Nach Trumps Amtseinführung

Trumps Pläne: Die Angst geht um in New York

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New York City gilt als eine der liberalsten Städte in den USA. Trotzdem fragen sich die eingewanderten Menschen, was der wiedergewählte Präsident Donald Trump mit ihnen vorhat.

New York City – Auf Deyvid lastet in den vergangenen Wochen eine bleierne Schwere, ein Gefühl der Lähmung, wie er es bislang noch nicht kannte, seit er vor beinahe einem Jahr vor homophober Gewalt aus seiner Heimatstadt Lima floh. Deyvid verlässt kaum mehr sein Zimmer in dem Asylbewerberheim in Harlem, in dem er untergebracht ist. Es sei denn, er muss zu seinem Schwarzarbeiterjob als Küchengehilfe in einem Restaurant Downtown. Er redet so wenig wie möglich mit den Mitbewohnern des Heims und versucht, wenn es irgendwie geht, die Nachrichten zu ignorieren. Zum ersten Mal, seit er aus Peru geflohen ist, verspürt er so etwas wie Heimweh.

Es ist die Ungewissheit, die Deyvids Stimmung trübt, das Nichtwissen, was passiert, wenn Trump in dieser Woche ins Weiße Haus einzieht. Er werde sofort mit der größten Massendeportation beginnen, die es in der Geschichte der USA gegeben hat, hat Trump getönt, doch niemand weiß, wie ernst es ihm damit ist. Gewiss hat er nicht die Infrastruktur, um die rund zwölf Millionen undokumentierten Einwanderer:innen in den USA zu finden und zu verhaften – noch nicht. Doch hat er unmittelbar nach seiner Amtseinführung einen sofortigen Stopp für neue Asylbewerbungen verhängt. Manche glauben, er wolle nur Terror und Verunsicherung sähen. Sicher ist nur, dass nichts sicher ist.

In den Südstaaten deportieren die Republikaner viele Geflüchtete bereits in den Norden

Streng juristisch kann Deyvid nicht viel passieren. Nachdem er im März vergangenen Jahres nach einem langen Trek über Kolumbien in El Paso über den Rio Grande kam, wurde er von den Grenzkontrollen registriert. Dann schob man ihn, wie so viele Einwander:innen aus den konservativen Staaten entlang der Grenze, nach Norden ab. In New York hatte er im vergangenen Herbst seinen ersten Gerichtstermin. Nun ist er offiziell als Asylsuchender im System und kann rein rechtlich nicht deportiert werden. Allein sein illegaler Job könnte ihm zum Verhängnis werden.

Erst im Februar darf er einen Antrag auf Arbeitsgenehmigung stellen, eine der vielen Absurditäten des chaotischen amerikanischen Einwanderungsrechts, das seit mehr als 30 Jahren auf eine Reform wartet. So lange kann sich die Politik in Washington auf keine Formel einigen.

Was bedeutet schon Sicherheit unter einem Präsidenten Donald Trump?

Doch wirklich sicher kann sich niemand sein, der keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung oder eine Staatsbürgerschaft hat. „Wir müssen uns auf alles einstellen“, sagt Joan Sanchez, eine zierliche Mitfünfzigerin mit pinken Haarsträhnen, die seit vielen Jahren als Freiwillige Asylsuchende betreut. Sicher, sagt sie bei einem Kaffee in Midtown Manhattan, wo noch immer Tausende von Asylsuchenden in heruntergekommenen Touristenhotels untergebracht sind, sei nur, das Trump irgendetwas tun wird. „Er wird seinen Wählern demonstrieren wollen, dass er es ernst meint.“ So, wie das letzte Mal als er an die Macht kam und am ersten Tag die Einwanderung aus sieben vorwiegend muslimischen Ländern stoppte. Die Exekutivanordnung richtete ein heilloses Chaos an und riss Familien teilweise über Jahre hinweg auseinander.

Joan arbeitete schon damals für die Hilfsorganisation New Sanctuary Coalition. Zusammen mit ihren Mitstreitern überstand sie die erste Amtszeit Trumps. Die endlosen Geschichten, die sie von damals erzählen kann, sind haarsträubend. Es sind Geschichten von Familien, die zu einer ordnungsgemäßen Anhörung in ihrem Asylverfahren gemeinsam ins Gericht gehen, aber ohne den Vater wieder herauskommen, weil dieser ohne Angabe von Gründen verschleppt wurde. Geschichten von Razzien auf Kirchen und Schulen, wo Freiwillige wie sie Asylbewerber:innen beim Ausfüllen ihrer Anträge helfen. Oder Geschichten von unmarkierten Fahrzeugen der nach 9/11 gegründeten Einwanderungs-Truppe ICE, die wahllos Leute von der Straße aufsammelte.

Donald Trumps Kabinett: Liste voller skandalöser Überraschungen

Donald Trump im Weißen Haus
Donald Trump ist am 20. Januar 2025 als neuer Präsident ins Weiße Haus zurückgekehrt. Die Posten in seinem Kabinett sind alle verteilt. Wir stellen vor, wer Trump in die Regierung folgt. © Evan Vucci/dpa
 J.D. Vance wird Donald Trump als Vizepräsident ins Weiße Haus folgen.
J.D. Vance ist Donald Trump als Vizepräsident ins Weiße Haus gefolgt. Der 40 Jahre alte ehemalige Senator aus Ohio ist einer der jüngsten US-Vizepräsidenten aller Zeiten. Nach Washington DC hat Vance seine Ehefrau Usha Vance begleitet. Die 38 Jahre alte Anwältin ist die erste „Second Lady“ der USA mit indischen Wurzeln. Das Paar hat die für den Vizepräsidenten vorgesehenen Räumlichkeiten im „United States Naval Observatory“ nahe dem Weißen Haus bezogen. © Alex Brandon/dpa
Marco Rubio soll laut US-Medien in der Regierung von Donald Trump das Amt des Außenministers übernehmen.
Marco Rubio hat in der Regierung von Donald Trump das Amt des Außenministers übernommen. Der 53 Jahre alte Senator aus Florida ist der erste US-Außenminister mit lateinamerikanischen Wurzeln. Rubio trat 2016 gegen Trump bei den Vorwahlen der Republikaner an und musste sich von dem späteren US-Präsidenten als „totaler Witz“ mit einem Schweißproblem beschimpfen lassen. Doch statt sich zu wehren, schluckte der langjährige Senator die Beleidigungen und präsentierte sich als loyaler Anhänger Trumps. In der US-Außenpolitik stellte sich Rubio in der Vergangenheit an die Seite der Ukraine. © IMAGO/Michael Brochstein / SOPA Images
Scott Bessent soll unter Donald Trump den Job des Finanzministers übernehmen
Donald Trumps Nominierung für den Posten des Finanzministers wirkte geradezu langweilig. Scott Bessent übernahm den Job – gegen den Wunsch Elon Musks. Der hatte sich mehrfach gegen die Ernennung des Wall-Street-Experten ausgesprochen. Bessent gilt als international erfahrener Finanzexperte und soll Donald Trump bereits 2016 mehrere Millionen Dollar für den Wahlkampf gespendet haben. In seiner neuen Funktion wird Bessent zahlreiche Wahlversprechen Trumps umsetzen müssen, darunter unter anderem Steuersenkungen, neue Zölle gegen China und die Finanzierung von Projekten wie den geplanten Massenabschiebungen. © DREW ANGERER/AFP
Pete Hegseth soll Verteidigungsminister werden
Eine überraschende Wahl Donald Trumps war die Personalie des Verteidigungsministers. Pete Hegseth war acht Jahre lang als Moderator für Fox News tätig. Als Soldat diente Hegseth im Irak und in Afghanistan. Erfahrung in Regierungsarbeit bringt er aber nicht mit. Doch Hegseth dürfte sich die Nominierung durch Trump mit seiner langjährigen Loyalität verdient haben: Der zweifache Familienvater hält schon seit 2016 zu Trump, als viele den Milliardär noch als politische Witzfigur belächelten. © TERRY WYATT(AFP
Pamela Jo Bondi, genannt Pam Bondi, den Job im Justizministerium bekommen
Statt dem ursprünglich von Trump nominierten Matt Gaetz hat Pamela Jo Bondi, genannt Pam Bondi, den Job im Justizministerium bekommen. Die 59 Jahre alte Juristin war in ähnlicher Funktion auf bundesstaatlicher Ebene bereits in Florida tätig. 2013 stellte sie dort in dieser Funktion einen Betrugsprozess gegen die Trump University ein. 2016 unterstützte sie Trump im Vorwahlkampf der Republikaner. Er holte die Juristin drei Jahre später in sein Anwaltsteam, das ihn im ersten Amtsenthebungsverfahren vertrat.  © MANDEL NGAN/AFP
Douglas James „Doug“ Burgum ist Mitglied der Republikaner
Douglas James „Doug“ Burgum ist Mitglied der Republikaner und hat im Kabinett von Donald Trump den Posten des Innenministers übernommen. Von 2016 an war der ehemalige Unternehmer Gouverneur des Bundesstaates North Dakota.  © IMAGO/Ricky Fitchett
Brooke Rollins soll im zweiten Kabinett Donald Trumps das Amt der Landwirtschaftsministerin übernehmen
Brooke Rollins hat im zweiten Kabinett Donald Trumps das Amt der Landwirtschaftsministerin übernommen. Die Anwältin stammt aus Texas und war bereits in der ersten Regierung Trumps tätig. Sie gilt als loyale Anhängerin des künftigen Präsidenten und als politische Vordenkerin konservativer Strategien. © MANDEL NGAN/AFP
Howard Lutnick, hier im Jahr 2010 mit seiner Ehefrau bei einer Gala
Howard Lutnick, hier im Jahr 2010 mit seiner Ehefrau bei einer Gala, ist Donald Trump als Handelsminister ins Weiße Haus gefolgt. Der Milliardär war stellvertretender Vorsitzender im Übergangsteam Trumps und regelmäßiger Gast in dessen Luxus-Resort Mar-a-Lago. Laut der New York Times war Lutnick lange Zeit als Mitglied der Demokraten registriert, lief nach der Machtübernahme Trumps im Jahr 2016 zu den Republikanern über. © IMAGO
Lori Chavez-DeRemer war Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus
Lori Chavez-DeRemer war Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus und ist unter Donald Trump Arbeitsministerin geworden. Die Personalie war innerhalb der Republikanischen Partei umstritten. Chavez-DeRemer unterhält enge Beziehungen zu mehreren Gewerkschaften in den USA und unterstützte während ihrer Amtszeit mehrere Gesetzentwürfe der Demokraten, darunter auch eine Amnestie für illegal Eingewanderte, die auf dem Arbeitsmarkt integriert sind. © IMAGO/Michael Brochstein
Robert F. Kennedy Jr., Neffe des einstigen Präsidenten John F. Kennedy
Robert F. Kennedy Jr., Neffe des einstigen Präsidenten John F. Kennedy, hat sich in den vergangenen Jahren vor allem als Impf-Leugner und Verschwörungstheoretiker hervorgetan. Bei der US-Wahl 2024 trat RFK zunächst als unabhängiger Kandidat an, zog sich dann aber aus dem Rennen zurück und unterstützte die Kampagne Donald Trumps. Der versprach dem 70 Jahre alten Kennedy dafür eine herausragende Rolle bei der Gestaltung der Gesundheitspolitik – und nominierte ihn schließlich als US-Gesundheitsminister. © IMAGO/Robin Rayne
Scott Turner, ehemaliger NFL-Profi, soll unter Donald Trump Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung werden.
Scott Turner ist unter Donald Trump Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung geworden. Der ehemalige Profi der American Football League gehörte bereits der ersten Administration Trumps an. Scott ist die erste Schwarze Person im Team des künftigen Präsidenten. Zu Scotts Aufgaben werden unter anderem Programme zur Förderung von erschwinglichem Wohnraum gehören, außerdem zur Unterstützung von Amerikanern mit geringem Einkommen, zur Verhinderung von Diskriminierung auf dem Markt und zur Förderung der Stadtentwicklung. © ANNA MONEYMAKER/AFP
Sean Duffy, hier mit seiner Ehefrau Rachel Duffy
Sean Duffy, hier mit seiner Ehefrau Rachel Duffy, ist der neue Verkehrsminister in der Trump-Regierung. Duffy bringt politische Erfahrung als ehemaliger Kongressabgeordneter mit. Seine Nominierung durch Trump dürfte er aber vor allem seiner Präsenz bei Fox News verdanken. Neben zahlreichen Gastauftritten moderierte Duffy gut ein Jahr seine eigene Show namens „The Bottom Line“ auf dem Spartensender Fox Business Network. © IMAGO/Robert Deutsch
Chris Wright
Neuer Energieminister ist Chris Wright. Er soll Trump dabei helfen, Regulierungen abzubauen und so die Ausbeutung der Rohstoffe in den USA voranzutreiben. Trump hat es eigenen Aussagen zufolge vor allem auf Ölfelder in Alaska abgesehen. Burgums Aufgabe ist, als Energierminister Öl-Förderungen in dortigen Naturschutzgebieten zu ermöglichen. © Ting Shen/AFP
Linda McMahon. Die 76 Jahre alte Managerin ist die Ehefrau von Vince McMahon
Eine weitere Fernsehpersönlichkeit, die Donald Trump mit nach Washington DC gebracht hat, ist Linda McMahon. Die neue Bildungsministerin ist die Ehefrau von Vince McMahon. Gemeinsam mit ihrem Mann führte McMahon die Wrestling-Show WWE zu internationalem Erfolg. Das Vermögen des Ehepaars wird laut Forbes auf fast drei Milliarden Dollar geschätzt. Die McMahons gelten als spendenfreudige Unterstützer der Republikaner im Allgemeinen und Donald Trump im Speziellen. Was genau ihre Aufgaben sind, ist nicht ganz klar. Im Wahlkampf hatte Trump immer wieder angekündigt, das Bildungsministerium abschaffen zu wollen. © imago stock&people
Der ehemalige Kongressabgeordnete Doug Collins
Der ehemalige Kongressabgeordnete Doug Collins hat unter Donald Trump den Posten des Ministers für Kriegsveteranen übernommen – ein wichtiger Posten in den USA, wo die Rolle der Umgang mit den eigenen Veteranen ein konstanter Streitpunkt ist. Collins gilt als loyaler Unterstützer Trumps und verteidigte auch dessen Behauptungen zum angeblichen Wahlbetrug in Georgia bei der US-Wahl 2020.  © IMAGO/Robin Rayne
Kristi Noem vor der US-Wahl
Kristi Noem berichtete vor der US-Wahl in einer Autobiografie davon, wie sie ihren Hund wegen Ungehorsams erschossen hatte. Damit löste die 52 Jahre alte Gouverneurin des Bundesstaates South Dakota eine Welle der Empörung aus – und hinderte Donald Trump wohl daran, sie zu seiner Vizepräsidentin zu machen. Dafür war die Republikanerin rund ein Jahr lang als Ministerin für innere Sicherheit Teil des Trump-Kabinetts tätig. Im März 2026 musste sie aber ihren Hut nehmen.  © Samantha Laurey/Imago
Senator des Bundesstaates Oklahoma Mullin
Trump bestimmte zugleich den Nachfolger von Noem: Markwayne Mullin führt mit Wirkung zum 31. März 2026 das für Einwanderungs- und Grenzschutzbehörden zuständige Ressort. Der Senator des Bundesstaates Oklahoma und sechsfache Vater aus dem Mittleren Westen gilt als bodenständig, konservativ und loyal zu Trump. Mullin wuchs auf einer Ranch auf, übernahm als junger Mann das Familienunternehmen, einen Sanitär- und Handwerksbetrieb, und baute es zu einer großen Firma aus. Bevor er in die Politik ging, kämpfte er außerdem als Mixed-Martial-Arts-Sportler und blieb laut eigenen Angaben in seiner kurzen Profikarriere ungeschlagen. Nun verfügt Trumps Kabinett über einen neuen Kämpfer.  © J. Scott Applewhite/dpa
Der 44 Jahre alte Lee Zeldin
Lee Zeldin ist neuer Direktor der Umweltschutzbehörde. Trump selbst glaubt nicht an den menschengemachten Klimawandel. Zeldins Aufgabe soll also weniger der Schutz der Umwelt sein. Stattdessen soll der Ex-Abgeordnete laut Trump „für faire und rasche Deregulierung sorgen“. Zeldin bedankte sich für den Posten bei seinem neuen Chef via X und kündigte an, „amerikanische Arbeitsplätze zurückzubringen“. © IMAGO/Matt Bishop/imageSPACE
Russel Vought nennt sich selbst einen „christlichen Nationalisten“.
Russell Vought nennt sich selbst einen „christlichen Nationalisten“. Erfahrungen hat er bereits als Regierungsbeamter in der ersten Administration von Donald Trump sammeln können. Vought war einer der Autoren des „Project 2025“ und gilt als Hardliner in Sachen Grenz- und Einwanderungspolitik. In der neuen Administration von Donald Trump hat er die Leitung des Büros für Management und Haushalt übernommen. © Michael Brochstein/imago
Tulsi Gabbard war einst Abgeordnete der Demokraten
Tulsi Gabbard war einst Abgeordnete der Demokraten und vertrat den Bundesstaat Hawaii von 2013 bis 2022 im Repräsentantenhaus. 2020 kandidierte sie bei den Vorwahlen der Demokrate. 2022 brach sie mit ihrer Partei und erklärte sich für unabhängig. In den Folgejahren näherte sie sich immer mehr den Republikanern an, bis sie sich vor der US-Wahl 2024 öffentlich für Donald Trump aussprach. Der dankte es der 43 Jahre alte Politikerin jetzt mit einem Amt in seinem Kabinett. Gabbard ist neue Direktorin der Geheimdienste. „Seit über zwei Jahrzehnten kämpft Tulsi Gabbard für unser Land und die Freiheiten aller Amerikaner“, sagte Donald Trump in einem Statement. © Marco Garcia/dpa
John ratcliffe
John Ratcliffe führt seit Ende Januar den Auslandsgeheimdienst der USA. Der ehemalige Kongressabgeordnete aus Texas gilt als enger Vertrauter von Trump. Ratcliffe war zuvor Co-Vorsitzender einer konservativen Denkfabrik. In der ersten Amtszeit des Republikaners war der neue CIA-Direktor als Geheimdienstkoordinator tätig. Die Demokraten warfen Ratcliffe damals unter anderem vor, seine Position für politische Zwecke zu missbrauchen. © Jemal Countess/AFP
Jamieson Greer
Jamieson Greer ist der neue US-Handelsbeauftragte – eine Schlüsselrolle angesichts von Trumps Vorliebe, hohe Zölle auf ausländische Produkte zu verhängen. Historisch habe der US-Handelsbeauftragte nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit gestanden, schreibt die „New York Times“. Unter Trump habe die Rolle aber erheblich an Bedeutung gewonnen.  © Imago
Kelly loeffler
Neue Direktorin der Mittelstandsbehörde ist Kelly Loeffler. Die frühere Senatorin verlor im Januar 2021 die Stichwahl um den Sitz im US-Senat – trotz massiver Unterstützung von Donald Trump. Loeffler ist seit 2004 mit Jeffrey Sprecher, dem Vorsitzenden der New York Stock Exchange, verheiratet. © Imago
Susie Wiles, Spitzname „Ice Lady“, wird unter Donald Trump Stabschefin im Weißen Haus
Ebenfalls dabei ist Susie Wiles. Die sogenannte „Ice Lady“ ist Donald Trumps Stabschefin im Weißen Haus und damit die erste Frau auf dieser Position. Die 67 Jahre alte Politikberaterin leitete den Wahlkampf Trumps bei der US-Wahl 2024. In ihrer neuen Funktion wird sie vor allem dafür zuständig sein, zu regeln, wer Zugang zum künftigen Präsidenten erhält. Doch Wiles hat auf einem wahren Schleudersitz Platz genommen. In seinen ersten vier Jahren Regierungszeit benötigte Trump ganze vier Stabschefs. © Alex Brandon/dpa
Elise Stefanik wird die Vereinigten Staaten von Amerika unter der zweiten Regierung von Donald Trump als Botschafterin bei den Vereinten Nationen vertreten
Elise Stefanik sollte die USA eigentlich als Botschafterin bei den Vereinten Nationen vertreten. Doch Donald Trump hat seine Nominierung Ende März überraschend zurückgezogen. Zur Begründung erklärte er, er wolle nicht riskieren, dass Stefaniks Mandat im Kongress bei einer Nachwahl an die Demokraten falle. Stefanik ist eine loyale Verbündete Trumps. 2014 war sie mit damals 30 Jahren die jüngste Frau, die ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. Einst zählte sie zu den eher moderateren Mitgliedern der Partei. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein.  © Annabelle Gordon/Imago

Trump erneut an der Macht: Die Hoffnungen der Migrant:innen schmelzen dahin

All das befürchtet Joan, werde jetzt wieder kommen. Und vielleicht Schlimmeres, sagt sie mit einem tiefen Seufzer. Eigentlich, sagt sie, sei sie zu erschöpft, um diesen Kampf noch einmal aufzunehmen. Oder um wieder Woche für Woche zu Marschieren und zu Demonstrieren. Sie werde es trotzdem tun. „Ich habe mir schon dicke Socken besorgt.“ Die wird Joan brauchen. Die Lage für Migrant:innen in New York ist diesmal um einiges prekärer, als vor acht Jahren. Die liberale Bastion New York, deren Wahrzeichen, die Freiheitstatue, ein universales Hoffnungssymbol für Migrant:innen ist, bröckelt. Zuletzt waren 51 Prozent der New Yorker für ein härteres Einwanderungsgesetz.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Stadt in den vergangenen zweieinhalb Jahren einen starken Zustrom von Migrantinnen und Migranten erlebt hat. Um die Mitte des Jahres 2022 etwa beschlossen die Gouverneure der Grenzstaaten Texas und Florida, die Menschen, die an ihrer Grenze ankamen, einfach in den Norden zu verschiffen. New York war dabei ein Lieblingsziel, weil es sich wie andere Städte während der ersten Amtszeit Donald Trumps als „Sanctuary City“, als „Zufluchtsstadt“, deklariert hatte.

Seither musste New York knapp 230.000 Geflüchtete aufnehmen. Am Einwanderungsgericht der Stadt haben sich rund 300.000 Fälle gestaut. An jedem beliebigen Morgen bildet sich eine mehrere Hundert Meter lange Schlange vor dem Gerichtsgebäude, die sich dann auf 14 Gerichtssäle verteilt. Im Schnitt haben die Richter etwa sechs Minuten Zeit pro Fall.

Hilfe-App

Mexikanerinnen und Mexikaner in den USA können, wenn ihnen Ausweisung droht, auf Hilfe der Behörden Mexikos hoffen. Im Falle einer bevorstehenden Festnahme könnten sie eines von 53 Konsulaten über eine neue Handy-App kontaktieren, sagte Außenminister Juan Ramón de la Fuente. Mit der „Consul-App“ könnten sie sich auch über ihre Rechte informieren. Seinen Landsleuten in den USA stünden 2610 Anwält:innen und andere Rechtsberatende zur Verfügung. Die Informations-Hotline sei personell verstärkt worden und die Regierung bereite ein Sozial-programm zur Unterstützung von Bürgern vor, die ausgewiesen werden. epd

Kalkül der Republikaner: Die Situation in New York City wird immer dramatischer

Zugleich hat der Ansturm das ohnehin schon große Problem der Obdachlosigkeit in der Stadt dramatisch verschärft. Vor 2022 hatte New York geschätzt rund 80.000 Obdachlose. Im Jahr 2023 stieg deren Zahl erstmals in der Geschichte auf mehr als 100.000.

Die Stadt sucht seither verzweifelt nach Unterbringungsmöglichkeiten. Auf einem stillgelegten Flugfeld am äußersten Rand von Brooklyn wurde eine Zeltstadt errichtet. Ebenso auf Randall’s Island, einer Freizeitinsel im East River, auf der sonst Fußballturniere stattfinden und Familien bei herrlichem Blick auf Manhattan Picknicks veranstalten. Die Stadt behielt Hotels, die sie während der Pandemie angemietet hatte. Tag für Tag vertreiben sich Familien aus Südamerika, Westafrika und Russland davor die quälende Zeit der Ungewissheit mit Warten. In Queens und Brooklyn hat die Stadt halbfertige Bürogebäude übernommen, deren Bauherren das Geld ausgegangen war.

Proteste für die Belange der Migrantinnen und Migranten in New York City – am Tag vor der Amtseinführung Trumps.

Das alles stellte die liberale Grundgesinnung der Stadt auf eine harte Probe. Anwohner:innen beschwerten sich, dass Asylsuchende auf Spielplätzen übernachteten, und sich dort wuschen, weil sie es in den bedrängten Unterkünften nicht aushielten. Die immer präsentere Obdachlosigkeit stört die täglichen Pendler im U-Bahn-Netz. Und Berichte von Schießereien und Messerstechereien in den Asylunterkünften beunruhigen die Menschen. Hinzu kommt, dass die Unterbringung der Asylsuchenden die Stadt schon mehr als sechs Milliarden Dollar gekostet hat. All das hat maßgeblich dazu beigetragen, dass selbst in der liberalsten Stadt Amerikas eine verblüffend große Zahl von Menschen für Donald Trump stimmten. Und so können sich Menschen wie Deyvid selbst in New York nicht mehr vorbehaltlos willkommen fühlen.

Das liegt nicht zuletzt auch an der unklaren Haltung des New Yorker Bürgermeisters. Der Ex-Polizist Eric Adams schien zunächst den Status New Yorks als Asylstadt ehren zu wollen. Doch je mehr ihm das Problem über den Kopf wuchs, desto weniger liberal wurde seine Politik.

Trumps geplante Deportationen: Viele Menschen wollen sich nicht einschüchtern lassen

Zunächst ging er vor Gericht, um das von der Stadt verbriefte Recht auf Obdach aufheben zu lassen. Dann verkürzte er die Aufenthaltsdauer von Asylsuchenden in städtischen Einrichtungen. Schließlich legte er sich mit der Biden-Regierung an, weil er sich von ihr finanziell im Stich gelassen fühlte.

Dafür flog er am Wochenende vor Trumps Amtsantritt nach Florida, um einen guten Draht zum neuen Präsidenten zu legen und dessen angespanntes Verhältnis zur Heimatstadt zu verbessern. Böse Zungen mutmaßten, dass Adams Trump einen Freibrief für Deportationen erteilen wollte. Im Gegenzug habe er sich Milde im Korruptionsprozess des Bundes gegen ihn versprochen, der im April ansteht. Allerdings wollte keine Seite bestätigen, dass es derartige Gespräche gegeben habe.

Für die mehr als 400.000 undokumentierten Einwander:innen in New York ergibt das alles zusammen ein trübes Bild von deren Zukunft. In der South Bronx, der Gegend mit der größten Dichte an Migrant:innen, ist man dennoch entschlossen, sich nicht einschüchtern zu lassen. Das kleine mexikanische Restaurant „La Morada“ gehört Natalia Menendez, deren Rezepte schon vom Kritiker der New York Times gelobt wurden. Natalia lebt seit 30 Jahren ohne Dokumente in den USA, ihr Sohn hat vor drei Jahren Asyl erhalten. Ihr Lokal ist gleichzeitig ein inoffizielles Gemeinde- und Informationszentrum für Einwanderer. Natalia und ihr Sohn tun für sie alles – vom Ausfüllen von Anträgen bis hin zu kostenlosen Mahlzeiten. Über dem Eingang hängt ein großes Banner mit den Worten „No Deportaciones/Deportations“.

„Wenn ich vor 20 Jahren die Nachrichten gehört hätte, die ich heute höre“, sagt Natalia, eine energische kleine Frau mit leuchtenden braunen Augen, „hätte ich mich heulend verkrochen.“ Doch sie sei über die Jahre stark geworden und habe nicht vor, sich von Trump einschüchtern zu lassen. Schon alleine, um den neu Angekommenen die Hoffnung nicht zu nehmen. Und vielleicht, ganz vielleicht, glaubt sie, gibt sogar ein Donald Trump nach, wenn man ihm lange genug die Stirn bietet.

Rubriklistenbild: © Leonardo Munoz/afp

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