Regierung verfügt schon seit langem“, über die Epstein-Akten, sagte eine Person aus dem Trump-Umfeld gegenüber Politico.
„Wenn da wirklich etwas dran wäre, wäre es längst bekannt geworden. Die Vorstellung, dass die Demokraten dies nicht gegen Trump verwendet hätten, wenn wirklich etwas dran wäre, ist absurd“, so das Argument. Trump wisse, „dass das Unsinn ist“ und daher auch guter Dinge, wird eine zweite Person zitiert.
Was dann aber die Frage aufwirft: Warum verstrickt sich die US-Regierung in widersprüchlichen Aussagen? Und wieso macht Trump sein Wahlkampfversprechen nicht einfach wahr und veröffentlicht die Epstein-Akten? Es sind Fragen, für die selbst die eingefleischtesten Trump-Fans noch immer keine zufriedenstellende Antwort haben. Von einer gemeinsamen Linie, der man in der MAGA-Welt sonst immer folgt, fehlt aktuell jedoch jede Spur. (nak)