VonHannes Niemeyerschließen
Im US-Wahlkampf favorisiert Donald Trump eher den Frontalangriff als die Beschäftigung mit Inhalten. Bei einer Pressekonferenz übersah er lange, was sein Team für ihn vorbereitet hatte.
Bedminster – Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage trat Donald Trump vor die Presse. Diesmal in seinem „Trump National Golf Club“ in Bedminster, New Jersey. Einen offiziellen Anlass für diesen Auftritt gaben die Republikaner nicht heraus, doch das hinderte Trump nicht daran, eine teils skurrile Show abzuziehen.
Die Tatsache, dass Trump innerhalb kurzer Zeit zweimal vor die Presse trat, deutet auf eine wachsende Besorgnis im republikanischen Lager hin. Die Angst vor einem möglichen Umschwung zugunsten der demokratischen Spitzenkandidatin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 ist real. Aktuelle Umfragen zeigen, dass Harris sogar an Trump vorbeigezogen ist. Ein Szenario, das vor wenigen Wochen, kurz nach dem Attentat auf Trump und nach wiederholten wirren Auftritten von Joe Biden, kaum jemand für möglich gehalten hätte.
Trump poltert vor US-Wahl über Harris – und erklärt sich zu „persönlichen Angriffen“ auf sie „berechtigt“
Kritik an seinen persönlichen Angriffen auf Kamala Harris, selbst von republikanischer Seite durch Nikki Haley, wies er zurück. Haley hatte zuvor gefordert, dass Trump sich im Wahlkampf mehr auf Inhalte konzentrieren sollte. Trumps Antwort darauf war, dass er „sehr wütend“ auf die Spitzenkandidatin der gegnerischen Partei sei und dies ihn „zu persönlichen Angriffen“ auf Harris berechtige. Er äußerte „nicht viel Respekt für ihre Intelligenz“ und bezeichnete Harris als eine „fürchterliche Präsidentin“. Sozusagen sein übliches Spiel mit harten Worten.
Auf Kritik an seiner Wahlkampfstrategie, weniger auf Inhalte und mehr auf direkte Angriffe zu setzen, antwortete Trump: „Ich glaube, dass wir einen Nerv treffen.“ Er fügte hinzu: „Alles, was wir tun müssen, ist, unsere Gegnerin als Kommunistin oder Sozialistin zu bezeichnen oder als eine, die unser Land zerstören wird.“ Er bezeichnete seine eigene Kampagne überraschend als „sehr ruhig“ im Vergleich zum radikalen, „kranken“ Vorgehen seiner demokratischen Konkurrenten im Wahlkampf.
Frontalangriff statt Inhalte: Nach 45 Minuten bemerkt Trump erst, was hinter ihm steht
Satte 82 Minuten dauerte Trumps Auftritt samt Fragen der Journalisten und Journalistinnen vor Ort insgesamt. Neben Harris wählte der Ex-Präsident auch andere Themen, darunter Joe Biden, Korruption im Justizsystem, Elon Musk und Trumps Interview mit dem X-Boss vom Montag, und Hillary Clinton. Er sagte, er hätte lieber Biden als Gegner im Rennen um das Präsidentenamt. Zudem behauptete er fälschlicherweise, dass Harris das Justizsystem gegen ihn einsetzte – und dass er Clinton 2016 wegen ihrer E-Mail-Affäre hätte ins Gefängnis stecken können. Das FBI hatte das Vergehen Clintons damals jedoch nur als „Fahrlässigkeit“ eingestuft. Er sprach auch über das Attentat auf ihn und behauptete, Gott habe ihn gerettet, damit er nun „die Welt retten“ könne.
Dabei bemerkt er kaum, was sein Team für ihn aufgebaut hat: Zwei große Tische voller Lebensmittel verschiedenster Art, darunter bekannte Marken wie „Cheerios“ und „Froot Loops“, standen bereit, ebenso Milchbehälter, Ölflaschen, Eierkartons und vieles mehr. Die Tische waren mit Infotafeln bestückt, die „Preissteigerungen, seitdem Kamala Harris im Amt ist“ darstellen sollten: Backwaren und Zerealien seien um 26 Prozent im Preis gestiegen, allein Cookies um 27,3 Prozent. Auch Fleisch und Fisch wären seitdem 23 Prozent teurer geworden, Kindernahrung sogar um 24,1 Prozent. Besonders drastisch sei der Anstieg beim Essen für Grundschulkinder, das um 65,5 Prozent zugelegt habe.
„Speck geht durch die Decke“: Bizarre Trump-Show auf Pressekonferenz vor US-Wahl
Als Trump sich zum Rednerpult begibt, nimmt er die Tische mit den Lebensmitteln offenbar kaum wahr. Erst gut eine dreiviertel Stunde nach Beginn seines Statements scheint er erstmalig zu bemerken, was hinter ihm auf ihn wartet. Es wirkt so, als würde Trump auf seinem Notizzettel einen Hinweis finden. Nach einem Blick nach unten dreht er sich dann zu den Produkten um.
Das Trump-Attentat in Bildern: Schüsse, Chaos und ein blutender Ex-Präsident




Anstatt dann auf die Inhalte, also die Preissteigerungen, wirklich einzugehen, sagt er zunächst. „Sie haben hier einen guten Job gemacht, wow“. Die Zahlen auf den Tafeln würde er allerdings „nicht wirklich mögen“. Er pickt sich die Steigerung um 65 Prozent beim Schulessen heraus, sagt dazu: „Wie kann eine Familie sich das leisten?“. Dann endet der Inhaltsbezug aber schon. Stattdessen erwähnt er, er werde einige der Produkte „mit auf mein Cottage nehmen“. Besonders die „Cheerios“ haben es ihm angetan, die habe er „eine lange Zeit“ nicht mehr gesehen. „Speck geht durch die Decke. Die gehen alle durch die Decke“, fügt er noch hinzu.
Sein Fazit zur Rede fällt dann knapp und eben wieder persönlich aus: „Alles ist schlecht“. Er wolle als Präsident Preissenkungen angehen. Dann beschimpft er Kamala Harris noch als „radikal linke San-Francisco-Person, die die Preise zerstört hat“ – und leitet die Fragerunde der Journalisten ein. (han)
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