Wegen Trumps Hunger auf Grönland: Bundeswehr-Soldaten sollen Arktis schützen – „Zwei Brigaden verlegen“
VonStephanie Munk
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„Wir müssen davon ausgehen, dass Trump ernst macht“: Der Reservistenverband will Soldaten der deutschen Bundeswehr auf Grönland stationieren.
Berlin – Der Präsident des Bundeswehr-Reservistenverbands, Patrick Sensburg, fordert die Stationierung deutscher Soldaten auf Grönland, um einer möglichen Übernahme durch die USA entgegenzuwirken. „Wir müssen davon ausgehen, dass US-Präsident Donald Trump mit Grönland Ernst macht. Europa muss daher viel stärker Präsenz auf Grönland zeigen“, erklärte Sensburg am Dienstag. Trump hatte am Wochenende seinen Anspruch auf die zu Dänemark gehörende Insel bekräftigt.
Sensburg konkretisierte seinen Vorschlag im Gespräch mit der Bild mit einem klaren Aktionsplan: „Wir müssen in kurzer Zeit zwei europäische Brigaden unter der Führung von Dänemark dorthin verlegen.“ Deutschland stehe bei dieser Mission besonders in der Pflicht. Die Truppenstationierung biete zugleich Chancen für die Bundeswehr, die ihre Soldaten „auch in Grönland trainieren und ausbilden“ könne. Dies würde nach Sensburgs Einschätzung den europäischen Zusammenhalt stärken.
Trump: „Wir bekommen Grönland“ – NATO und Europa in Unruhe
Die Debatte um Grönland hat durch Trumps wiederholte territoriale Ansprüche an Brisanz gewonnen. Der US-Präsident ließ am Wochenende keinen Zweifel an seinen Absichten: „Wir bekommen Grönland, auf die eine oder die andere Weise.“ Als Begründung führte er geopolitische Sicherheitsbedenken an: „Wenn wir Grönland nicht nehmen, werden es Russland oder China tun, und das werde ich nicht zulassen.“
Die Äußerungen des US-Präsidenten haben bei europäischen Partnern für erhebliche Unruhe gesorgt und sogar Befürchtungen über ein baldiges Ende der NATO befeuert. Grönland, obwohl weitgehend autonom, gehört zum NATO-Mitglied Dänemark – ebenso sind die USA Teil des Verteidigungsbündnisses. Eine militärische Intervention der USA auf Grönland wäre also eine direkte Konfrontation zwischen NATO-Partnern, das Militärbündnis somit wohl am Ende.
Deutschland nicht in den Top 3: Die Nato-Länder mit den größten Truppenstärken
Merz setzt auf Beteiligung der USA an NATO-Präsenz rund um Grönland
Gleichzeitig erkennen viele europäische Länder die gemeinsamen Sicherheitsinteressen in der arktischen Region an. „Wir teilen die amerikanischen Besorgnisse, dass dieser Teil Dänemarks besser geschützt werden muss“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Indien-Besuch. Merz setzt auf Kooperation mit Trump statt Konflikt: „Wir wollen einfach die Sicherheitslage für Grönland gemeinsam verbessern. Und ich gehe davon aus, dass die Amerikaner sich daran auch beteiligen.“ In welchem Umfang – „das werden die Gespräche der nächsten Tage und Wochen zeigen“, sagte Merz.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte sagte, man diskutiere derzeit weitere Schritte, wie man die Arktis gemeinsam sicherer machen könne. Die NATO sei bereits im vergangenen Jahr auf Bitten der alliierten Arktis-Anrainerstaaten rund um Grönland aktiver geworden. Wie mögliche weitere Schritte aussehen könnten, sagte Rutte nicht. Mehrere Bündnisstaaten haben sich bereits für den Start eines neuen Überwachungseinsatzes mit dem Namen „Arctic Sentry“ ausgesprochen. Er soll Donald Trump das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewährleistet werden kann.
Mehr NATO-Präsenz in der Arktis reicht Trump wohl nicht – er will Grönland besitzen
Ob Trump sich in seinen Ambitionen durch stärkere NATO-Anstrengungen einhegen lässt, ist aber ungewiss: Zuletzt hatte er klargestellt, dass er sich von seinem Besitzanspruch auf Grönland durch einen Ausbau der NATO-Präsenz in der Arktis nicht abbringen lasse. Dass Großbritannien und Deutschland darüber diskutierten, wie die NATO die Arktis besser schützen könne, ändere nichts an seiner Einschätzung, sagte Trump. Es gehe ihm um den langfristigen Besitz Grönlands. „Wir sprechen über Erwerb, nicht über eine Pacht.“
Würde es Trump um eine stärkere NATO-Präsenz in Grönland gehen, hätte er diese auch schon lange selbst veranlassen können, betonte Sicherheitsexperte Carlo Masala von der Bundeswehr-Universität München gegenüber dem Tagesspiegel. Da dies nicht geschehen sei, liege „der Verdacht sehr nahe“, dass Trump Grönland wirklich besitzen wolle, „als Vorposten zur Kontrolle der frei werdenden Seewege und Rohstoffstätten in der Arktis“.
Bundeswehr schickt Fregatte in die Arktis – Grönland will nicht zur USA gehören
Die Bundeswehr ist bereits in der Region aktiv. Die deutsche Fregatte „Sachsen“ ist am 6. Januar 2026 mit 250 Soldatinnen und Soldaten an Bord zu einem Einsatz in arktischen Gewässern aufgebrochen. Ihr Auftrag werde „die Kontrolle und der Schutz strategischer Seewege sowie der Schutz kritischer Infrastruktur im Nordatlantik, in der Nordsee und in der Ostsee sein“, sagte Kommandant Wolfgang Eckmüller in einer Mitteilung der Marine. Die 143 Meter lange „Sachsen“ ist wie ihre Schwesterschiffe mit einem speziellen Radar ausgerüstet, das nach Angaben der Bundeswehr einen Luftraum von der Größe der gesamten Nordsee überwachen kann. Außerdem haben diese Fregatten Flugabwehrraketen an Bord.
Die grönländische Reaktion auf diese Entwicklungen ist eindeutig. Die fünf im Parlament vertretenen politischen Parteien demonstrierten ihre Einigkeit in der Zurückweisung der US-Ansprüche. Sie forderten die USA auf, die „Geringschätzung gegenüber unserem Land“ einzustellen, und betonten, dass die Zukunft Grönlands vom grönländischen Volk entschieden werden müsse. (Quellen: dpa, AFP, Tagesspiegel) (smu)