Energiewende

Donald Trumps Anti-Energiewende ist eine Chance für die EU

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Solarzellen-Produktion, 2022 bei Meyer Burger in Freiberg. Das Werk ist inzwischen geschlossen.
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Fachleute sehen durch Donald Trumps Anti-Energiewende Chancen für die europäische Industrie.

US-Präsident Donald Trump hat seine Energiewende rückwärts gleich am Tag der Amtseinführung eindrucksvoll inszeniert. Nach seinen Ankündigungen sackten die Aktienkurse von Windkraft-Unternehmen ab, während zum Beispiel nordamerikanische Kerntechnik-Firmen Aufwind bekamen. Energie-Fachleute hierzulande warnen Deutschland und die EU nun davor, von den eigenen Klimazielen abzurücken und wie Washington zurückzurudern; Sie sehen in der neuen Lage sogar Chancen für die deutsche Wirtschaft.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin erwartet, dass die bisher gültigen US-Klimaziele, wie sie im Rahmen des Pariser Weltklimavertrags aufgestellt wurden, unter der zweiten Präsidentschaft von Trump immer weiter in die Ferne geraten. Unter Vorgänger Joe Biden wurden die erneuerbaren Energien laut einer jetzt vorgelegten Analyse des Instituts zwar ausgebaut, gleichzeitig erlebte das Land aber einen Boom von Fracking-Gas und -Öl.

Unter Trump könnten die internationalen Bemühungen, den Klimawandel einzudämmen, Schaden nehmen, warnt das DIW. „Trump wirft uns im internationalen Klimaschutz um mindestens vier Jahre zurück“, bilanziert die Co-Autorin der Studie, Claudia Kemfert. Sie sieht darin allerdings auch die Chance, dass Deutschland und die EU in den Clean-Tech-Sektoren wie Solarenergie und Windkraft an alte Wettbewerbsvorteile anknüpfen und diese zurückholen könnten. Dazu müsste hierzulande, anders als in den USA, politische Verlässlichkeit garantiert sein.

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„Deutschland und die EU dürfen sich nicht auf einen klimapolitischen Unterbietungswettlauf einlassen und sollten stattdessen finanzielle Anreize für grüne Märkte erhöhen“, sagte Kemfert, Leiterin der DIW-Energieabteilung. Unter Biden wurde in den USA ein gigantisches Klima -und Energie-Programm verabschiedet. Der Inflation Reduction Act (IRA) schafft mit Steuervergünstigungen Anreize etwa für die Ansiedelung von Solarfabriken – mit ein Grund, dass die Branche in Deutschland Kapazitäten abbaute. Jetzt biete sich die Chance, Unternehmen aus den USA anzulocken oder zurückzuholen.

Die EU hatte als Antwort auf Bidens IRA das Programm „Important Projects of Common European Interest“ aufgelegt, mit denen Unternehmen aus Zukunftsbereichen wie Erneuerbare Energien, Batterieherstellung sowie Smart- und Clean-Technologien unterstützt werden – allerdings ohne vergleichbare Wirkung.

Das DIW fordert nun, die „Projects“ auszuweiten. Die Technologien seien weltweit gefragt. Investitionen in emissionsfreie Technologien trügen zur dringend notwendigen Modernisierung der Industrie bei. So würden Wettbewerbsvorteile und zukunftsfähige Jobs geschaffen. Auch andere Fachleute erwarten, dass Trump der US-Wirtschaft im Energiesektor längerfristig eher schadet.

So betont Professor Carl-Friedrich Schleussner von der Humboldt Universität Berlin, dass die Biden-Regierung in großem Stil in klimafreundliche technologische Innovation „Made in USA“ investiert habe, insbesondere in republikanischen Bundesstaaten wie Texas. „Dreht Trump die Uhr zurück, wird das langfristig dem amerikanischen Wirtschaftsstandort schaden“, meint der Klimaexperte. Er erwartet, dass der Markt für fossile Energieträger global schrumpfen wird und daher die Risiken für „Stranded Assets“ der Unternehmen zunehmen.

Ähnlich sieht es Wolfgang Obergassel vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Anders als behauptet, werde Trumps Politik die Energieversorgung in den USA nicht billiger machen, sondern verteuern, denn Wind und Solarenergie sowie zunehmend auch Batteriespeicher seien bereits günstiger als fossile Energie. Zudem beschneide Trumps Politik die Exportchancen der USA. „Es werden nun noch mehr als bisher China und andere Anbieter sauberer Technologie den Weltmarkt unter sich aufteilen“, sagte er.

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