VonPeter Siebenschließen
Grönland bleibt im Fokus von Trump. Mehrere NATO-Staaten starten eine Erkundungsmission. Experten sehen darin gleich mehrere Signale. Eine Analyse.
Für plakative Bildsprache ist sich das Weiße Haus nicht zu schade. Bei X postete die US-Regierung jetzt ein Bild, das eine unmissverständliche Botschaft suggeriert: Zwei Hundeschlitten an einer Weggabelung, die entweder in Richtung eines düsteren Kremls oder eines sonnenbeschienenen Weißen Hauses führt.
US-Präsident Donald Trump nährt die Angst vor Russland und China, die angeblich beide ein Auge auf Grönland geworfen haben. Die USA müssten deshalb die Insel, die zu Dänemark gehört, übernehmen, um für Sicherheit zu sorgen – weil Europa das nicht kann, so das Narrativ. Eine Argumentationskette auf tönernen Füßen: Vor allem das chinesische Interesse ist mehr als fraglich. Und Beobachter glauben, dass es Trump weniger um Sicherheit, als vielmehr um Territorialansprüche und Kontrolle über Rohstoffe geht. Trump schloss auch eine militärische Aktion nicht aus, um die Insel in Besitz zu nehmen.
Trump will Grönland – NATO-Signal: „Können es gemeinsam lösen“
Jetzt haben mehrere Alliierte Dänemarks Soldaten nach Grönland geschickt, auch Deutschland. Eine Maßnahme, die mehrere Signale aussendet, wie Robin Allers, Associate Professor an der Hochschule für Verteidigung im norwegischen Oslo, im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media erklärt: „Die Verbündeten zeigen ihre Solidarität und machen deutlich, dass man es innerhalb des NATO-Bündnisses als schweren Schlag ansehen würde, wenn die USA einen Verbündeten weiter unter Druck setzen.“ Wenn zusätzliche Alliierte auf Grönland anwesend seien, werde es schwieriger für Trump, Machtmittel anzuwenden. „Das zweite Signal an Trump: Wir räumen ein, dass wir die Sicherheit vor Ort vielleicht vernachlässigt haben. Im Rahmen der Allianz können wir das aber gemeinsam lösen, ohne dass die USA Grönland in Besitz nehmen müssen“, so Allers.
Die Operation „Arctiv Endurance“, zu der Dänemark kurzfristig geladen hatte, gilt als sogenannte Erkundungsmission. „Die Mission soll klären: Wie muss eine größere Militärpräsenz auf Grönland konkret aussehen? Was muss vorbereitet werden?“, sagt Tobias Etzold. Der Politologe ist Nordeuropa- und Arktiskenner und forscht seit Jahren unter anderem zu internationaler Verteidigungspolitik. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte zuletzt deutlich gemacht, dass eine höhere NATO-Präsenz in der Arktisregion vonnöten sei. Doch wie genau könnte eine solche Mission aussehen?
Vorbild könnte Island sein, sagt Tobias Etzold. Das Land besitzt keine eigene, stehende Armee, und ist auf seine Verbündeten angewiesen. „Turnusmäßig stationieren die NATO-Länder abwechselnd Flugzeuge, die wie eine Luftpoliziei regelmäßig den Luftraum und Bewegungen auf dem Meer beobachten“, erklärt Etzold. Die ehemals als „Air Policing Island“ bekannte Mission trägt heute den Namen „Airborne Surveillance and Interception Capabilities“. Vor Ort werden die Flieger von AWACS-Aufklärungsmaschinen der NATO unterstützt.
Eine solche Operation auf Grönland würde auch die Sicherheit für die USA erhöhen, sagt Etzold. Denn: „Russische Schiffe oder U-Boote, die in Richtung der USA wollen, müssen in den Bereich zwischen Großbritannien, Island und Grönland vordringen. Diese Linie gilt als großes Sicherheitsrisiko für den Westen.“ Eine „Luftraum-Polizei“ der Alliierten würde diese Lücke zumindest verkleinern, so Etzold. „Und Trumps Argumente für eine Grönland-Annexion wären entkräftet.“ (Quellen: Expertengespräche, eigene Recherchen, dpa)
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