Trump verschärft Drohungen gegen Grönland: „Werden es auf die harte Art tun“
VonJekaterina Jalunina
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Donald Trump will das zu Dänemark gehörende Grönland unter US-Kontrolle bringen. Mehrere Politiker warnen nun vor einem möglichen Zerfall der NATO.
Nuuk/Washington D. C. – US-Präsident Donald Trump hat in den vergangenen Wochen mehrfach öffentlich erklärt, dass er die zu Dänemark gehörende Insel Grönland unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten bringen möchte. Zur Begründung verwies er auf die strategische Lage des Gebiets sowie auf eine nach seinen Angaben zunehmende Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in der Region. Trump hat jetzt nachgelegt – und erneut mit dem Einsatz von Gewalt zur Übernahme Grönlands von Dänemark gedroht.
„Wir werden wegen Grönland etwas unternehmen, ob es ihnen passt oder nicht“, sagte Trump im Weißen Haus. Er warnte indes auch Richtung Dänemark, zu dem die Insel offiziell gehört: Er würde gerne einen Deal machen, „aber wenn wir es nicht auf die einfache Art und Weise tun, werden wir es auf die harte Art und Weise tun“.
Die Vorsitzenden der Parteien im grönländischen Parlament Inatsisartut verlangten in ihrer gemeinsamen Erklärung, dass die USA „ihre Geringschätzung gegenüber unserem Land einstellen“. In dem Schreiben heißt es weiter: „Die Zukunft Grönlands muss vom grönländischen Volk entschieden werden.“ Es müsse ein intensiver Dialog „mit unseren Verbündeten und den Ländern, mit denen wir zusammenarbeiten“ sichergestellt werden, hieß es.
„Wir wollen Grönländer sein“ – Trumps Pläne setzen NATO unter Druck
Dänemark und andere EU- und NATO-Länder hatten empört auf Trumps Drohungen reagiert. In einer gemeinsamen Erklärung der Vorsitzenden der fünf Parteien im grönländischen Parlament hieß es: „Wir wollen keine Amerikaner sein, wir wollen keine Dänen sein, wir wollen Grönländer sein.“ Regierungschefin Mette Frederiksen warnte vor einem Ende des Verteidigungsbündnisses NATO, sollten die USA Grönland angreifen.
Sollte ein Mitgliedstaat einem anderen Bündnispartner Territorium entziehen, stelle das die Existenzgrundlage des Verteidigungsbündnisses infrage, erklärte der Senior Analyst des Danish Institute for International Studies (DIIS) im Podcast Table Today.
Auch Robert Habeck sieht die Stabilität der NATO durch mögliche innerbündnispolitische Konflikte gefährdet. „Wenn ein NATO-Staat einem anderen NATO-Staat das Territorium wegnimmt, dann hat das Bündnis im Grunde keine Geschäftsgrundlage mehr“, sagte der frühere Vize-Kanzler.
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Habeck warnt: Trumps Grönland-Pläne könnten die NATO gefährden
Im Gespräch mit der Journalistin Helene Bubrowski verwies Habeck zudem auf die skeptische Haltung des früheren US-Präsidenten gegenüber multilateralen Bündnissen. „Donald Trump ist kein großer Fan von internationalen Bündnissen – das wissen wir“, sagte er. Die Rolle der Vereinigten Staaten als Schutzmacht westlicher Demokratien habe für Trump keine zentrale Bedeutung: „Sein Verhältnis, als Schutzmacht der Demokratien des Westens aufzutreten, ist ja im besten Fall sekundärer Natur.“
Habeck erinnerte daran, dass Trump bereits während seiner ersten Amtszeit Interesse an Grönland gezeigt habe. Der damalige US-Präsident habe schon damals entsprechende „Gelüste“ erkennen lassen, sagte der frühere Vize-Kanzler. Zugleich verwies Habeck auf eine historische Dimension der Debatte. „Es hat auch eine Tradition in der amerikanischen Geschichte“, gab er zu bedenken. Trumps Vorstoß dürfe daher nicht vorschnell als abwegig abgetan werden: „Wenn die Deutschen denken, Trump spinne ohnehin, dann täuschen sie sich. Es geht tief zurück in der amerikanischen Geschichte, dass es ein Interesse an Grönland gibt.“
Grönland – das ist der Status
Grönland ist weitgehend autonom, ist völkerrechtlich jedoch Teil des Königreichs Dänemark. Bis 1953 stand die Insel unter dänischer Kolonialherrschaft. Die Zuständigkeit für die Außen- und Verteidigungspolitik liegt deshalb weiterhin bei der Regierung in Kopenhagen. Auch die Vereinigten Staaten haben in mehreren früheren Abkommen anerkannt, dass Grönland zu Dänemark gehört.
Laschet warnt vor Zerbrechen der NATO: Druck durch Trumps Grönland-Pläne steigt
Auch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet warnte vor einem Zerbrechen der NATO. Er glaube zwar nicht, dass es zu einer militärischen Auseinandersetzung kommen werde, „aber der Druck nimmt zu. Darauf muss sich Europa einstellen“, sagte Laschet der Funke Mediengruppe. Auf die Frage, ob Dänemark auf den Beistand der europäischen Partner zählen könnte, wenn es zum Äußersten käme, antwortete Laschet: „Wir müssen den Amerikanern in diplomatischen Gesprächen deutlich machen, dass ein militärisches Vorgehen gegen ein kleines NATO-Land das letzte Vertrauen in die Allianz zerstören würde.“